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Nonnen missbraucht - Papst erweitert Missbrauchs-Debatte

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Erst waren es die Kinder. Jetzt die Nonnen. Der Papst hat eingestanden, dass es in der katholischen Kirche Missbrauch von Ordensfrauen gab und gibt und will das Thema aufarbeiten.

Papst Franziskus
Papst Franziskus
Quelle: ap

Die Diskussion beim Thema Missbrauch in der katholischen Kirche weitet sich immer mehr aus. In einer ersten Phase waren vor allem die Opfer und Täter im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen im Blick. Seit einem guten Jahr stehen in Ländern wie den USA, Chile, Deutschland, Irland und Australien verstärkt die Verantwortlichen im Fokus, die Missbrauch vertuscht oder die Aufarbeitung verschleppt haben. Nun kommt ein weiteres Kapitel hinzu: der Missbrauch von Ordensfrauen durch Kleriker. Dass es diesen gibt, ist seit langer Zeit bekannt; dass darüber öffentlich gesprochen wird, ist neu.

Tabuthema fällt

Bereits am vergangenen Freitag prangerte das Frauenmagazin der vatikanischen Tageszeitung "Osservatore" Romano den Missbrauch von Ordensfrauen öffentlich an. Das war ein erstes Signal, dass dieses Thema nun offensiv angegangen wird. Denn im "Osservatore Romano", dem offiziellen Sprachorgan des Heiligen Stuhls, wird ein derart heikles Thema nicht ohne Wissen von höchster Stelle behandelt. Damit fällt ein weiteres Tabuthema. Auf den Artikel in der Vatikanzeitung angesprochen, gestand nun auch Papst Franziskus bei der fliegenden Pressekonferenz auf dem Rückweg von Abu-Dhabi nach Rom, dass es in der katholischen Kirche Missbrauch von Ordensfrauen durch Priester und Bischöfe gegeben habe und noch immer gebe.

Das Thema ist seit langer Zeit bekannt. Die Autorin des zentralen Artikels zum Thema im "Osservatore", Lucetta Scaraffia, bezieht sich auf zwei Berichte über Missbrauch von Geistlichen an Ordensfrauen aus den 1990er Jahren. Darin fänden sich "präzise Angaben", die auf "fundierten Untersuchungen" basierten. Allerdings sei über diese Anzeigen Schweigen gefallen. "Man weiß nur zu gut, wie Schweigen tatsächlich dazu beiträgt, den Vergewaltigern Sicherheit zu geben, die sich ihrer Straffreiheit immer sicherer werden", so Scaraffia. Das Machtgefälle zwischen Priestern und Ordensleuten erschwere eine Anzeige, ist die Autorin überzeugt. Es gebe eine "begründete Angst" vor Vergeltung gegenüber der Betroffenen oder ihrem ganzen Orden.

Ordensfrauen sagen #MeToo

Es dürfte mehrere Gründe geben, warum das Thema gerade jetzt auch im Vatikan offen angesprochen wird. Zum einen wurde in den vergangenen Monaten der Druck an vielen Stellen in der Weltkirche immer größer. Es kommt langsam zu einer Art "#MeToo-Bewegung" unter Ordensfrauen. In Indien steht ein Bischof im Verdacht, eine Ordensfrau vergewaltigt zu haben. In der vatikanischen Glaubenskongregation trat in der vergangenen Woche ein ranghoher Mitarbeiter zurück, weil ihm eine ehemalige Ordensfrau vorwirft, sie im Beichtstuhl massiv bedrängt zu haben. Beide Verfahren sind noch offen. Mehrere Vereinigungen von Frauenorden haben ihre Mitglieder aufgefordert, Fehlverhalten und Missbrauch zu melden.

Neben dem öffentlichen Druck dürfte es aber auch ein eigenes Interesse des Papstes und seiner engsten Mitarbeiter geben, dass das Thema nun auch offiziell diskutiert wird. In zwei Wochen findet im Vatikan das Krisentreffen zum Missbrauch und Kinderschutz statt. Dazu werden die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit für vier Tage nach Rom kommen. Papst Franziskus hatte in den vergangenen Monaten bereits den Fokus bei der kirchlichen Missbrauchsdebatte verschoben. Für ihn ist klar, dass es einerseits um die konkreten Täter und Betroffenen gehen muss, dass es aber daneben systemische Faktoren gibt, die Missbrauch begünstigen. Diese Erkenntnis wird nicht zuletzt durch Debatte über die Situation der Ordensfrauen noch einmal verstärkt. Das wird sich auch auf die Diskussionen bei dem Treffen im Vatikan auswirken. Immer mehr werden die Fragen nach dem Umgang mit Macht und der Kontrolle von Macht in der katholischen Kirche in den Fokus rücken und die Fragen nach der Rolle der Frau in der Kirche.

Papst greift durch

Seit den 1990er Jahren gibt es immer wieder Hinweise auf den Missbrauch von Ordensfrauen. Papst Franziskus erklärte jetzt, dass der Vatikan schon lange daran arbeite. Bereits Benedikt XVI. habe begonnen, hart durchzugreifen. In einem Fall sei eine Frauengemeinschaft sogar aufgelöst worden, in der Missbrauch von Frauen "einen gewissen" Umfang erreicht habe. Franziskus sprach in diesem Kontext von "Sklaverei bis hin zu sexueller Sklaverei durch die Kleriker oder des Gründers". Zugleich gab Franziskus zu, dass noch mehr getan werden müsse. "Wollen wir das? Ja!", bekräftigte das Kirchenoberhaupt. In zwei Wochen wird es beim Krisengipfel zu einer ersten Nagelprobe kommen.

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