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Minister auf Mittelstandsreise - Wie Altmaier den Mittelstand versöhnen will

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat den Mittelstand vergrätzt. Nun startet er eine Versöhnungstour. Und die Betriebe erwarten von ihm eine Mittelstandsstrategie.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Archivbild
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Archivbild
Quelle: Carsten Rehder/dpa

Die Reise führt den CDU-Politiker nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Dort besucht er Familienunternehmen, Handwerksbetriebe und Weltmarktführer im ländlichen Raum. Die freuen sich über die neue Aufmerksamkeit.

"Nationale Industriestrategie" hat Wirtschaft verärgert

Denn noch immer sind sie verärgert über die "Nationale Industriestrategie 2030", die der Bundeswirtschaftsminister im Februar vorgestellt hatte. "Größe zählt", war darin die Devise, auch wenn der Minister auch auf die "zentrale Bedeutung" verwies, die die Stärkung des industriellen Mittelstands habe. Was die Familienunternehmer dabei aber störte war, dass er den "Hidden Champions", den weltweiten Marktführern in ihren Bereichen also, die Fähigkeit absprach, sich allein für die neuen Zukunftsfelder zu rüsten, damit sie dauerhaft im internationalen Wettbewerb bestehen könnten. Das sei ein Unternehmensbild der 1970er Jahre, wetterte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) im Frühjahr.

Schließlich hätten die großen Unternehmen auch Unternehmensteile ausgegliedert, damit diese flexibler agieren könnten - so wie die kleineren Unternehmen. Altmaier scheine auch vergessen zu haben, dass eine monopolistische Struktur wie in Großunternehmen zu mangelnden Kontrollmechanismen und zu mangelnder Verantwortung führen könne.

Nur ein innovativer und vernetzter Mittelstand kann flexibel auf Krisen reagieren und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sichern.
Mario Ohoven, Präsident des BVMW

Bundesminister Altmaier sollte die Strategie dringend nachbessern und die Wettbewerbsfähigkeit der kleinen und mittleren Unternehmen stärken, forderte auch Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW). Dazu zähle, endlich die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung für den Mittelstand einzuführen, die gebe es schon in 31 von 36 OECD-Staaten. "Zudem braucht es endlich einen flächendeckenden Breitbandausbau. Nur ein innovativer und vernetzter Mittelstand kann flexibel auf Krisen reagieren und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sichern."

Eine einzigartige Vielfalt von Familienunternehmen, darunter auch viele große global tätige, um die wir im Ausland beneidet werden.
Rainer Kirchdörfer, Stiftung Familienunternehmen

Der Mittelstand sei eine "ausgesprochene Stärke" Deutschlands. Auf die solle man setzen, sagte Ende Juni auch Rainer Kirchdörfer von der Stiftung Familienunternehmen: "Das sind in Deutschland: eine breite Aufstellung in Handwerk, Dienstleistung, Handel und Industrie, eine gute Sozialpartnerschaft. Und ganz wesentlich: Eine einzigartige Vielfalt von Familienunternehmen, darunter auch viele große global tätige, um die wir im Ausland beneidet werden."

Abbau des Solidaritätszuschlags

Die Proteste des Mittelstands scheinen angekommen im Bundeswirtschaftsministerium. "Der Mittelstand ist in den Augen des Auslands die Geheimwaffe Deutschlands, und auch aktuell erweist sich der Mittelstand im Gegensatz zu den Dax-30-Unternehmen als ausgesprochen robust", schreibt Altmaier in einem Eckpunktepapier, über das vor wenigen Tagen das "Handelsblatt" berichtet hatte.

Doch neues Ungemach droht mit dem Abbau des Solidaritätszuschlags. Gerade diejenigen, die Investitionsentscheidungen träfen würden nun ausgenommen, nämlich eben wieder Familienunternehmen, Handwerker und Selbständige, schimpfte Brun-Hagen Hennerkes, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Familienunternehmen. Immerhin gesteht er Altmaier zu, dass dieser ja vorgeschlagen habe, den Soli für alle zu streichen. In seinem Mittelstandsplan will der Bundeswirtschaftsminister nun offenbar wirklich eine steuerliche Forschungsförderung vor allem für den Mittelstand auf den Weg bringen sowie bessere Abschreibungsbedingungen für digitale Innovationsgüter.

Beeindruckende Fakten und Zahlen zum Mittelstand

Tatsächlich gehören nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts 2,4 Millionen Unternehmen zu den KMU, den kleinen und mittleren Unternehmen, das entspricht 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland. Je nach Abgrenzung - eine einheitliche Definition gibt es nicht - sind es auch noch einige mehr.

  • Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung definiert Mittelstand als Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Jahresumsatz.
  • Das Institut zählt auch Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten oder mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz zum Mittelstand, wenn bis zu zwei natürliche Personen mehr als 50 Prozent der Anteile daran halten und/oder der Geschäftsführung angehören.
  • Etwa 95 Prozent aller Unternehmen sind ohnehin in Familienhand. Sie sind langfristig ausgerichtet, das haben viele Untersuchungen immer wieder gezeigt, sind stabiler und unabhängig.
  • Das bestätigt auch eine aktuelle Studie der TU München, die die Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gegeben hatte. Danach wirtschaften börsennotierte Familienunternehmen solider und erfolgreicher als Nicht-Familienunternehmen.


  • Zum gesamten Umsatz in Deutschland tragen die KMUs zwar nur 35 Prozent bei.
  • Nach den Zahlen des IfM beschäftigten sie jedoch 2017 knapp 17,5 Millionen Menschen und damit fast 58 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.
  • Sie exportieren Waren und Dienstleistungen im Volumen von knapp 214 Milliarden Euro, das entspricht 16,4 Prozent aller Exportumsätze.
  • Auch wenn sie kleiner sind, so zeigt sich in Summe doch ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung: Die kleineren Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten bilden immerhin gut vier Fünftel der Azubis aus.
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