Sie sind hier:

Urteil im Mordfall Kim Wall - Peter Madsen - Tüftler und eiskalter Mörder?

Datum:

Peter Madsen wird vorgeworfen, die Journalistin Kim Wall ermordet zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe, die Verteidigung Freispruch. Heute fällt das Urteil.

Im Mordprozess um den Tod einer Journalistin in einem U-Boot soll heute das Urteil fallen. Der Erfinder Peter Madsen ist angeklagt, Kim Wall an Bord grausam ermordet und zerstückelt zu haben.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Peter Madsen wirkt äußerlich gelassen in dem kleinen Gerichtssaal im Stadtgericht in Kopenhagen. Zwölf Verhandlungstage wird bereits verhandelt - und kaum ein Prozess hat je in Dänemark so viel Aufmerksamkeit bekommen wie dieser, sagen Beobachter.

Peter Madsen ist eine Berühmtheit im Lande. Er sieht sich selbst gerne als Tüftler und "Underdog", der mit selbstgebauten Raketen ins All fliegen wollte und mit selbstgebauten U-Booten im Meer abtauchte. Eine Art Daniel Düsentrieb der Moderne. Jetzt steht der 47-Jährige vor Gericht, weil er die schwedische Journalistin Kim Wall an Bord seines U-Bootes "Nautilus" getötet haben soll.

Staatsanwalt fordert harte Strafe

Als am Montag dieser Woche die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung anstanden, hört Madsen den Worten des Staatsanwaltes scheinbar gelassen zu. Das, was Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen sagt, entsetzt viele im Gerichtssaal erneut, wie immer in den vergangenen Monaten, als die Details und Umstände des Todes der schwedischen Journalistin bekannt wurden.

Staatsanwalt Buch-Jepsen fordert eine harte Strafe für Madsen, mildernde Umstände könne es keine geben. Der 47-Jährige habe die Tat eiskalt geplant. Kim Wall war aus Sicht der Staatsanwaltschaft dennoch ein Zufallsopfer, weil Madsen im gleichen Zeitraum mehrere Frauen eingeladen hatte, mit ihm auf sein U-Boot "Nautilus" zu kommen. In diesem Zeitraum habe Madsen im Internet auch die Begriffe "Enthauptung", "Frau" und "Schmerzen" gesucht. Mit großer Wahrscheinlichkeit habe er sein Opfer im U-Boot gefesselt, weil ihn Gewalt und Schmerzen sexuell erregten. Später habe er sein Opfer enthauptet.

Letztes Lebenszeichen eine SMS

Buch-Jepsen geht anders als die Verteidigung davon aus, dass Kim Wall am 10. August 2017 nicht um 23 Uhr starb, sondern bis tief in die Nacht noch am Leben war, ihr Leiden sich also über eine längere Zeit erstreckt haben könnte. "Wir haben keine echten Beweise gehört", erwidert daraufhin Verteidigerin Betina Hald Engmark in ihrem Schlussplädoyer. Alles schwache Indizien und Annahmen seien das, die Staatsanwaltschaft müsse Beweise liefern, dass ihr Klient etwas getan habe.

Am Abend des 10. August 2017 fahren Peter Madsen und Kim Wall mit dem U-Boot in die Ostsee. Die 30-Jährige, eine bekannte schwedische Journalisten, will den Erfinder interviewen. Ihre letzte SMS an ihren Freund: "Ich lebe noch - aber wir gehen runter!" Stunden später meldet ihr Freund sie als vermisst. Madsen wird am nächsten Tag aus der gesunkenen "Nautilus" geholt. Kim Wall aber ist verschwunden, erst Tage und Wochen später entdecken Ermittler erst den Torso, dann den Kopf, dann die Beine der zerstückelten Leiche.

In Widersprüche verstrickt

Madsen verstrickt sich in Widersprüche. Erst behauptet er, Kim Wall sei die Luke der "Nautilus" auf den Kopf gefallen und habe sie erschlagen, später behauptet er, sie sei erstickt, während er anderswo im U-Boot arbeitete. Madsen gibt im Prozess nur das zu, was die Ermittler ihm nachweisen konnten. Er habe Walls Leiche zerstückelt - ja, aber nur, um sie aus dem U-Boot zu befördern und über Bord werfen zu können. Die Journalistin sei bereits Stunden vorher erstickt. Rechtsmedizinerin Christina Jacobsen erläuterte, die Beschaffenheit einiger Stichwunden deute darauf hin, dass Wall noch am Leben gewesen sein könnte. Die genaue Todesursache konnten die Experten nicht mehr feststellen.

Fast alle Indizien sprechen, so die meisten Prozessbeobachter, eindeutig gegen Madsen. Seine Vorliebe für Hinrichtungsvideos etwa, seine Widersprüche über die Todesursache, herausgerissene Haare des Opfers, ein zerrissener Slip im U-Boot.

Ein Freispruch heute wäre deshalb eine große Überraschung. Die Staatsanwaltschaft jedenfalls will die Höchststrafe, 16 Jahre mit anschließender Sicherungsverwahrung, die regelmäßig überprüft werden muss in Dänemark. Madsen selbst äußerte sich nach den Plädoyers noch ein weiteres Mal: "Was geschehen ist, tut mir sehr, sehr leid". Und blickt dabei zu den Eltern der toten Kim Wall, die geschockt den Prozess in Kopenhagen verfolgen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.