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Papst in Bangladesch - Franziskus bittet Rohingya um Vergebung

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Papst Franziskus hat in Dhaka Vertreter der Rohingya getroffen. Dabei nannte er die muslimische Minderheit erstmals auf seiner 21. Auslandsreise beim Namen.

Papst Franziskus hat das muslimisch geprägte Bangladesch besucht. Dort hat er unter anderem eine Messe mit 100.000 Gläubigen gefeiert.

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Es war der emotionalste Moment der Reise. 16 Rohingya-Flüchtlinge kamen am Ende eines interreligiösen Friedensgebets in Dhaka am Freitagnachmittag zu Papst Franziskus auf die Bühne und berichteten einzeln kurz von ihrer Flucht aus der Region Rakhine in Myanmar nach Bangladesch. Franziskus hörte still zu, drückte ihre Hände. Dann bat er um das Mikrofon und fand deutliche Worte. "Im Namen aller, die Euch verfolgt haben, die euch weh getan haben, vor allem für die Gleichgültigkeit der Welt, bitte ich um Vergebung", sagte der sichtlich bewegte Papst und fügte dann hinzu: "Heute heißt die Gegenwart Gottes auch 'Rohingya'." Zuvor hatte er ausgeführt, dass alle Menschen "Abbild Gottes" seien. Im Anschluss sprach der Imam, der die Gruppe vom Flüchtlingslager Cox’s Bazar nach Dhaka begleitet hatte, unter Tränen ein Dankgebet.

Papst für politische Lösung

Franziskus war in die Kritik geraten, weil er auf dem ersten Teil seiner Reise in Myanmar den Begriff Rohingya nicht verwendet hatte. Nun wählte er den Rahmen des Friedensgebets, um ein starkes Zeichen der Solidarität zu setzen. Bereits gestern hatte er bei seiner Ankunft in Dhaka den Einsatz Bangladeschs für die Vertriebenen aus dem Nachbarland gelobt und die internationale Gemeinschaft zu "sofortiger materieller Unterstützung" Bangladeschs aufgefordert. Franziskus machte dabei deutlich, dass aus vatikanischer Sicht der Aufenthalt der Rohingyas in Bangladesch "vorläufig" ist und an einer politischen Lösung gearbeitet werden müsse.

Der Erzbischof von Chittagong, Moses Costa, in dessen Bistum das große Flüchtlingslager Cox’s Bazar liegt, erklärte, der Papst wollte dorthin fahren. "Aber unsere Regierung wollte das aus Sicherheitsgründen nicht." Auch hätten politische Gründe dagegen gesprochen, da man eine Verschlechterung der Beziehungen mit dem Nachbarland Myanmar befürchtet habe.

Kein konkretes Wort zu schlechten Arbeitsbedingungen

Franziskus nutzte das interreligiöse Treffen am Freitagnachmittag auch, um an einer Koalition der Religionen für "Offenheit, Akzeptanz und Zusammenarbeit" zu schmieden. Andersheit sei "nicht als Bedrohung, sondern als mögliche Quelle der Bereicherung und des Wachstums zu verstehen". Die Idee, dass die verschiedenen Kulturen und Traditionen eine Gesellschaft bereichern und auch ihren legitimen Platz haben müssen, durchzieht die Reden dieser Reise wie ein roter Faden.

Es fällt auf, dass Franziskus darüber hinaus in Bangladesch andere Akzente setzt als in Myanmar. Dort lag der Schwerpunkt darauf, die Menschenrechte für "alle" im Land einzufordern. In Bangladesch betont der Papst die Religionsfreiheit. Gleich zum Auftakt erinnerte er vor Vertretern aus Politik, Gesellschaft und dem Diplomatischen Corps an den Gründervater des Landes, Scheich Mujibar Raham, der "eine moderne, pluralistische und inklusive Gesellschaft vor Augen" gehabt habe, "in der jeder Mensch und jede Gemeinschaft in Freiheit, Frieden und Sicherheit leben kann".

Ein wichtiges Thema sprach Franziskus an den ersten beiden Tagen in Bangladesch nicht an: die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter. Eigentlich gehören die "moderne Sklaverei" und die Arbeitsausbeutung zu den zentralen Themen seines Pontifikats. Doch ausgerechnet in einem Land, dessen Textilindustrie immer wieder wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in der Kritik steht, schweigt der Papst dazu. Zwar würdigte er bei der Begegnung mit den Bischöfen am Freitag die Sozialarbeit der Kirche, doch er blieb in seinen Ausführungen sehr allgemein und bezog sich vor allem auf den Einsatz für die Armen und die Familien im Land.

Keine Zukunft ohne Laien

Die Bischöfe mahnte er, die Laien stärker einzubeziehen. Vor allem bei der Glaubensweitergabe seien sie als Katecheten wesentlich. "Diese sind wahre Missionare und Gebetsvorsteher, vor allem in den am weitesten abgelegenen Gebieten." Daran ändert auch nichts, dass die Kirche gerade in Asien in vielen Ländern eine große Zahl von Priesterberufungen hat. Die Weihe von 16 Einheimischen zu Priestern durch den Papst am Morgen zeigt das. Doch ohne eine Stärkung der Position der Laien, so das Credo von Franziskus, wird die Kirche nicht zukunftsfähig sein.

Die Reise des Papstes nach Myanmar und Bangladesch diente in erster Linie dazu, die kleinen katholischen Herden in den beiden Ländern zu bestärken. Diese dürften das auch so empfunden haben, ohne befürchten zu müssen, nach der Abreise ihres Oberhaupts Prügel für zu offenherzige Worte zu bekommen. Er ermutigte die Katholiken, sich selbstbewusst am Aufbau einer gerechten und demokratischen Gesellschaft zu beteiligen. Franziskus machte deutlich, dass die katholische Kirche den Weg des Dialogs mit allen Religionen und gesellschaftlichen Playern sucht und fördern will. Mit seiner Vergebungsbitte gegenüber den Rohinygas zeigte er einmal mehr, dass er stets für Überraschungen gut ist und gut abzuwägen weiß, wo eher diplomatische Zurückhaltung angebracht und wann der richtige Moment für ein klares Zeichen der Solidarität ist.

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