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Studie zu digitalen Kompetenzen - Riskant: Personaler ohne digitale Vision

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Welche digitalen Kompetenzen sind künftig gefragt? Fast jeder zweite Personalentwickler weiß darauf laut einer Studie keine Antwort. Das sei riskant, sagt Mitautorin Seufert.

Archiv: Frauen arbeiten an einem Laptop, am 06.10.2016 in München
Quelle: dpa

heute.de: Laut der Studie "Digitale Kompetenzen von Personalentwicklern" geben 57 Prozent der Befragten an, dass es in ihren Unternehmen kein klares Konzept gebe, um digitale Kompetenzen bei den Beschäftigten weiterzuentwickeln. Hat Sie dieses Ergebnis überrascht?

Sabine Seufert: Die Überraschung war nicht mehr so stark, da das Ergebnis nicht erheblich vom letzten Jahr abweicht, als wir die Studie zum ersten Mal durchgeführt haben. In einem Jahr waren keine grundlegenden Veränderungen zu erwarten. Aber klar ist, dass das Thema unbedingt mehr auf die Agenda der Personalentwickler muss, besonders die der Führungskräfte. Es müsste oberste Priorität besitzen, eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln, die bei den Mitarbeitern ein Verständnis dafür schafft, worin sich die zweite Welle der Digitalisierung von der ersten unterscheidet, um nicht wieder von einer Welle überrollt zu werden.

heute.de: Ist dieses Verständnis der anstehenden Veränderungen bei den Personalentwicklern selbst angekommen? Die sind ja schließlich für die Weiterbildung im Unternehmen verantwortlich.

Seufert: Noch nicht in ausreichendem Maße. 44 Prozent der Befragten haben keine klaren Vorstellungen dazu, welche Kompetenzen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung benötigt werden. Dabei sollen sie die Mitarbeiter im Veränderungsprozess mitnehmen, sie dazu befähigen, ihn aktiv mitzugestalten und den Menschen ins Zentrum zu rücken.

heute.de: Wie erklären Sie sich diesen Mangel?

Seufert: Viele Personalentwickler stecken noch in der ersten Digitalisierungswelle fest, von der sie überrollt wurden. Sie können nur reagieren, um die Bedürfnisse zu befriedigen, die von allen Seiten an sie herangetragen werden. Sie haben im operativen Geschäft jede Menge offene Baustellen und nicht den Blick auf die großen Linien frei. Erfolgreich sind aber die Unternehmen, die beidhändig agieren: mit der einen Hand pragmatisch die bestehenden Geschäftsfelder ausschöpfen und mit der anderen Hand Zukunftsvisionen entwickeln.

heute.de: Wie sieht diese Zukunft aus? Worin unterscheidet sich die zweite Welle der Digitalisierung von der ersten?

Seufert: Wir befinden uns im Übergang von der Digitalisierung zur Künstlichen Intelligenz. Die neuen Systeme können Daten verstehen und interpretieren, die wir als Menschen ganz anders veredeln können als bisher. Dieses setzt aber ein komplementäres Denken voraus, also ein Verständnis dafür, wie sich Mensch und Maschine ergänzen und wie sie interagieren. In der öffentlichen Diskussion und auch in den Unternehmen liegt der Fokus aber immer noch auf dem Ersetzen von Tätigkeiten und Berufen, und damit auf der Angst, dass der Roboter uns Arbeitsplätze wegnimmt.

heute.de: Haben Sie ein Beispiel für das Zusammenspiel von Mensch und Maschine? 

Seufert: Man hat festgestellt, dass die Schachgroßmeister immer jünger werden, der jüngste ist zwölf. Das liegt daran, dass sie anders trainieren. Sie spielen nicht gegen den Computer, sondern mit ihm - sie verstehen den Computer als Partner und entwickeln dadurch exzellente Strategien, ihre komplementären Kompetenzen zu stärken, die sie zur Höchstleistung bringen. Mit dieser Grundhaltung können wir die Komplementarität besser erstehen.

heute.de: Was können Personalentwickler aus diesem Beispiel lernen?

Seufert: Es geht nicht darum, jedes neue Tool gleich einzusetzen, sondern die Kompetenzen dafür aufzubauen, die Technik und deren Möglichkeiten zu verstehen. Das gelingt am besten, wenn die Mitarbeiter selbst Zukunftsvisionen entwickeln: Wie verändern sich die Professionen, welche neuen Geschäftsfelder entstehen, wie können wir besser zusammenarbeiten?

Gefragt ist ein agiles Bildungsmanagement, das nicht in Kursen und Kurskatalogen denkt, sondern in Vernetzungen - mit externen Inhalten, mit anderen Abteilungen, mit anderen Unternehmen. Es geht darum, die Veränderungen spielerisch greifbar zu machen.

heute.de: In einem Youtube-Video ist zu sehen, wie Sie neben einem Roboter unterrichten.

Seufert: Ja, das ist Lexi. Lexi gibt der Künstlichen Intelligenz ein Gesicht. Studierende werden ganz anders mitgenommen, wenn da nicht nur ein Laptop ist, sondern ein Roboter, der auch mal etwas sagt, was wir Menschen nicht so sagen würden. Das regt zum Denken darüber an, was wir eigentlich von so einem Assistenten wollen. Und welche Gefahren damit verbunden sind. Der soll uns ja nicht ersetzen, sondern unterstützen.

Das Interview führte Ralf Lorenzen.

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