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Deutsch-russische Gas-Pipeline - Nord Stream 2 unter Druck - was das Projekt bedeutet

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Die EU will über eine Richtlinie abstimmen, die Folgen für die Pipeline Nord Stream 2 haben könnte. Frankreich kündigt an, sich gegen Deutschland zu stellen. Ein Überblick.

Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2
Rohre für die Gaspipeline Nord Stream 2
Quelle: dpa

Es geht um Milliarden, Tausende Kilometer Rohre und politischen Einfluss: Seit Jahren wird über die Ostseepipeline Nord Stream 2 gestritten. Paris unterstützt nun überraschend eine neue EU-Richtlinie, die es der EU-Kommission ermöglichen soll, das Projekt deutlich strenger zu regulieren - zum Missfallen der Bundesregierung.

Es gibt zwar bereits eine Leitung namens Nord Stream 1, künftig sollen aber durch die neue Röhre jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich von Russland nach Deutschland transportiert werden. Kritiker befürchten eine steigende Abhängigkeit von Russland. Befürworter betonen dagegen die Notwendigkeit einer sicheren Energieversorgung Europas. Fragen und Antworten rund um das Mega-Projekt:

Wie weit ist der Bau von Nord Stream 2?

Rund ein Viertel der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 ist nach Angaben des Investors OMV bereits fertig. Etwa 600 der insgesamt 2.400 Kilometer Rohre seien bereits zwischen Russland und Deutschland verlegt, erklärte der Chef des österreichischen Energiekonzerns OMV, Rainer Seele, am Mittwoch in Wien. Die Strecke, auf der die Rohre doppelt verlegt werden, ist insgesamt 1.200 Kilometer lang.

Die Arbeiten sollen Ende des Jahres fertig sein. Die Genehmigungen der vier Ostsee-Anrainer Russland, Finnland, Schweden und Deutschland sind da, nur Dänemark fehlt noch. Nord Stream 2 beantragte deshalb bereits vorsichtshalber eine Alternativroute, die auch ohne Zustimmung der Dänen genutzt werden kann.

Macht sich Deutschland von russischem Gas abhängig?

Länder wie Polen und die baltischen Staaten treibt diese Sorge um, auch aus Washington kommt Widerstand. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass die USA gerne selbst mehr Flüssiggas verkaufen würden. Im Jahr 2017 lag der Anteil russischen Gases am deutschen Erdgasimport nach Angaben der deutschen Energiewirtschaft bei rund 40 Prozent, bei Rohöl waren es 37 Prozent. Das Wirtschaftsministerium verweist auf eine "diversifizierte Struktur" bei der Versorgung mit Gas und Öl. Rohöl zum Beispiel werde aus insgesamt 23 Ländern eingeführt. Gas importiert Deutschland aus Russland, Norwegen und den Niederlanden.

Allerdings dürfte Russland seine Stellung als wichtigster Energielieferant Deutschlands durch die neue Pipeline noch ausbauen. Wie sich der Anteil Russlands bei den Energielieferungen an Deutschland künftig entwickelt, lässt sich aber schwer vorhersehen und ist von vielen Faktoren abhängig - etwa vom Ausbau der erneuerbaren Energien hierzulande.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont, dass man das russische Gas zur Überbrückung als Rohstoff im Kampf gegen den Klimawandel brauche. Deutschland will bis 2020 aus der Kernenergie und bis 2038 schrittweise aus dem Kohlestrom aussteigen.

Wie wichtig ist das Projekt für Russland?

Für Russland ist Deutschland als weltweit größter Brutto-Importeur von Gas ein wichtiger Handelspartner. Rund 125 Milliarden Kubikmeter werden laut neuester Zahlen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jährlich importiert. Russlands mächtiger Gas-Monopolist Gazprom hat eigenen Angaben zufolge rund 194 Milliarden Kubikmeter an Staaten vor allem in der EU verkauft - mehr als 40 Prozent seiner Förderung 2017. Davon allein ein Viertel nach Deutschland.

In Nord Stream 2 investiert auch Russland kräftig: Der Gesamtumfang liegt aktuell bei rund 10 Milliarden Euro. US-Gesetze machen jedoch Sanktionen gegen Nord Stream 2 und alle beteiligten Partner theoretisch möglich. Ob deutsche Firmen davon betroffen wären, ist jedoch unklar: Russland könne die Ostseepipeline im Falle von US-Sanktionen gegen europäische Partner auch allein finanzieren, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor einiger Zeit.

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Was würde eine Änderung der EU-Richtlinie bedeuten?

Die geplante Änderung einer EU-Gasrichtlinie würde es der EU-Kommission ermöglichen, dem Projekt Nord Stream 2 neue Bedingungen aufzuerlegen. Dazu gehört die unternehmerische Trennung von Gaslieferung und Netzbetrieb. Bei Nord Stream 2 liegt beides in der Hand des russischen Energiekonzerns Gazprom. Kern der geplanten Richtlinie ist, die Regeln des sogenannten dritten Energiepakets nicht nur für Leitungen in der EU, sondern auch auf Pipelines anzuwenden, die aus Drittstaaten in die EU führen.

Welche Firmen sind an dem Projekt beteiligt?

Bei Nord Stream 2 ist Gazprom formal einziger Anteilseigner. Dazu kommen aber als "Unterstützer" die deutschen Konzerne Wintershall - eine Tochter der BASF - und Uniper (Abspaltung von Eon) sowie die niederländisch-britische Shell, Engie (einst GDF Suez) aus Frankreich und OMV aus Österreich. Nord-Stream-Aufsichtsratschef ist Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), bei Nord Stream 2 ist er Präsident des Verwaltungsrats.

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