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Chemische Keulen - Gift im Garten

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Statt Zupfen und Jäten die chemische Keule: 5.000 Tonnen Pflanzenschutzmittel werden jährlich in Gärten verspritzt. Wissenschaftler warnen vor den Folgen für Gesundheit und Natur.

Eine Frau trägt zum Schutz vor Schadstoffen beim Jäten von Unkraut in Ihrem Kleingarten Handschuhe (Archivbild).
Unkraut mit der Hand jäten dauert zwar länger, ist aber umweltfreundlicher als die chemische Lösung.
Quelle: dpa

Heinz-Werner Hirschhäuser kennt kein Pardon. Gift spritzen gegen Schädlinge und Unkraut ist in der Kleingartensiedlung Ginnheimer Wäldchen in Frankfurt tabu. Wer sich daran nicht hält, bekommt Ärger und fliegt schlimmstenfalls raus. Hirschhäuser ist leidenschaftlicher Imker, Hobbygärtner und Vorsitzender des Kleingartenvereins. Und er glaubt, dass es der Natur ohne Chemie besser geht. "Von den Produkten aus dem Baumarkt brauchen wir gar nichts, wenn wir Hobbygärtner uns einen ordentlichen Kompost herstellen", sagt Hirschhäuser mit Blick auf die mehr als 1.400 angebotenen Pflanzenschutzmittel.

Chemische Keule ist schneller

Aber ist es wirklich so einfach? Dem Unkraut und den Schädlingen per Hand zu Leibe zu rücken, macht Arbeit. Die chemische Keule wirkt da oft viel schneller. Auch gegen hartnäckige Zeitgenossen wie den Buchsbaumzünsler: Die Raupe hat hierzulande so gut wie keine natürlichen Feinde und frisst deshalb seit Jahren reihenweise Buchsbäume kahl. Ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es nicht, sagt Sven Koch, Kundenberater bei der Gartensparte von Bayer. "Im Haus- und Kleingartenbereich, also für den Hobbygärtner, sind ohnehin nur Mittel zugelassen, von denen ein deutlich geringeres Gefährdungspotential ausgeht."

Allerdings mahnt auch er zur Vorsicht. An die Sicherheitshinweise, wenn es etwa um das Tragen von Handschuhen oder Mundschutz gehe, müssten sich die Kunden schon halten. Die Packungsrückseite lesen aber die Wenigsten, glaubt Johann Zaller, Professor an der Universität für Bodenkultur in Wien. "Die Hobbygärtner wissen definitiv nicht Bescheid, womit sie da hantieren. Sie bräuchten nur die Gebrauchsanweisungen mal ausführlich studieren. Dann würden sie ziemlich sicher die Finger davon lassen." Bei jedem Menschen seien Pestizide im Urin und Blut nachweisbar, sagt er.

Test mit Regenwürmern

Und auch für den Boden seien viele der Mittel schädlich: Das habe ein Test mit Glyphosat ergeben. In nur wenigen Tagen waren die unerwünschten Pflanzen zwar weg. Aber: "Nachdem wir dieses Herbizid aufgebracht haben, haben die Regenwürmer binnen zwei Wochen ihre Aktivität quasi auf null heruntergefahren", so der Wissenschaftler. Außerdem hätten sie sich nur noch halb so stark vermehrt wie sonst.

"Diese Gifte sind ja nicht selektiv, die können nicht unterscheiden, ob das jetzt gute Organismen sind oder schlechte", sagt Zaller. Sie zu verwenden, sei fast immer ein gravierender Eingriff. "Es gibt Pestizide, die schon 30, 40 Jahre verboten und nach wie vor im Boden nachweisbar sind." Den Angaben vieler Hersteller, dass sich die Wirkstoffe schnell abbauen, glaubt der Professor deshalb nicht.

Pflanzenschutzmittel hinter Glas

Dass chemische Keulen nicht harmlos sind, weiß auch der Gesetzgeber. "Pflanzenschutzmittel wirken nicht nur gegen Schädlinge, sondern stets auch gegen andere Organismen - und können bei Fehlanwendungen sogar die eigene Gesundheit beeinträchtigen", warnt das Umweltbundesamt auf seiner Webseite. Schaden und Nutzen müssten immer abgewogen werden. In deutschen Baumärkten und Geschäften dürfen die Mittel deshalb nicht frei zugänglich angeboten werden. Meist findet man sie hinter Glas: Herausgegeben werden dürfen sie erst nach eingehender Beratung.

In der Theorie, denn ein Test, den Hobbygärtner Heinz-Werner Hirschhäuser für die ZDF-Sendung planet e. gemacht hat, zeigt ein anderes Bild: drei Stichproben, dreimal Fehlanzeige. Den Unkrautvernichter Roundup bekam er jedes Mal ohne viele Worte. "Keiner fragt, wofür. Keiner fragt: Was machen sie damit?" Hirschhäusers Fazit: "Das Wegschließen hat nur die Funktion, dass einer aufschließt und einem das gibt, was man haben will." Immerhin: Zwei große Baumarktketten, die es bei seinen Stichproben "erwischt" hat, geloben Besserung. Es sei richtig, dass auf Risiken hingewiesen werden muss. Die Mitarbeiter würden deshalb "erneut sensibilisiert" werden.

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