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Diesen Autoren wurde ihr Beruf zum Verhängnis

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"Writers in Prison"-Tag - Diesen Autoren wurde ihr Beruf zum Verhängnis

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Weltweit werden Autoren verhaftet oder ermordet, weil sie auf Korruption hinweisen oder Missstände öffentlich ansprechen. PEN International macht auf diese Schicksale aufmerksam.

Infografik: Verfolgte Autoren weltweit, Zahl der Personen je nach Regionen - Stand 2017
Infografik: Verfolgte Autoren weltweit, Zahl der Personen je nach Regionen - Stand 2017
Quelle: ZDF/Thao Vu Minh

Jahr für Jahr werden Autoren, Schriftsteller, Journalisten und Blogger in einigen Ländern auf dieser Welt inhaftiert, verfolgt oder direkt ermordet. Der internationale PEN hat deshalb den "Writers in Prison"-Day, den Tag des inhaftierten Schriftstellers, der an Schicksale von Autoren erinnen soll. Fünf Beispiele:

Dawit Isaak, geboren 28. Oktober 1964, Eritrea

Dawit Isaak
Dawit Isaak
Quelle: dpa

Der eritreisch-schwedische Autor Dawit Isaak ist ein vielfach ausgezeichneter Journalist und Schriftsteller. Er wird seit 17 Jahren ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. In Eritrea herrscht Polizeiwillkür, und Isaaks Fall ist beispielhaft für die schwierige Lage, in der sich unabhängige Journalisten dort befinden. Viele von ihnen werden systematisch verhaftet, bedroht, schikaniert und gekidnappt. Isaak war einer von mehreren Journalisten, die während des brutalen Vorgehens der Regierung gegen unabhängige Stimmen in Presse und Politik im September 2001 festgenommen worden waren. Über seine gegenwärtigen Umstände ist wenig bekannt. Obwohl Eritreas Außenminister in einem Interview von 2016 behauptete, dass alle im Jahr 2001 verhafteten Journalisten und Politiker noch am Leben seien – einschließlich Isaak –, wurde bisher kein Beweis erbracht. Zugleich sind nur wenige Informationen über die Anklage gegen diese Gefangenen verfügbar. Der Außenminister sagte, dass die Verhafteten dann vor Gericht gestellt werden, "wenn die Regierung es entscheidet".

Oleg Sentsov, geboren 13. Juli 1976, Russland

Oleg Sentsov
Oleg Sentsov
Quelle: reuters

Der ukrainische Schriftsteller und Filmemacher Oleg Sentsov ist von einem russischen Militärgericht zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihm Terrorismus. Derzeit befindet er sich in einer sibirischen Strafkolonie für Schwerkriminelle in Labytnangi, Tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat auf der Krim. Zuletzt verbrachte er 145 Tage im Hungerstreik und forderte die Freilassung aller in Russland inhaftierten ukrainischen Häftlinge aus politisch motivierten Gründen. Er beendete seinen Streik am 6. Oktober 2018, da er befürchtete, zwangsernährt zu werden.

Sentsov wurde im Mai 2014 von den russischen Sicherheitsdiensten auf der Krim festgenommen. Seinen Aussagen zufolge ist er drei Stunden lang körperlich misshandelt, geschlagen und sexuell missbraucht worden. Er wurde nach Russland gebracht, wo er mehr als ein Jahr in Untersuchungshaft verbringen musste. Ein Antrag auf Auslieferung in die Ukraine ist mit der Begründung verweigert worden, dass er nach der Besetzung und Annexion der Krim durch Russland zu einem russischen Staatsbürger geworden sei. Der internationale PEN geht davon aus, dass Oleg Sentsov für seinen Widerstand gegen die russische Annexion der Krim inhaftiert wurde.

Shahidul Alam, geboren 1955, Bangladesch

Shahidul Alam
Shahidul Alam
Quelle: picture-alliance

Der preisgekrönte Schriftsteller, Fotograf und Aktivist Shahidul Alam wurde am 5. August von Polizisten in Zivil aus seiner Wohnung in Dhaka gezerrt und verschleppt. Kurz zuvor hatte er dem Sender Al Jazeera ein Interview gegeben, in dem er die Regierung von Bangladesch für deren Vorgehen gegen die protestierenden Studenten kritisierte. Beim Prozess am 6. August wurden ihm "provokante Kommentare" und die "Verbreitung von Falschinformationen" auf Grundlage von § 57 (2) des 2013 ergänzten Gesetzes für Informations- und Kommunikationstechnologie (Information and Communications Technology Act, ICT) vorgeworfen. Der Paragraf wird scharf kritisiert, da er das Recht auf freie Meinungsäußerung stark einschränkt und es der Polizei erlaubt, Menschen ohne Haftbefehl oder Weisung der Staatsanwaltschaft festzunehmen.

Alam behauptet, während seiner Inhaftierung gefoltert worden zu sein. Er blieb in Untersuchungshaft, bis bei einer Anhörung am 11. September sein Antrag auf Kaution abgelehnt wurde. Im Falle einer Verurteilung sieht sich der 63-jährige Alam mit mindestens sieben bis maximal 14 Jahren Gefängnis konfrontiert. Der PEN ist der Ansicht, dass Alam allein wegen der Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung festgehalten wird.

Wael Abbas, geboren 14. November 1974, Ägypten

Wael Abbas
Wael Abbas
Quelle: ap

Der ägyptische Schriftsteller und politische Aktivist Wael Abbas ist durch die Dokumentation von Vergehen ägyptischer Sicherheitsbehörden bekannt geworden. Im Mai 2018 durchsuchten bewaffnete Polizisten seine Wohnung, verbanden ihm die Augen und nahmen ihn fest. Die Behörden konfiszierten seine elektronischen Geräte und weitere persönliche Gegenstände wie Kameras, Festplatten, Mobiltelefone, Laptops und Bücher. Abbas wird vorgeworfen, "einer terroristischen Vereinigung beigetreten zu sein, um seine politischen Ziele zu verwirklichen" sowie "falsche Nachrichten verbreitet zu haben, die der öffentlichen Sicherheit und dem öffentlichen Interesse schaden". Seit seiner Festnahme wurde Abbas‘ Untersuchungshaft in regelmäßigen Abständen von der ägyptischen Justiz verlängert, zuletzt am 16. Oktober durch den Kairoer Strafgerichtshof um weitere 45 Tage.

Abbas ist Autor mehrerer Bücher, darunter "Abdel Nasser und die Minderheiten". Abbas war aufgrund seiner Arbeit über mehrere Jahre Schikanen und Attacken ausgesetzt. Seine Social-Media-Konten wurden in regelmäßigen Abständen gesperrt. Seine Verhaftung hängt mit dem immer brutaleren Vorgehen gegen politische Gegner und Aktivisten zusammen. PEN International geht davon aus, dass die Anklagen gegen Wael Abbas mit seinem friedlichen Aktivismus und seiner Kritik an der ägyptischen Regierung zusammenhängen.

Miroslava Breach Velducea, geboren 7. August 1963, gestorben 23. März 2017, Mexiko

Miroslava Breach Velducea
Miroslava Breach Velducea
Quelle: dpa

Am 23. März 2017 wurde der Journalistin Miroslava Breach Velducea mehrere Male in den Kopf geschossen. In ihren Reportagen setzte sie sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen auseinander. Sie berichtete häufig über Korruption. Noch kurz vor ihrer Ermordung stand sie an der Spitze einer Korruptionsermittlung. In ihrer jüngsten Arbeit enthüllte sie die Verbindungen zwischen lokalen Politikern und Drogenkartellen. Sie arbeitete als Korrespondentin für die landesweite Tageszeitung "La Jornada" und mehrere Nachrichtenkanäle. Die Bundesbehörden sehen im Mord an Breach Velducea eine unmittelbare Vergeltungsmaßnahme gegen die kritische Berichterstattung der Journalistin.

Mexiko zählt zu den gefährlichsten Ländern für Journalisten. Seit 2004 sind mindestens 96 Schriftsteller und Printjournalisten getötet worden, elf weitere sind verschwunden. 2018 wurden bislang sechs Printjournalisten in verschiedenen Bundesstaaten ermordet. Nur wenige dieser Verbrechen wurden aufgeklärt. Selbst wenn ein Strafverfahren eingeleitet wurde, zogen die Justizbehörden nur selten die Hintermänner zur Rechenschaft.

Mit Material von PEN International.

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