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Deutsche Post im Umbruch - Zustellung der Zukunft: Heimliche Tests in der Kritik

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Täglich Post im Briefkasten, ab besten schon vor Mittag? Damit könnte bald Schluss sein. Die Post testet seit kurzem künftige Zustellmodelle - heimlich. Dem ZDF liegt ein internes Strategiepapier vor. Gewerkschaften lesen daraus vor allem eines: Kosten sparen!

Seit 2008 sinkt die Zahl der versendeten Briefe in Deutschland. In 110 Zustellbezirken hat die Deutsche Post deshalb in einem Pilotprojekt die Post nicht mehr täglich zugestellt.

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Streng geheim ist der Test. Keiner will in einem betroffenen Bezirk wohnen. Wer macht mit? Wo? Und welche Konsequenzen hat das für die Mitarbeiter? Fakt ist: Die Deutsche Post testet derzeit neue Zustellmodelle. In 110 von insgesamt deutschlandweit 52.000 Zustellbezirken haben ausgewählte Postboten Kunden angeworben. Sie sollen sich bereit erklären, ein individuelles Zustellmodell zu testen und ihre Eindrücke zu schildern. Gewissermaßen eine Art Wunschzustellung.

Modell 1: Briefe der ganzen Woche werden am Samstag zugestellt, also als Paket.
Modell 2: Briefe kommen nur noch dienstags, donnerstags und samstags nach Hause.
Modell 3: Die Post landet weiterhin jeden Tag im Briefkasten, allerdings am Arbeitsplatz.

Bei allen Varianten ist es möglich, sich die Post per E-Mail schicken zu lassen. Die Post bekräftigt auf Nachfrage, dass das Briefgeheimnis in dem Fall unberührt bleibt, weil der gesamte Scan von Maschinen übernommen werde. Ausgenommen vom Test sind Einschreiben und Behördenbriefe.

Postsprecher: "Test soll ergebnisoffen sein!"

Doch warum ist dieser Test so geheim? Postsprecher Achim Gahr erklärt im Interview mit heute.de: "Wir wollen den Test nicht beeinflussen, indem Kunden und Zusteller angesprochen werden. Der Test soll ergebnisoffen sein." Zu Hintergründen, Ergebnissen des Tests, möglichen Auswirkungen für Mitarbeiter - kein Kommentar der Post.

Dem ZDF liegt ein internes Strategiepapier der Deutschen Post vor. "Verändertes Kommunikationsverhalten" beobachten, "Bedürfnisse der Kunden" kennenlernen, heißt es darin. In einem Vortest habe sich Variante zwei bewährt (Zustellung dienstags, donnerstags und samstags an den Wohnort). Die Kunden mögen es demnach immer noch am liebsten, wenn ihre Post regelmäßig nach Hause kommt.

Gewerkschaften: Arbeitsplätze wären in Gefahr!

Gewerkschaften lesen aus dem Papier vor allem eines heraus: Kosten sparen! Sigrun Rauch ist bei ver.di für das Ressort Post zuständig: "Wenn hier jetzt die Axt angesetzt wird, hat das massive Auswirkungen sowohl auf den Bereich der Zustellungen als auch auf die Verteilung. Das gefährdet massiv Arbeitsplätze."

Dazu kommt: Die Post ist in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, Briefe zuzustellen und zwar an allen Werktagen. Das regelt die so genannte Postdienstleistungsverordnung. Modelle wie im aktuellen Testlauf wären also nur mit einer Gesetzesänderung denkbar.

Immer weniger Briefe

Doch wirtschaftlich machen die Tests der Post durchaus Sinn. Denn mit dem klassischen Brief lässt sich immer weniger Geld verdienen: Seit 2008 sinkt die Zahl der im Jahr zugestellten Briefe.

Waren es 2004 noch 22 Milliarden, hat die Post vergangenes Jahr lediglich 18,6 Milliarden Briefe zugestellt. Tendenz weiter fallend. In vielen, vor allem ländlichen Regionen rechnet sich das Briefgeschäft kaum noch.

Kommunikation wird digitaler - Brief bleibt

Kommunikation wird digitaler - auf allen Ebenen, sagt Volker Geyer von der Kommunikationsgewerkschaft DPV. "Wir werden noch mehr erleben, dass sich der Schriftverkehr verlagert." Behörden kommunizierten schon jetzt häufig per Mail. "Das wird sich aber alles in einem Rahmen bewegen, der dem klassischen Brief nicht den Rang ablaufen wird", sagt Geyer.

Am Ende wird die Politik mit darüber entscheiden, wie Briefe in Zukunft zugestellt werden. Laut ver.di können Post-Manager, vor allem im Falle einer Regierungsbeteiligung der FDP,  auf Zustimmung ihrer Pläne hoffen. Widerstand kommt von Union und SPD. Sie wollen nach ZDF-Informationen nicht an der bestehenden Post-Verordnung rütteln. Im Dezember endet der Pilotversuch. Dann will die Post Bilanz ziehen.

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