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Pfiffe gegen Merkel - Der raue Wahlkampf

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Pfiffe, Buhrufe, Tomaten: Auf ihren Wahlkampfreden schlägt Angela Merkel oft gezielt organisierter Hass von rechten Demonstranten entgegen. Merkel selber gibt sich demonstrativ gelassen, nach außen zumindest. Doch der Ton in diesem Wahlkampf ist rauer geworden.

"Hau ab", "Volksverräter" - bei einer Wahlkampfveranstaltung am 29. August 2017 in Brandenburg an der Havel wird Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgepfiffen und ausgebuht.

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"Hau ab, hau ab, hau ab", rufen sie aus voller Kehle. Sie machen ohrenbetäubenden Lärm mit ihren Trillerpfeifen und halten Plakate in die Luft: "Merkel muss weg! Wir machen Politik für das eigene Volk! NPD." So geschehen Ende August in Brandenburg an der Havel bei einer Wahlkampfveranstaltung von Angela Merkel. Gezielt stören rechte Demonstranten Merkels Rede. Es ist nur ein Bruchteil der 1.500 Besucher. Doch der Bruchteil ist laut. Sehr laut. Und sehr wütend.

Der Hass, der Angela Merkel entgegenschlägt, ist immens. Beispiel Bitterfeld, ebenfalls Ende August. Auch hier Demonstranten und Buhrufe. "Grundgesetz vor Merkel schützen", steht auf ihren Plakaten. Und: "Früher war ich CDU-Wähler, heute möchte ich Frau Merkel vor Gericht sehen." Protest, der auch von AfD-Anhängern organisiert wird. Beispiel Torgau, 6. September. Etwa einhundert Demonstranten schreien gegen Merkels Rede an. Einen Tag zuvor war Merkel mit einer Tomate beworfen worden, die sie nur knapp verfehlte - nicht in Ostdeutschland, sondern in Heidelberg.

Aggression und verächtliche Sprache: "Das ist grenzwertig"

Dominik Rzepka
Dominik Rzepka ist Redakteur im ZDF-Hauptstadtstudio Quelle: Koch/ZDF

Und doch sind es vor allem ostdeutsche Städte, in denen der Protest gegen amtierende Politiker geschürt wird. "Wenn man auf einer Demonstration in Leipzig als Grüner erkannt wird, schreien Menschen manchmal zwei Zentimeter vor meinem Gesicht: Sie Volksverräter", sagt Konstantin von Notz, Fraktionsvize der Grünen. "Das, was sich die Bundeskanzlerin und andere anhören müssen, an Aggression, an verächtlicher Sprache - das ist oft mehr als grenzwertig", sagt er heute.de. Ein spezifisch ostdeutsches Problem sei das aber nicht. Rechte und Hooligans gebe es etwa auch im Westen.

Für von Notz kommt dieser Protest aus einer ganz bestimmten politischen Ecke. "Wer sind denn die Leute, die der Bundeskanzlerin teils mit absurdesten Argumentationsketten vorwerfen, sie breche die Verfassung? Da wird schon sehr gezielt Öl ins Feuer gegossen." Bei vergangenen Reden Merkels hatten Augenzeugen Busse beobachtet, die Anhänger von NPD, AfD und der rechten "Identitären Bewegung" gezielt zu den Veranstaltungen gefahren hatten. Auch bei einem Auftritt am heutigen Freitag in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern ist Merkel von rechten Demonstranten mit Pfiffen und Buhrufen empfangen worden. Ihr Auto wurde mit Tomaten beworfen, immer wieder gab es laute "Hau ab, hau ab"-Rufe.

Linke beklagt Vandalismus: Jedes fünfte Wahlplakat zerstört

Neben dem rauen Ton in diesem Wahlkampf berichten Parteien auch von zunehmendem Vandalismus. In der CDU heißt es, es würden deutlich mehr Plakate als in den bisherigen Wahlkämpfen beschädigt. Bei den Linken registrieren die Wahlkämpfer eine aggressive Stimmung auf ihren Veranstaltungen. Auch nach Einschätzung der Linken werden in diesem Wahlkampf mehr Plakate zerstört als früher, etwa jedes fünfte. Sehr angespannt ist die Stimmung auch laut Christian Lüth, Sprecher der AfD. Seine Partei habe etwa mit Vandalismus zu kämpfen, die Aggression der AfD-Gegner habe zuletzt aber noch einmal zugenommen.

Davon unbeeindruckt gibt sich Angela Merkel selber - zumindest äußerlich. "Mir ist es wichtig, auch immer wieder dorthin zu fahren, wo ich nicht nur freundlich empfangen werde", sagte Merkel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Viele Menschen, die sich den Trillerpfeifenkonzerten und den Sprechchören nicht anschließen, brauchen Ermutigung dafür, weiter Zivilcourage zu zeigen und dem Hass entgegenzutreten." So ähnlich sieht das auch Konstantin von Notz. Der Großteil der Bevölkerung wolle keine aggressive Debattenkultur. "Ich habe die Hoffnung, dass sich am Ende Besonnenheit durchsetzt."

Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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