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Parlamentswahl in Thailand - Von Militärs, Milliardären und einer Prinzessin

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In Thailand kämpfen hauptsächlich Militärs und Milliardäre um die Macht im Parlament. Der Schwester des Königs wurde die Kandidatur verboten. Eine Wahl mit völlig offenem Ausgang.

Archiv: Der Phra Khanong Kanal, im Hintergrund das Stadtzentrum von Bangkok, Thailand, aufgenommen am 19.03.2019
Gespanntes Warten auf das Wahlergebnis: Das Stadtzentrum von Bangkok.
Quelle: AP

Die Schlagzeilen hätten nicht kurioser sein können in den vergangenen Monaten: "Prinzessin gegen General" hieß es zunächst, dann "Thailand verbietet 'Prinzessin-Partei'". Und, schließlich, war da in fetten Lettern von einem "Macron Asiens" die Rede, der am Sonntag bei der Parlamentswahl in Thailand neuer Premierminister werden und den regierenden General Prayut Chan-o-cha ablösen will.

Hauen und Stechen vor der Parlamentswahl

Selten hat eine Parlamentswahl in dem südostasiatischen Urlaubsland für derart viel Furore gesorgt. Und das schon Wochen vor dem Urnengang. Allerdings liegt das nicht nur an den illustren Kandidaten, sondern vor allem an dem Hauen und Stechen im Vorfeld, das noch nicht einmal versteckt im Hintergrund abläuft. "Wahlkrampf in Thailand" lautete folgerichtig eine Überschrift. Doch für Thailand steht viel auf dem Spiel.

Es ist die erste demokratische Wahl seit dem Staatsstreich des Militärs vor fünf Jahren. Insgesamt treten 80 Parteien an. Die Wahl hatte schon viel früher stattfinden sollen, wurde aber von der herrschenden Militärjunta immer wieder verschoben. Bis zuletzt hielten sich die Gerüchte, dass sich die Wahl aufgrund der Krönung des thailändischen Königs Anfang Mai noch einmal hinauszögert.

Neuer König fällt mit extravagantem Lebensstil im Ausland auf

In Thailand steht der König über allen Dingen. Er heißt seit 2016 Maha Vajiralongkorn und folgte seinem verstorbenen Vater Bhumibol, der von seinen Untertanen gottähnlich verehrt worden war. Sein Sohn dagegen fiel eher mit Eskapaden in Bayern auf, wo er am Starnberger See ein Anwesen besitzt und viel Zeit verbringt. Der damalige Kronprinz wurde bauchfrei in einem bayerischen Baumarkt fotografiert und mit Sandalen, bunten Tattoos auf dem Rücken und hängender Jeans am Flughafen München gesichtet.

Die Eskapaden ihres royalen Aushängeschilds sind eher unbekannt in der Heimat und offene Kritik am Königshaus ist in Thailand verboten. Auch kann man dessen Fehltritte nicht mehr mit Jugendsünden schönreden - der König feiert im Juli 67. Geburtstag. Als zwei Schüler im oberbayerischen Erding mit einer Spielzeugpistole auf den vorbeiradelnden König schossen, unwissend, wen sie da eigentlich vor sich haben, reagierte der König cool und verzichtete auf eine Anzeige.

Kandidatur der Prinzessin wurde verboten

Doch als nun seine älteste Schwester, Prinzessin Ubolratana, für die Partei "Thai Raksa Chart" als Spitzenkandidatin zur Parlamentswahl antreten wollte und damit gegen den regierenden Junta-General Prayut, da war plötzlich Schluss mit lustig. Nur wenige Stunden nach der offiziellen Ankündigung der Prinzessin legte ihr Bruder sein Veto ein. Ob aus dem Königspalast in Bangkok oder seiner Herberge in Tutzing - niemand weiß es. Aber die Prinzessin gehorchte. Sie entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und schrieb auf Instagram: "Es tut mir leid, dass meine Entschlossenheit, für Land und Volk zu arbeiten, Probleme bereitet hat. Das hätte in diesen Tagen und in diesem Alter nicht passieren dürfen."

Doch damit nicht genug. Ein paar Wochen später verbot das Verfassungsgericht Thailands die Partei "Thai Raksa Chart" und schloss sie von den Wahlen aus. Begründung: die Aufstellung der Prinzessin als Spitzenkandidatin. Denn traditionell hält sich das Königshaus aus der Politik heraus. Zwar hatte der damalige König Bhumibol seiner Tochter alle königlichen Titel aberkannt, als sie in den 70er-Jahren einen US-Amerikaner heiratete, sie blieb jedoch Teil der Herrscherfamilie.

Wer könnte den regierenden Generälen die Macht entreißen?

Die Opposition hat nun ein handfestes Problem. Denn unterstützt wurden die Prinzessin und ihre nun verbotene Partei von der großen Strippenzieherin im Hintergrund: der Shinawatra-Familie. Thaksin Shinawatra regierte von 2001 bis 2006, der Milliardär wurde vom Militär aus seinem Amt geputscht und wegen Amtsmissbrauch zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Da war er aber bereits ins Ausland geflohen. Ähnlich erging es seiner Schwester Yingluck, die von 2011 bis 2014 Premierministerin war, vom Verfassungsgericht wegen Amtsmissbrauchs aus ihrem Amt enthoben und wegen Korruption vor Gericht gestellt worden war. Auch sie setzte sich ins Ausland ab, noch bevor das Urteil verkündet wurde.

Die Pheu-Thai-Partei, die alte Partei Thaksins, wird von Sudarat Keyuraphan, ehemals Ministerin unter dem Milliardär, geführt. Sie ist vor allem in den ländlichen Regionen des Landes erfolgreich. Noch immer zieht dort der Name des Clans. Aber reicht das?

Karte von Thailand mit Phuket
Karte von Thailand mit Phuket
Quelle: ZDF

Oder landet eher der Shootingstar der thailändischen Politik einen Überraschungscoup? Ein Milliardärssohn mit unaussprechlichem Namen, lockerem Auftreten und blendendem Aussehen. Kurzum: der "Macron Asiens", wie er gefeiert wird. Thanatorn Juangroongruangkit, 40 Jahre alt, Spross von Thailands größtem Automobilzulieferer "Thai Summit Group", ist bei Erstwählern und Studenten äußerst populär. Der Spitzenkandidat der "Future Forward Party" legt sich mit den Militärs an, will deren Macht nach einem Wahlsieg beenden, die Korruption bekämpfen und die Schere zwischen Arm und Reich bekämpfen.

Vorhersagen zum Wahlausgang schwierig

Und dann gibt es noch die Demokratische Partei, die älteste bestehende Partei in Thailand. Sie hat ihre Hochburgen vor allem in Südthailand und im Großraum Bangkok. Ihr Anführer Abhisit Vejjajiva hat weder das Charisma von Thanatorn noch die finanziellen Mittel von Thaksin, spielt aber seit Jahren als Oppositionsführer eine nicht zu unterschätzende Rolle im Land.

Vorhersagen auf den Wahlgewinner sind schwierig. Viele Thailänder haben sich mit dem Militär arrangiert. Seit den Unruhen 2013 ist die politische Lage relativ stabil, ebenso die Wirtschaft. Die Militärjunta hat Bauern wirtschaftlich gefördert und mit ihrer Subventionspolitik deren Einkommen gesteigert. In Thailand geht man davon aus, dass das Militär unabhängig vom Wahlausgang eine wichtige Rolle in der Zukunft des Landes spielen wird. General Prayut Chan-o-cha will Premierminister bleiben, das hat er bereits angekündigt. Die unter seinem Militärregime erlassene Verfassungsänderung hilft ihm dabei.

Seit Tagen stehen Wähler in riesigen Schlangen vor den Wahllokalen, um bereits vorzeitig ihre Stimme abzugeben. Thaksin und seine Schwester Yingluck verfolgen aus ihrem Exil in Dubai das Geschehen. Und was macht die gescheiterte Prinzessin Ubolratana? Sie ließ vor ein paar Wochen über Instagram verlauten, dass die Entscheidung, ihre Partei zu verbieten, traurig und deprimierend sei. Seitdem schweigt sie.

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