Sie sind hier:

Automobilsalon - Lautlos durch Paris: E-Roller im Trend

Datum:

Zum ersten Mal seit 1986 sind motorisierte Zweiräder wieder auf dem Pariser Autosalon vertreten. Darunter sind viele E-Roller - längst ein Trend in der französischen Hauptstadt.

E-Roller, aufgenommen am 29.06.2017
Knattert gar nicht mehr: Der Roller wird in Paris wieder beliebter, aber jetzt leise.
Quelle: dpa-Zentralbild

"Autofahren in Paris ist die Hölle. Seit sechs Monaten habe ich einen E-Roller. Das hat mein Leben verändert", sagt Grégoire. Das Auto des 43 Jahre alten Vater von drei Kindern kommt nur noch am Wochenende und in den Ferien aus der Garage. Für die täglichen Wege ist die fünfköpfige Familie auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad und die Neuanschaffung, einen E-Roller, umgestiegen. Ein Trend in der französischen Hauptstadt.

Wachsende Minderheit

Das spiegelt sich auch auf dem Pariser Autosalon wieder, der am Mittwoch von Präsident Macron eröffnet wurde und ab heute dem Publikum zugänglich ist. Die internationale Messe in der französischen Hauptstadt findet im Wechsel mit der IAA für Pkw in Frankfurt statt. Zum ersten Mal seit über 30 Jahren sind in Paris jetzt auch wieder motorisierte Zweiräder.

Denn: Frankreich ist einer der dynamischsten Märkte für Motorroller. Über eine Million von ihnen gibt es im Land, davon rollt fast die Hälfte durch Paris und an der Côte d'Azur entlang. Bei der Automesse ist eine ganze Halle den Zweirädern gewidmet. Und hier stehen nicht nur dicke Motorräder mit vielen PS, sondern auch Tretroller, Fahrräder oder Motorroller - mit Elektroantrieb.

Im Pariser Stadtbild gehören sie seit Jahren dazu. Ungefähr 96.000 motorisierte Zweiräder befahren täglich die französische Hauptstadt. "Ihr Verkehr hat sich im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts verzweifacht. Immer mehr Autofahrer steigen auf Zweiräder um", bestätigt der stellvertretende Bürgermeister Christophe Najdovski in einem Interview mit der Wochenzeitung "Le Point". Er ist für die Mobilität zuständig.

Autos auf dem Rückzug, Roller auf dem Vormarsch

Bis jetzt sind nur circa 4.000 Zweiräder elektrisch, aber die Tendenz ist steigend. Und im Gegensatz zum E-Auto sind fehlende Ladestationen kein Problem. "Die Batterie kann ich mitnehmen und an jede Steckdose anschließen", sagt Grégoire. Auch die begrenzte Autonomie ist bei kurzen Strecken in der Innenstadt nebensächlich.

Ihren Erfolg verdanken die E-Roller Sharing-Systemen und Firmen oder Städten, die sich eine Flotte zugelegt haben, erklärt Hersteller Yamaha. Seit Juni 2016 gibt es in Paris die Firma Cityscoot. Damals standen 150 E-Roller frei zur Verfügung, ohne feste Annahme- oder Abgabestationen. Mit 500 Anmietungen pro Tag haben sie begonnen, zwei Jahre später sind es 13.000. Nächstes Jahr will die Firma 10.000 Roller in sieben oder acht europäischen Städten anbieten.

"In den Städten wächst die Abneigung gegen das Auto. Die Nutzung wird um 30 bis 40 Prozent zurückgehen", sagt der Gründer von Cityscoot, Bertrand Fleurose. "Im Jahr 2025 wird es mindestens 15.000 E-Roller in Paris geben, die Stadt ist ein Vorreiter, wenn es um Mobilität geht", sagt er.

Wird das Fahrrad verdrängt?

Aber auch die Zweiräder haben ihre Gegner. Vor allem die mit einem Motor. "RasLeScoot" (Wir haben Roller satt) heißt die Anti-Roller Bewegung, die in Paris immer aktiver wird. Sie kämpft gegen parkende Motorräder und Roller auf allen Fußwegen, gegen ihre systematische Inanspruchnahme der Fahrradwege, das Verdrängen der Radfahrer von der Fahrbahn.

Die Stadt Paris hat Abhilfe versprochen. Demnächst sollen Videokameras eingesetzt werden, um Strafmandate an Motorradfahrer zu verteilen, die Fahrradwege benutzen. Auch das Parken auf den Bürgersteigen soll eingeschränkt werden.

"Der öffentliche Bereich wird besetzt, vor allem die Fußwege. Bis jetzt ist das Parken kostenlos, aber wir sind in einer Übergangsphase und würden gerne eine Gebühr auf die Besetzung des öffentlichen Bereichs einführen", sagt Christophe Najdovski "Le Point". Bis jetzt gibt es in Paris nur rund 40.000 offizielle Parkplätze für Zweiräder.

Neues Gesetz soll Mobilität steuern

"Schon ab 2019 würden wir viele Formen der Mobilität gerne einschränken: Sonst haben wir bald überall Fahrdienst-Vermittler wie in London oder kaputte Tretroller wie in San Francisco. Wir warten aber auf das Gesetz über die neue Mobilität", erklärt der Stadtrat.

Über eine Million Besucher erwartet der Pariser Autosalon in den nächsten zehn Tagen. Und die Hersteller übertreffen sich mit Neuheiten auf zwei, drei oder vier Rädern. Auch in der Hoffnung, den einen oder anderen Kunden für einen E-Roller zu gewinnen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.