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Afrikas Wirtschaft - Jenseits von Entwicklungshilfe

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"Compact with Africa", "Marshall-Plan" oder "Pro! Afrika": Derzeit gibt es viele Pläne, wie die Entwicklungshilfe in Afrika verstärkt werden kann. Sie alle folgen einem Prinzip: Staatliche Entwicklungshilfe war gestern. Private Investoren sollen Afrika mit Milliardensummen helfen.

Die Digitalisierung verändert Afrika rasend schnell. Vor allem Mobilfunk-Apps, wie M-Pesa, M-Kopa oder M-Farm. Sie funktionieren auch auf einfachen Handys und helfen dabei das Leben zu organisieren.

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Afrikas strukturelle Probleme sind riesig und die traditionelle Entwicklungspolitik ist weitgehend gescheitert. 4.000 Milliarden Dollar wurden seit 1960 als Entwicklungshilfe im Schwarzen Kontinent verteilt, ohne dass sich die Lebensbedingungen wesentlich verbessert hätten. Der Anteil Afrikas am Welthandel sank im gleichen Zeitraum von sieben auf jetzt nur noch knapp drei Prozent.

Nun sollen reformwillige Länder, die gute Bedingungen für Investoren schaffen, belohnt werden. "Entwicklungspartnerschaften" nennt Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) das und spricht von einem Paradigmenwechsel. Auch die EU und die G20 setzen zunehmend auf privates Kapital statt milder Gaben von Staats wegen.

Riesige Finanzierungslücke

Doch Investoren aus westlichen Ländern machen sich immer noch rar in Afrika. Das hat viele Gründe. 645 Millionen Afrikaner, mehr als die Hälfte der Bevölkerung, haben keinen verlässlichen Zugang zu Strom, zudem prägen Monopole den Sektor. Es fehlt an Rechts- und Vertragssicherheit, an Straßen- und Telekommunikationsnetzen. Vor allem aber fehlt es an Geld, um diese notwendigen Voraussetzungen für Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Pierre Guislain ist Vize-Direktor der African Development Bank (AfDB) und ist zuständig für Privatinvestitionen, Infrastruktur und Industrialisierung. Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin makro sagt er: "Wir schätzen den Finanzbedarf für den Ausbau der Infrastruktur in Afrika auf etwa 100 Milliarden Dollar jährlich - mit einer Finanzierungslücke von etwa der Hälfte dieser Summe."

Länder kaum untereinander vernetzt

Die AfDB hat deshalb im September 2015 ein Zehn-Jahres-Programm mit fünf Prioritäten aufgelegt ("High Fives"). Eine Art Turbo-Programm, um Afrikas Infrastruktur zu verbessern und für Investoren aus dem In- und Ausland attraktiver zu machen: Stromversorgung, Nahrungsmittelsicherheit, räumliche Integration, Industrialisierung und Lebensqualität. Bis 2025 wird die Bank jedes Jahr dreieinhalb Milliarden Dollar in sechs Leuchtturmprojekte stecken, um Afrika zu industrialisieren. Allein zwölf Milliarden Dollar fließen bis 2020 in den Ausbau des Energiesektors. Die jeweiligen Entwicklungsländer sollen im Gegenzug ihre Märkte öffnen und ihre Monopole im Energiesektor abbauen, damit Wettbewerb im Strommarkt entstehen kann.

Auch die Handelswege sind unterentwickelt. Viele afrikanische Länder sind besser international vernetzt als untereinander. Das macht den Warenaustausch unter Nachbarn schwierig und bremst das Wachstum, zumal 16 der 54 afrikanischen Länder keinen Zugang zum Meer besitzen und ihre Im- und Exporte bis zu zweieinhalb mal teurer sind als für Länder mit Seezugang. Ein doppeltes Handicap. "Eine gute infrastrukturelle Vernetzung ist absolut essentiell für die Entwicklung Afrikas", betont Guislain. Da alle 54 Länder Anteilseigner der AfDB sind, kann die Bank über Grenzen hinweg vermitteln und wichtige Infrastrukturprojekte auf den Weg bringen.

Grenzüberschreitende Großprojekte

Die AfDB finanziert daher als Partner großer Privatinvestoren vorzugsweise grenzüberschreitende Projekte auf dem Kontinent - mit dem Bergbaugigant Vale zum Beispiel einen 912 km langen Bahnkorridor zum Hafen Nacala in Mosambik. Das wahrscheinlich größte privat finanzierte Infrastrukturprojekt Afrikas dürfte auch andere Unternehmen anlocken und den Warenaustausch ankurbeln.

Ein Beispiel in Ostafrika ist der Mombasa-Addis-Korridor, der das aufstrebende Binnenland Äthiopien mit dem kenianischen Exporthafen Mombasa verbindet. Die AfDB hat mehr als eine Milliarde Dollar in das Projekt gesteckt. Ein drittes Mammutprojekt des Geldhauses ist der Lagos-Abidjan-Korridor, der in Westafrika gleich fünf Anrainerländer miteinander verbindet.

Dabei achtet die Bank darauf, nicht nur Bahnstrecken und Straßen, sondern auch "softe" Infrastrukturfaktoren zu verbessern, sagt Guislain: Grenzübergänge etwa müssten gut gemanagt werden, damit sie mit dem erhöhten Grenzverkehr fertig würden und keine Verzögerungen auf den Handelswegen entstünden.

Neustart mit Technologie und Dezentralisierung

Relativ neu in der Finanzierungsstrategie der AfDB sind Spezial-Fonds, die auch den Geldbedarf kleinerer Player in den afrikanischen Märkten unterstützen sollen. Als Beispiel nennt Guislain die "Revolution auf dem Mobilfunkmarkt" - mit der wichtigste Treiber von Fortschritt und Entwicklung auf dem Kontinent. Gerade arme Menschen hätten dadurch die Möglichkeit bekommen, mit winzigen Summen Konten zu eröffnen, Geld anzusparen und zu überweisen. Hier hätten Regierungen bestehende Regeln gelockert, um neuen Marktteilnehmern Geschäftsmöglichkeiten zu eröffnen. Viele Startups haben sie genutzt.

Ähnliche Fortschritte seien auch auf dem Energiesektor möglich, etwa dezentrale Solaranlagen ("off-grid"), die entlegene Dörfer mit Strom versorgen. Auch hier erhofft man sich einen Entwicklungsschub durch neuen Technologien. Die AfDB operiert dabei mit mehreren Kapitalbeteiligungs-Fonds, ihrem "Energy Inclusion Fund", einem Erneuerbare-Energien-Fonds und weiteren Finanzierungsinstrumenten, die allesamt mit Investorengeldern kleinere Firmen unterstützen sollen.

"Kontinent der Hoffnungen und Möglichkeiten"

"Diese kleinen Player sind ein absolut wichtiger Gegenpart zu unseren großen Infrastrukturprojekten mit den Big Playern", so Guislain. "Insgesamt ist Entwicklungsarbeit ein kompliziertes Gebilde - eine Finanzarchitektur aus unserer Sicht -, in dem die Regierungen der Entwicklungsländer, der Privatsektor und auch die Entwicklungspartner und Geberländer alle eine entscheidende Rolle spielen." Damit ist Afrika für Guislain vor allem eins: eine große Chance für Investoren.

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