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FARC-Partei bei Parlamentswahl - Wahlzettel statt Waffen

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In einem Klima von Wut und Hass wählt Kolumbien ein neues Parlament. Erstmals kandidieren ehemalige Kämpfer der FARC-Guerilla. Die politische Rechte bekämpft den Friedensprozess.

Statt mit dem Sturmgewehr kämpft Isabela Sanroque nun mit Flugblättern und Argumenten. Ungewohntes Terrain für die Kandidatin, die 13 Jahre lang in der Guerilla war – und sich jetzt dem Votum der kolumbianischen Wähler stellt. Die 33-Jährige bewirbt sich um ein Abgeordnetenmandat im Parlament. Sie hatte große Hoffnungen. Doch im Wahlkampf stieß sie vor allem auf Desinteresse und Ablehnung. "Es ist keine pauschale Zurückweisung durch die Gesellschaft", sagt sie dem ZDF. "Aber es braucht noch Zeit, die Wunden zu heilen und zu versöhnen".

FARC hat kaum Chancen

Es ist ein Demokratie-Schock, wie ihn viele Kandidaten der FARC-Partei bei dieser Wahl erleben. Unter dem Motto "Urnen statt Waffen" hatten sie sich mehr ausgerechnet. Doch alle Umfragen zeigen: Sie sind so gut wie chancenlos. Die FARC liegt stabil unter zwei Prozent. Viele Wähler verbinden mit den früheren Bürgerkriegern vor allem die Erinnerung an Bombenattentate und Entführungen.

Dennoch wird die FARC künftig mit zehn Mandaten im Kongress vertreten sein: Der Friedensvertrag mit der Regierung garantiert ihnen fünf der 166 Sitze im Abgeordnetenhaus und fünf der 102 Senatssitze. Rund 37 Millionen Kolumbianer können ihre Stimme abgeben. Der Ausgang der Parlamentswahl gilt außerdem als wichtiges Stimmungsbarometer für die Präsidentschaftswahl am 27. Mai.

Massiver Protest gegen Kandidaten

Angriffe und Drohungen überschatteten diesen Wahlkampf. Besonders der als Präsidentschaftskandidat vorgesehene FARC-Politiker Timoschenko bekam dies zu spüren. Der frühere Chef der Guerilla wurde während der Kampagne mit Eiern beworfen, seine Gegner warfen Steine, schlitzten die Reifen seines Wagens auf. Andere Kandidaten wurden als "Mörder" beschimpft.

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos sieht sein politisches Vermächtnis in Gefahr: "Damit wir den Frieden erreichen können, dürfen wir diese Gewalt nicht tolerieren." Vor gut einem Jahr hatte er ein Abkommen mit der Guerilla unterzeichnet, das 52 Jahre Bürgerkrieg beendete. 200.000 Menschen kamen in diesem Konflikt um. Für Dialog und Versöhnung mit der FARC erhielt Santos den Friedensnobelpreis.

Mittlerweile hat FARC-Chef Timoschenko sich aus dem Präsidentschaftsrennen zurückgezogen -  aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Tatsächlich soll ihm die Aussichtslosigkeit seiner Kandidatur klar geworden sein. Sein Versuch, eine breite Bewegung hinter sich zu vereinen, ist gescheitert. Die gemäßigten linken Kräfte Kolumbiens lehnen jede Verbindung mit der FARC ab.

Hoffnung der Linken: Gustavo Petro

"Natürlich hat jeder das Recht auf eine zweite Chance, doch für die FARC ist es noch viel zu früh", sagt Amalia Peña gegenüber dem ZDF. Die junge Frau wird für die linke Sammelbewegung von Gustavo Petro stimmen. Der frühere Bürgermeister von Bogotá führt einen erfolgreichen Anti-Establishment-Wahlkampf. Auch er war früher in der Guerilla, allerdings in der Rebellengruppe M-19, die sich bereits 1990 von der Gewalt lossagte und zur politischen Partei wurde. Umfragen sehen Petro als einzigen Kandidaten, der im Mai bei der Präsidentenwahl einen Durchmarsch der politischen Rechten noch verhindern kann.

Vor allem die Rechtsaußenpartei "Centro Democrático" von Ex-Präsident Álvaro Uribe hat sowohl bei der Parlaments- als auch bei der Präsidentenwahl beste Chancen. Ihre Anhänger wollen die FARC nicht als politischen Partner akzeptieren, nennen die Legalisierung der Ex-Guerilla eine Tragödie. Uribe möchten den Friedensvertrag am liebsten aushebeln.

Seine Präsidentschaft von 2002 bis 2010 steht für einen knallharten Kurs gegen die Guerilla. Er wird den ehemaligen Chef einer rechtsextremen Miliz ins Präsidentschaftsrennen schicken. Gemeinsam mit anderen konservativen Parteien im Parlament könnte Uribes Partei diesmal die absolute Mehrheit der Mandate erringen. 

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