Sie sind hier:

Plädoyer im NSU-Prozess - Anklage fordert maximale Bestrafung für Zschäpe

Datum:

Es ist beileibe noch nicht das Urteil, es ist die Wertung der Ankläger. Die aber kennen kein Pardon: Sie fassen all die Angeklagten hart an, die sich nach dem Auffliegen des NSU und vor allem im Prozess uneinsichtig zeigten - allen voran Beate Zschäpe.

Die Bundesanwaltschaft hat im NSU-Prozess lebenslängliche Haft und Sicherungsverwahrung für Beate Zschäpe beantragt. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung ausgeschlossen. Auch die Mitangeklagten sollen teils hohe Freiheitsstrafen bekommen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Zschäpe sei vollwertiges Mitglied des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gewesen und auch voll verantwortlich für ihr Tun. Als Mittäterin an den zehn Morden sowie den fast tödlichen Bombenanschlägen in Köln. Auch als sie später das Haus in Zwickau in Brand setzte und eine Nachbarin in Todesgefahr geriet oder bei den vielen Raubüberfällen von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, von deren Beutezügen das Trio im Untergrund lebte. Allesamt schwere Gewalttaten, die für sich betrachtet schon schwer wiegen. Insgesamt forderten die Bundesanwälte in 14 Einzeltaten eine lebenslange Freiheitstrafe. Weil es aber im deutschen Recht nur ein Lebenslänglich gibt, werden die Delikte zu dieser Gesamtstrafe zusammengefasst.

Ankläger halten Zschäpe weiterhin für gefährlich

Beate Zschäpe hatte in einer verlesenen Erklärung zwar moralisch die Verantwortung für die Taten übernommen, aber nach Ansicht der Ankläger nie echte Reue und Empathie mit den Opfern gezeigt. Äußerlich ungerührt nahm die heute 42-Jährige die Worte des Bundesanwalts entgegen. Vor allem als der noch einen draufsetzte und die Verhängung der Sicherungsverwahrung für die Zeit nach der Haft beantragte. Denn die Ankläger halten Beate Zschäpe weiterhin für gefährlich. Sie habe gezeigt, dass ihr Menschenleben nichts bedeuteten. Sie trage eine tief verwurzelte Neigung zu Gewalttaten in sich und habe sich von ihrer hassgeprägten Ideologie auch nicht losgesagt.

Hart auch die Strafforderung für Ralf Wohlleben. Er habe als Zentralfigur den Helferkreis für das NSU-Trio organisiert und gesteuert. Zwölf Jahre für Beihilfe zum Mord in neun Fällen, weil er die Beschaffung der Mordwaffe "Czeska" in Auftrag gegeben haben soll. Überraschung dann beim dritten Angeklagten Andre E., der im gesamten Prozess bislang nicht ein Wort sagte. Zwölf Jahre Haft soll auch er bekommen. So viel, dass die Bundesanwaltschaft sogleich beantragte, ihn noch im Saal festzunehmen und in U-Haft zu stecken. Grund: Erhöhte Fluchtgefahr. Die Entscheidung darüber soll morgen fallen.

Nur die beiden, in Teilen geständigen Unterstützer Holger G. und Carsten S., werden wohl glimpflich davonkommen. Sie haben mit ihren Aussagen die Anklage gegen die anderen erst fundiert ermöglicht, so die Bundesanwälte. Dies schlägt sich mildernd nieder, soll aber auch ihre Schuld nicht verdecken. Fünf Jahre für Holger G. und drei Jahre Jugendstrafe für Carsten S., der sich schon lange aktiv von der Szene abgewendet hat.

Nebenkläger stimmen Anklage zu

Wie gesagt, es ist die Würdigung durch die Ankläger. Sie stößt wegen ihrer Deutlichkeit bei den Anwälten der Nebenkläger auf weite Zustimmung. Die werden mit ihren Plädoyers die nächsten Wochen prägen. Dann sind die Verteidiger dran. Das letzte Wort hat am Ende natürlich das Gericht. Dann wird sich zeigen, wie viel von der heutigen Strafforderung tatsächlich umgesetzt wird. Die Ankläger haben ihren Job gemacht und heute ein deutliches Signal gesetzt.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.