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Peking Motor Show - Kampf um den Markt der Zukunft

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Digital, vernetzt, selbstfahrend: Weil sie beim Verbrennungsmotor nicht mithalten können, arbeiten Chinas Autobauer verstärkt am E-Auto. Da wiederum hinkt Deutschland hinterher.

Die  Motorshow in Peking
Die Motorshow in Peking.
Quelle: ap

Die Journalisten tummeln sich, Fotografen stehen auf Leitern, um auch ja nichts zu verpassen von der Show bei Mercedes Benz. Konzernchef Dieter Zetsche trägt auf Englisch vor, locker mit Jeans und Jacket, wie die Zukunft in China aussehen wird. Digital, vernetzt, selbstfahrend, lokal, elektronisch. Das sei die Zukunft. Da fallen Worte wie WeChat und alibaba. "Die Menschen in China wollen mobil sein und bleiben."

Über Datenschutz denkt hier niemand nach

Dann tanzen leichtfüßig Tänzer über die Bühne. Alle jung. Natürlich. Und ein Handy in der Hand. Natürlich. Und das neue Auto wird in China hergestellt und verkauft. Natürlich. Dann erscheint mit laut dröhnendem Bass das nächste Thema auf der Leinwand. Artificial intelligence - künstliche Intelligenz. Von Mercedes entwickelt verspricht es ein lernendes Cockpit im Auto. Und eine Zukunft, die dem Menschen noch mehr abnimmt. Die häufig angewählte Telefonnummer auf dem Weg zur Arbeit wird registriert und jeden Morgen vorgeschlagen. Den Weg zur Arbeit kennt das intelligente Auto eh und außerdem alle anderen Regelmäßigkeiten, die das Leben so bereithält.

Gut, über Datenschutz denkt hier niemand nach, vor allem nicht laut. Aber in China gibt es sowas eh nicht. Von daher ist das eine schöne Spielwiese auch für deutsche Konstrukteure. Schließlich geht es ja um den chinesischen Markt, und der bietet sehr viel und ist hart umkämpft.

Beim Verbrennungsmotor können sie nicht mithalten

Letztes Jahr wurden in China 24,2 Millionen Pkw verkauft. Damit hatte der Automarkt in China 28,4 Prozent Anteil an allen weltweit verkauften 85 Millionen Pkw-Neuwagen. Und von diesen verkauften Autos waren 777.000 Elektroautos. Das ist viel, im Vergleich zu den letzten Jahren sehr viel.

Doch die deutschen und europäischen Autobauer müssen sich ran halten. Denn Chinas Hersteller drängen mit Elektroautos auf den Markt, den chinesischen und internationalen. Sie haben viel gelernt von der internationalen Konkurrenz. Bei Autos mit normalem Verbrennungsmotor können sie nicht mithalten, das wissen sie. Also setzen sie auf selbstfahrende, vernetzte Elektroautos. Das ist die Zukunft, in die China investiert. Auch wenn die viele Chinesen bislang lieber SUVs und Luxusautos fahren - die chinesische Partei will das anders und stellt somit die Weichen in Richtung Elektroautos.

Jeder will ein Stück vom Kuchen

Jahrelang wurde Zugang zum Automarkt in China für ausländische Firmen bewusst eng gehalten. Autofirmen mussten Joint-Ventures eingehen, wenn sie dort Fuß fassen wollten. Diese Zwangsehen müssen die Firmen zwar nicht mehr eingehen, so die jüngste Entscheidung der chinesischen Entwicklungs- und Reformkommission.

Aber das heißt nicht, dass alle Zwänge aufgehoben wären. Denn jeder will ein Stück des größten und interessantesten Absatzmarktes für Autos. Ein paar Fakten: 2017 besaßen 1.000 Chinesen 79 Autos, zum Vergleich in Deutschland kommen 553 PKW auf 1.000 Anwohner.

BMW-Chef Harald Krüger formuliert das deutlich. China sei der größte Elektromarkt dieser Welt. "Da wird ein intensiver Wettbewerb um die Konzepte um die besten Fahrzeuge entstehen", prophezeit er.

In China nur chinesische Batterien

Mit neuen Elektrofahrzeugen will vor allem auch VW weiter auf den chinesischen Markt vordringen. bis 2020 sind 15 lokale Elektroautos geplant. Dafür werden zehn Milliarden Euro investiert. Das größte Problem dabei bleibt aber die Batterie. Bisher sind alle Autoproduzenten gezwungen, chinesische Batterien für den chinesischen Markt einzubauen. Der Zwang läuft über staatliche Subventionen. Wer von den Subventionen profitieren will, der muss ein Auto kaufen mit einer in China produzierte Autobatterie. Das heißt wiederum, dass sich die Autos besser, oder fast nur verkaufen, die mit einer Batterie aus China fahren.

Volkswagens China-Chef Jochen Heizmann bestätigt, dass das im Moment so sei. Auf dem chinesischen Markt sei man auf chinesische Batterielieferanten angewiesen. "Wir gehen davon aus, dass sich das in der nahen Zukunft ändern wird." Wie, hat er nicht gesagt. Doch es ist und bleibt ein unangenehmes Thema, denn deutsche und europäische Autohersteller hinken bei Elektrofahrzeugen mächtig hinterher. Vor allem, was die Bereitschaft betrifft, Geld für die Forschung von Elektrobatterien in die Hand zu nehmen.

Dudenhöffer: Weckruf für Deutschland und Europa

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht darin mit das größte Problem für die deutschen und europäischen Automobilhersteller - diese müssten das als Weckruf begreifen. "Wenn wir nicht aufpassen und nicht in die Zelltechnologie gehen, dann werden wir in Deutschland abgehängt werden, genauso wie in Europa, bei unserem wichtigsten Exportprodukt: dem Auto."

Und somit können die großen und kleinen chinesischen Autohersteller bisher sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen. Denn die Konkurrenten aus Südkorea sind vom chinesischen Markt ausgeschlossen.

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