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Pflegeheime im Ausland: Spricht man Deutsch?

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Was ist zu beachten? - Pflegeheime im Ausland: Spricht man Deutsch?

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Wer nicht zu Hause gepflegt werden kann oder wem der Platz im Pflegeheim hierzulande zu teuer ist, der findet zunehmend Angebote im Ausland. Dabei gilt es einiges zu beachten.

Seebad Ustronie Morskie
Grenznahe Orte in Polen, wie das Seebad Ustronie Morskie, bieten zunehmend auch Heimunterbringung für deutsche Pflegebedürftige.
Quelle: imago

Über 800.000 pflegebedürftige Menschen leben bundesweit in Heimen, jährlich suchen rund 300.000 einen Platz. Wer keinen in Deutschland findet, oder wem dieser zu teuer ist, der sucht nach alternativen Pflege- und Unterbringungsangeboten - zunehmend auch im nahen Ausland. Laut der Forschungsgruppe Wahlen könnten sich 13 Prozent aller in diesem Frühjahr befragten Angehörigen einen Heimplatz für ein zu pflegendes Familienmitglied in Osteuropa vorstellen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob sie selbst berufstätig (12 Prozent) sind oder im Ruhestand (14 Prozent).

Immerhin 18 Prozent aller potenziell pflegebedürftigen Befragten würden nach Polen oder Ungarn umziehen und dort in einem Heim wohnen. Dabei wären Männer wagemutiger als Frauen (in der Gruppe der über 60-jährigen Männer 15 Prozent, in der jüngeren Gruppe der unter 34-Jährigen sogar 26 Prozent). Nur neun Prozent der über 60-jährigen Frauen könnten sich dagegen einen Heimplatz in Osteuropa vorstellen - so die Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen.

Das muss ich bei der Heimwahl im Ausland beachten:

Wer sich überlegt, ins Ausland zu gehen oder seinen Angehörigen dort in einem Pflegeheim unterzubringen, sollte genau hinschauen. Denn nicht nur die Finanzen, auch die Sprache, eigene Ansprüche und das Krankheitsbild sind wichtig. Ein Überblick:

Sprache

Als Erstes sollte man schon mal klären, "ob man dort ausreichend Deutsch spricht", rät Ulrike Kempchen vom BIVA-Pflegeschutzbund. Das klinge ungewöhnlich, aber das sei ein Faktor, über den sich Angehörige oft wunderten. Wenn es Angebote von Heimen gebe, deutsche Pflegebedürftige aufzunehmen, bedeute dies noch lange nicht, dass dort alle deutsch sprächen. "Das bedeutet natürlich auch, dass es für Angehörige entsprechend schwierig ist, Fragen zu stellen und sich zu beschweren." Auch für die Pflegebedürftigen sei es dann schwierig zu kommunizieren – etwa wenn die Pflegekräfte nur ungarisch sprächen.

Standards und Ansprüche

Pflegerin reicht einem älteren Mann das Essen am 11.05.2018
Die Standards für die Pflege von älteren Menschen sind recht unterschiedlich.
Quelle: dpa

Für die Heimwahl ist es wichtig, die eigenen Erwartungen zu kennen und zu überprüfen. "Sie können in einem Land, das einen niedrigeren Pflegestandard hat als Deutschland nicht unbedingt erwarten, dass dort alles so ist, wie ich es in Deutschland für einen Pflegeplatz erwarten würde", sagt Kempchen. So sei es etwa in Tschechien durchaus normal, dass es keine Einzel- sondern noch Drei- oder gar Vier-Bett-Zimmer gebe, die in deutschen Heimen gar nicht mehr zugelassen seien. Zu klären sei auch, wie oft Besuche möglich seien. "Denn gerade Familienkontakte sind ja extrem wichtig."

Wichtig sei auch, zwischen den Pflegestandards und der menschlichen Zuwendung zu unterscheiden. Diese könnten unterschiedlich sein. In südostasiatischen Ländern würden etwa ältere Menschen hoch geschätzt. In muslimischen Ländern etwa sei es nicht üblich, in ein Heim zu gehen. All das müsse man mit beachten. "Das heißt, Sie werden an ein Heim weniger Ansprüche stellen können als in einer Gesellschaft, wo eine Heimunterbringung normal ist."

Was braucht mein Angehöriger, ist er dort richtig versorgt und was ist dort üblich in der Einrichtung?
Ulrike Kempchen, BIVA Pflegeschutzbund

Kempchen rät, zu hinterfragen: "Was braucht mein Angehöriger, ist er dort richtig versorgt und was ist üblich in der Einrichtung? Denn nur weil ich es für üblich halte, muss es da nicht üblich sein." Zu klären sei auch die ärztliche Versorgung, wie sie abgerechnet werde und wie man bei einem Krankenhausaufenthalt verfahre. Grenznah könne man in deutsche Krankenhäuser fahren, im Landesinneren nicht.

Krankheitsbild

Relevant ist auch das Krankheitsbild. Wenn es vor allem darum gehe, eine Person fachlich zu versorgen und pflegerisches Handwerk gefragt sei – "da sind viele Kräfte aus Osteuropa sicherlich gut ausgebildet", betont Kempchen. Aber wenn man etwa einen Angehörigen habe, der viel Zuneigung brauche oder dement sei, müsse man sich vor Ort erkundigen, wie man etwa mit kognitiven Krankheitsbildern umgehe. Gerade bei Demenz sei etwa die Sprache wichtig.

Spezialisierte Angebote

Seniorenresidenz Erania in Ustronie Morskie (Polen)
Grenznahe Häuser sind oft spezialisiert, wie hier die Seniorenresidenz Erania Ustronie Morskie
Quelle: erania.de

Grenznah gibt es zunehmend Einrichtungen, die sich auf deutsches Klientel spezialisiert haben. Wenn etwa eine polnische Pflegekraft mit einer deutschen Pflege-Ausbildung ein Haus an der polnisch-deutschen Grenze eröffne, zähle dies zu Einrichtungen, die "begeistern" könnten: "Weil sie unserem Standard entsprechen, aufgrund der Lohnstrukturen aber günstiger sind." Dennoch gilt grundsätzlich, dass die Heime im jeweiligen Ausland für die dortigen Bewohner eingerichtet wurden, und daher die Erwartungen an Standards und Versorgung des jeweiligen Landes gelten.

Finanzen

Je weiter weg sie von Deutschland gehen, desto günstiger wird es werden.
Ulrike Kempchen, BIVA Pflegeschutzbund

Bei der Unterbringung im Heim gibt es große finanzielle Unterschiede. "In den letzten Monaten ist der Eigenanteil erheblich gestiegen, weil bundesweit die Löhne im Pflegebereich angestiegen sind und nach Tarif bezahlt werden soll. Daher haben wir hier in Deutschland eine unglaubliche Preissteigerung erfahren." Habe man früher etwa die Hälfte der Kosten für das Heim erhalten, gelte dies nicht mehr. In Deutschland müssen sie auch für Unterkunft, Verpflegung, Investitionskosten und Ausbildungsumlage selbst zahlen."

Es gebe innerhalb Deutschlands ein starkes Gefälle. NRW sei etwa sehr teuer im Gegensatz zu Mecklenburg-Vorpommern. "Wenn Sie jetzt ins osteuropäische Ausland gehen, dann werden sie dort weniger Kosten erwarten, weil dort das Lohnniveau ein anders ist", sagt Kempchen. "70-80 Prozent der Kosten sind ja Personalkosten. Da können Sie natürlich sparen. Je weiter weg sie von Deutschland gehen, desto günstiger wird es werden."

Investitionskosten gibt es auch im Ausland – wenn auch in geringerem Umfang. Rechnen muss man auf jeden Fall, denn grundsätzlich gilt bei einem Aufenthalt im Ausland: dafür zahlt die Krankenkasse nur das Pflegegeld - bei Pflegegrad zwei sind das 316 Euro - während es in Deutschland den Zuschuss zur vollstationären Pflege im Heim gibt – bei Pflegegrad zwei immerhin 770 Euro.

Nicht zuletzt sollte man übrigens die Frage nach dem Essen klären. Denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein - und wer sein Lebtag lang bayerische Küche gewohnt war, will am Lebensabend sicher nicht unbedingt täglich polnisch oder ungarisch essen.

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