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Parteitag auf Namenssuche - Le Pen und die "Partei der Blumen"

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Ab heute will der Front National auf einem Parteitag Weichen für die Zukunft stellen. Ein neuer Parteiname soll neue Optionen eröffnen, das bekannte Gesicht aber wird wohl bleiben.

Marine Le Pen
Marine Le Pen Quelle: reuters

Seit dem Sieg von Emmanuel Macron war Marine Le Pen von der Bildfläche verschwunden, und auch im Parlament ist die Abgeordnete quasi unsichtbar. Erst in den vergangenen Wochen tourte sie wieder in alter Manier durch Frankreichs Ortsvereine, um Werbung zu machen. Der Slogan: "Vorwärts für einen neuen Front". Denn genau der steht bei dem Sonderparteitag an diesem Wochenende in Lille auf dem Spiel.

Der Begriff "Front" soll weg

Den Anhängern wurde bereits im November ein 80 Punkte umfassender Fragenkatalog zugeschickt. Von ihren Antworten hängt die künftige Parteilinie ab. Bewährte Feindbilder bleiben: Sicherheit und Kampf gegen Immigration. Das Feindbild Europa verblasst etwas, der Euro-Austritt wird nicht mehr kategorisch gefordert. Das Wichtigste: der Parteiname soll geändert werden. Der Begirff "Front", der laut Marine Le Pen zu militärisch klingt, soll weichen. Le Pen will eine Partei, die für politische Bündnisse - Rechtsbündnisse natürlich - akzeptabel ist. Im Visier hat sie dabei die Europawahlen 2019 - Le Pen träumt von Allianzen mit anderen europäischen Rechtsparteien.

Wie ein Mantra hat sie in den letzten Wochen versucht, ihre Anhänger zu überzeugen: isoliert, ohne Bündnisse, kann der Front National nichts gewinnen. In den Augen der Franzosen hat sie seit der Wahl 2017 massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt: 67 Prozent hielten sie 2017 noch für fähig, Entscheidungen zu teffen, heute sind es nur noch 49 Prozent. Und nur noch 16 Prozent der Franzosen glauben, daß sie eine gute Präsidentin wäre.

Dauerstreit mit dem Patriarchen

Marine Le Pen wäre nicht Marine Le Pen, wenn sie nicht zum großen Befreiungsschlag, der Fortsetzung des unendlichen Streits mit ihrem Vater ausholen würde: 2011 hat sie ihn als Vorsitzende - quasi wie in einem Familienunternehmen - beerbt, 2015 medienwirksam in einer Art politischem Vatermord aus der Partei ausgeschlossen und nun soll ihm auch noch der Posten des Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit aberkannt werden. Jean-Marie Le Pen poltert zurück, sie verrate seine Partei und er habe Mitleid mit seiner Tochter. Er wird nicht zum Kongress reisen, er wolle - so sagt er - nicht Komplize dieses Mordes am Front National sein. Es ist ein riskanter Befreiungsschlag: Marine Le Pen war es gelungen, die Partei aus der Schmuddelecke zu holen, sie zu "entteufeln". Doch ein einziges TV-Duell vor dem zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen genügte, um all das zu verspielen: Gegenüber Emmanuel Macron wirkte sie völlig überfordert, orientierungslos und hatte nichts zu bieten außer wütender Attacken. Da war sie wieder, die aggressive Fratze der Rechtsextremen.

Und Jean-Marie Le Pen ist nicht der einzige Feind. In dieser besonders netten Familie sägt auch still und leise ihre Nichte, Marion Maréchal Le Pen am Stuhl der Tante. Vergangenes Jahr noch kehrte sie dem Fronta National den Rücken und zog in die USA. Vor ein paar Tagen nun trat sie vor Anhängern von Donald Trump in Washington auf. Es war ihr erster Auftritt nach dem Rückzug. Nun sagte sie die Worte, die echte "Frontisten" gerne hören: "Frankreich first!", ganz in Trump-Manier. Kein Wunder, daß 83 Prozent der Sympathisanten des Front sich wünschen, Marion solle zurückkommen in die Politik, in die Partei.

Was ist der Front National ohne "Front" im Parteinamen?

Und Jean-Marie Le Pen ist nicht der einzige Feind. In dieser besonders netten Familie sägt auch still und leise ihre Nichte, Marion Maréchal Le Pen am Stuhl der Tante. Vergangenes Jahr noch kehrte sie dem Fronta National den Rücken und zog in die USA. Vor ein paar Tagen nun trat sie vor Anhängern von Donald Trump in Washington auf. Es war ihr erster Auftritt nach dem Rückzug. Nun sagte sie die Worte, die echte "Frontisten" gerne hören: "Frankreich first!", ganz in Donald-Trump-Manier. Kein Wunder, dass 83 Prozent der Sympathisanten des Front sich wünschen, Marion solle zurückkommen in die Politik, in die Partei.

Viele Überraschungen wird es nicht geben in beim Parteitag in Lille: Marie Le Pen ist einzige Kandidatin für ihre eigene Nachfolge als Parteipräsidentin. Das klingt nach einem Ergebnis sowjetischen Ausmasses.

"Partei der Blumen"

Spannend wird, wie viele ihrer Anhänger ihr bei der Namensänderung folgen werden. Es könnte zu einer Zerreißprobe zwischen Pragmatikern und nationalistischen Hardlinern kommen. Denn was ist der Front ohne den Namen "Front"? Gehandelt werden die Namen "Les Nationaux", "Die Nationalen" oder "Nouveau Front", also "Neuer Front". Diesen Namen wird sie am Sonntag verkünden - in den Tagen danach sollen die Mitglieder darüber abstimmen. Die Le Pen-Getreuen verkünden jetzt schon, die Namensänderung werde von einer knappen Mehrheit gut geheißen werden. Wie auch immer die Umbenennung ausgeht, eines bleibt: der Name "Le Pen". "Wenn man die Partei umbenennt, muss man auch Marine umbenennen" soll ihre Nichte Marion in privatem Kreis gesagt haben. "Oder können Sie sich vorstellen, Marine Le Pen an der Spitze einer Partei der Blumen?"

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