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Peugeot im Herzen eines neuen Imperiums

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PSA-Fiat-Chrysler-Gruppe geplant - Peugeot im Herzen eines neuen Imperiums

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Über Jahre hinweg hat sich der einst als angeschlagen geltende Hersteller Peugeot ein eigenes Reich aufgebaut – und könnte nun mit Fiat-Chrysler Viertgrößter der Welt werden.

Die beiden Hersteller Fiat Chrysler und PSA wollen fusionieren – zum viertgrößten Autobauer der Welt. Beide Partner sollen jeweils 50 Prozent des neuen gemeinsamen Konzerns erhalten.

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Opel war nur ein Schritt des Weges. Als die ehemalige General-Motors-Tochter aus Rüsselsheim den geografisch und wohl auch kulturell näherliegenden Franzosen in die Arme sank, atmete mancher auf. Andere wiederum befürchteten Schlimmes für die Eigenständigkeit der Hessen. Die Übernahme für 1,7 Milliarden Euro gab beiden Recht.

Opel und die britische Schwester Vauxhall bauen weiterhin eigene Modelle, werden aber von Peugeot-Citroen mit wesentlichen Komponenten und Plattformen ausgestattet, und um die Ausgliederung des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums wird immer noch gestritten. Die IG Metall beklagt, dass bei Opel weniger investiert werde, als man anfangs zugesagt bekommen habe. Alles nicht konfliktfrei, wie es scheint.

Übernahme von Opel war Vorlage

Die Übernahme des deutschen Herstellers war wohl eine Blaupause für die jetzt geplante Fusion. Natürlich soll es, wie so oft, ein "Zusammenschluss unter Gleichen" sein, und ohne Werksschließungen abgehen. Das jedoch sind aller Erfahrung nach wohlfeile Worte. Unterhalb der Ebene der Schließung kann man mit vorhandenen Werken so einiges machen, was den Betroffenen nicht gefallen dürfte. Bis hin zu der Tatsache, dass man aus der Peugeot-Zentrale den Schwarzen Peter jenen zuschiebt, die nicht genügend Auslastung eines Standorts vorweisen können. Der Umbau ganzer Hersteller und ihrer Traditionen ist mit einem gebührenden Abstand zur Übernahme denn auch beliebig gut zu begründen.

Die Peugeot-Citroen Holding PSA jedenfalls sieht den Zwang zur Größe in einer insgesamt kriselnden Branche mit Selbstfindungsproblemen zuhauf. Der europäische Autoabsatz geht zurück, große Zulieferer streichen Arbeitsplätze – für eine Mittelmacht wie PSA wäre das Zerriebenwerden eine reale Zukunftsvision. Dann doch lieber wachsen und künftig fast neun Millionen Fahrzeuge verkaufen, wie man nun schätzt. Die berühmt-berüchtigten Synergien, also geldwerte Vorteile aus der Fusion schon allein wegen der Ersparnis von doppelt vorhandenen Strukturen und größerer Einkaufsmacht, sollen 3,7 Milliarden Euro betragen - einmalig allerdings werden 2,8 Milliarden an Kosten fällig.

Expansion nach Übersee

Das alles sind Zahlen, bei deren Wirklichwerdung viele Faktoren stimmen müssen. Ob die neue PSA-Fiat-Chrysler-Gruppe, die ihren Sitz ziemlich neutral in den Niederlanden haben soll, dank künftiger Geistesblitze die richtigen Automodelle zur richtigen Zeit anbieten kann, weiß heute kein Buchhalter vernünftig auszurechnen.

Fiat Chrysler führt etwa die Marke Jeep unter seinem Dach.
Fiat Chrysler führt etwa die Marke Jeep unter seinem Dach.
Quelle: Boris Roessler/dpa

Gerade Chrysler, schon mehrfach unter einem neuen Besitzer zu ebenso neuen Ufern aufgebrochen und dabei gestrandet, hat kaum das umweltfreundliche, dem Zeitgeist entsprechende Angebot - seine Jeeps und "Ram"-Modelle müssen reichlich tanken, um über die Runden zu kommen. Andererseits erhalten die Europäer einen Brückenkopf in den USA, wo sich bislang Ausländer mit Ausnahme der großen deutschen Hersteller und der Japaner wie Toyota etwas schwertun. Mit den angepeilten elf Milliarden Euro Jahresgewinn könnte Peugeot aber auch in Übersee einiges stemmen.

Die Börse sprach ihr Urteil zu den Plänen natürlich, wie immer, schnell und aus der Hüfte geschossen: Die Peugeot-Aktie wurde praktisch nach unten durchgereicht und zeitweise mit fast zehn Prozent Abschlag gehandelt. Fiat-Chrysler hingegen stiegen in gleichem Maße. Da der Deal allein über einen Aktientausch der beiden Blöcke stattfinden soll, dürfte die Bewertung der jeweiligen Anteile noch spannend werden, auch wenn bereits verkündet wurde, dass die Aktionäre beider Hersteller zu je 50 Prozent am neuen Konzern beteiligt werden sollen.

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PSA-Vorstandsvorsitzender Carlos Tavares. Archivbild
PSA-Vorstandsvorsitzender Carlos Tavares
Quelle: Arne Dedert/dpa

Chef bleibt der Peugeot-Vorstandsvorsitzende Carlos Tavares. Der Portugiese gilt als harter Manager; sein Werdegang umfasste Stationen bei Renault und Nissan. Er ist passionierter Amateur-Rennfahrer und sammelt Oldtimer, so dass man über mangelnde Verbundenheit mit der Branche nicht klagen kann.

Verwaltungsratsvorsitzender soll Fiat- und Ferrari-Präsident John Elkann werden, Sohn einer französisch-italienischen Ehe und Enkel des legendären Giovanni Agnelli. Zum Konzern mit wohl rund 400.000 Mitarbeitern gehören dann auch Maserati und Alfa Romeo, deren Image ebenso wie das von Jeep nicht für umweltschonendes Hightech steht, aber mit denen man schnell woanders ist, wenn es sein muss.

Die Herausforderungen der Branche werden wohl mit neuen Entwicklungen gemeistert werden müssen, vom autonomen Fahren bis hin zur energiesparenden Mobilität. Ein gutes Zeichen aber dürfte wohl sein, dass niemand von einer "Hochzeit im Himmel" spricht. Das war bei früherer Gelegenheit stets der Auftakt zur Ehekrise.

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