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E-Scooter: Paris kämpft gegen Wildwuchs

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Verschärfte Vorschriften - E-Scooter: Paris kämpft gegen Wildwuchs

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Sie werden einfach liegengelassen, einige landen in der Seine, ganz ungefährlich sind sie auch nicht: Paris sagt dem Wildwuchs bei E-Scootern den Kampf an.

E-Scooter in Paris
Boomt: E-Scooter in Paris
Quelle: dpa

Für die einen sind sie der Inbegriff moderner Bewegungsfreiheit, für andere ein gefährliches Ärgernis: Über E-Scooter wird in Paris seit ihrer Einführung vor gut einem Jahr hitzig debattiert. Aberwitzige Slalomfahrten, zugeparkte Gehwege und Unfälle ziehen Kritik nach sich. Erst an Pfingsten starb ein 25-Jähriger nach einem Zusammenstoß mit einem Laster. Um die wachsende Anarchie bei den elektrischen Leih-Tretrollern einzudämmen, nehmen die Behörden die Anbieter an die Kandare.

Rund 15.000 E-Scooter zum Leihen per Smartphone-App gibt es in der französischen Hauptstadt bereits, bis zum Jahresende könnten es 40.000 werden. Beliebt sind die Flitzer vor allem bei Touristen und jungen Leuten. "Das ist so einfach, das ist die Freiheit", schwärmt etwa Josra Hadsch Dschabid, der die Roller täglich nutzt. "Schnell, unkompliziert und witzig", stimmt nahe des Eiffelturms auch ein Touristenpaar aus Großbritannien in den Chor der E-Scooter-Fans ein. Währenddessen surren dutzende Roller mit Paris-Besuchern oder Hauptstadt-Bewohnern am Seineufer entlang.

In Gärten und Parks verboten

Viele Pariser teilen diese Begeisterung allerdings ganz und gar nicht. Vor allem achtlos abgestellte oder zurückgelassene Mietroller sorgen für Ärger. "Wo ist das Pflichtgefühl?", klagt der 88-jährige Yves Goupil, der jeden Tag am Flussufer spazieren geht. "Sie schmeißen die Roller sogar in die Seine!"

Zudem seien die Roller "supergefährlich", kritisiert die Stylistin Juliette. Tatsächlich ist es in Paris ungewöhnlich, einen E-Scooter-Fahrer mit Helm zu sehen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ökobilanz der Roller. Laut einer US-Studie aus Kentucky beträgt die durchschnittliche Lebensdauer der Akku-Roller von Leihanbietern gerade einmal 28 Tage.

Um den E-Scooter-Wildwuchs in Paris zu beenden, verschärft die Stadt ihre Vorschriften. Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat vergangene Woche ein Parkverbot für die sogenannten E-Scooter auf Gehwegen angekündigt. Zudem wird ihr Gebrauch "in allen Parks und Gärten verboten". Zudem soll ab Juli die Geschwindigkeit der Roller auf 20 Stundenkilometer begrenzt werden - in Fußgängerzonen sogar auf acht Kilometer pro Stunde.

Wildwuchs beim Parken

Zuvor hatte die Stadt einen freiwilligen Verhaltenskodex mit den Anbietern unterzeichnet. Verleiher wie Lime, Bird und Tier verpflichteten sich damit, das wilde Parken der Roller zu unterbinden und die Ökobilanz der Flitzer zu verbessern. Lime etwa hat nach eigenen Angaben rund 50 Mitarbeiter mit "Stadt-Patrouillen" beauftragt. "Wir wollen gute Schüler sein", sagt ein Sprecher.

Der Wildwuchs hat auch die französische Regierung auf den Plan gerufen: Ab dem Herbst sollen nach dem Willen von Verkehrsministerin Elisabeth Borne in ganz Frankreich verschärfte Regeln gelten - denn auch in anderen Großstädten wie Lyon und Marseille wird das Roller-Sharing beliebter. Borne will damit nach eigenen Worten das "Gesetz des Dschungels" beenden.

Dann soll allen Nutzern ein Bußgeld von 135 Euro drohen, wenn sie die E-Scooter auf Gehwegen nutzen. Die Nationalversammlung hat bei einer ersten Debatte vergangene Woche aber den Weg für Ausnahmen durch die Kommunen geöffnet. Außerdem sprachen sich die Abgeordneten gegen eine Helm-Pflicht aus. Verkehrsministerin Borne räumte daraufhin ein: "Die Franzosen haben es satt, dass man ihnen immer neue Vorschriften macht."

Hektischer Pariser Verkehr und E-Scooter. Umweltfreundlich durch die Stadt, von A nach B und zu den wichtigsten Touristenattraktionen. Das Aufladen der Akkus ist ein profitabler Job, der auch gefährlich sein kann. Zwischen Chaos und Fortschritt.

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