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Land der brennenden Kirchen - Franziskus' heikle Reise nach Chile

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Der Papst reist ins Land der brennenden Kirchen: Dabei kommt es auf jede Geste an. Ureinwohner werfen der Kirche vor, Mitschuld an der historischen Unterdrückung zu sein.

Ein Demonstrant mit einer Flagge der Mapucho
Ein Demonstrant mit einer Flagge der Mapucho Quelle: ap

Der Schreck war den Gastgebern ins Gesicht geschrieben: Präsidentin Michelle Bachelet versuchte sich in einer Erklärung einer ihrer Meinung nach "seltsamen Nacht" von Santiago. Auch ihr bereits gewählter Nachfolger Sebastián Piñera verurteilte die Attacken auf mindestens fünf Kirchen wenige Tage vor dem am Montagabend beginnenden Besuch von Papst Franziskus in Chile: Hass und Intoleranz dürften nicht über den Rechtsstaat siegen, ließ Piñera wissen.

Seit mehr als zwei Jahren ist die Situation in Chile und Argentinien angespannt. Insgesamt gingen mehr als zwei Dutzend kirchliche Einrichtungen in Flammen auf. Dahinter, so vermuten es chilenische Medien, stecken vor allem radikale Mapuche. Bekennerschreiben von autonomen Gruppen, die an den Tatorten gefunden werden, deuten daraufhin. Bislang achteten die Attentäter stets darauf, dass Menschen bei den Brandanschlägen nicht zu Schaden kamen. Meist kamen die Brandstifter nachts, zündeten die Brandbeschleuniger an und verschwanden - nicht ohne einen handgeschriebenen Bekennerbrief zu hinterlassen.

Franziskus will Gespräch suchen

Inzwischen ist die Situation so aufgeheizt, dass einer Umfrage zu Folge die Mehrheit der Chilenen den Besuch von Franziskus in der Mapuche-Hochburg Temuco mit Sorge betrachtet. Die päpstliche Visite könne die Stimmung noch weiter anheizen, befürchten die Chilenen. Javier Peralta, Cheforganisator des Papstbesuches in Chile, verspricht allerdings: "Papst Franziskus wird während seines Besuches in Chile auch das Gespräch mit Vertretern der Mapuche suchen."

Das argentinische Kirchenoberhaupt ließ sich im Vorfeld ein Dossier von der chilenischen Kirche und aus dem Präsidentenpalast schicken, um sich aus erster Hand über die Lage der Mapuche zu informieren. Besonders die Frage der Landrückgabe interessiert den Papst. Die etwa 2,8 Millionen Mapuche, die heute noch in Argentinien und Chile leben, fordern von den Staaten Land zurück, das ihrer Meinung nach widerrechtlich an Unternehmen verkauft wurde oder sich der Staat selbst aneignete. Bekanntester Fall ist der Kauf von mehreren tausend Hektar Land der Familie Benetton in Argentinien. Das Treffen mit den Mapuche-Vertretern soll am Mittwoch im Rahmen des Besuches von Franziskus in der Hauptstadt der Unruheregion Araucania stattfinden. 

Bombendrohung gegen Franziskus

Für viele Mapuche ist die katholische Kirche deshalb ein Feindbild, weil sie nach ihrer Meinung in den Jahren der Unterdrückung durch den unabhängigen chilenischen Staat mehrheitlich auf der Seite der Machthaber stand. "Nein zu Religion und zum Prediger", lautete deshalb ihre Botschaft bei den jüngsten Attacken mit Steinen und Farbbeuteln auf die Kirchen in Santiago. Und auch eine Bombendrohung gegen den Papst fand sich unter den Bekennerschreiben. Entsprechend groß ist nun das Sicherheitsaufgebot. Alle fünf, sechs Meter soll ein Polizist bei den Ausfahrten mit einem schon bei früheren Reisen eingesetzten Papamobil den Argentinier beschützen.

Der Mapuche-Konflikt wird das international beherrschende Thema der Reise von Franziskus nach Chile und Peru sein. Doch gibt es aus chilenischer Sicht noch ein zweites Thema, das die Visite bestimmen wird. Seit Tagen fordern Opfer sexuellen Missbrauchs ein Treffen mit dem Papst. Der chilenischen Kirche werfen sie vor, zu lange geschwiegen und die Fälle vertuscht zu haben. Die Lage spitzte sich zu, als eine Website in der vergangenen Woche die Namen von 80 katholischen Geistlichen veröffentlichte, denen mutmaßlich sexueller Missbrauch vorgeworfen wird.

Die Liste sei ein Teil von einer Anzahl beschuldigter Geistlicher, die hätten bekannt sein können, wenn die katholische Kirche die Fälle den Ermittlungsbehörden genannt hätte, heißt es in einer Stellungnahme der Website bishopaccountability.org. Und in einem Fall wird der Papst auch persönlich scharf kritisiert. Die katholische Laien-Organisation wirft dem Argentinier vor, an Bischof Juan Barros aus Osorno festzuhalten, obwohl es gegen ihn Vorwürfe gibt, er habe Priester gedeckt. Barros weist alle Vorwürfe zurück, auch der Vatikan stellt sich bislang hinter Barros. Das verhinderte allerdings nicht, dass es bei Gottesdiensten des Bischofs regelmäßig zu zum Teil spektakulären Protesten gegen den Bischof kommt.

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