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Plädoyers beginnen - NSU-Prozess geht in entscheidende Phase

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Nach 373 Verhandlungstagen geht der Mammutprozess um die Mordserie des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds in seine Schlussphase: Heute starten die Plädoyers, zuerst ist die Bundesanwaltschaft dran. "Für Zschäpe hat sie ein rechtliches Konstrukt geschaffen", so ZDF-Rechtsexperte Joachim Pohl.

Die Beweisaufnahme der NSU-Morde ist abgeschlossen, in den Plädoyers wird die Bundesanwaltschaft die "lebenslange Freiheitsstrafe" für Beate Zschäpe fordern, erwartet ZDF-Gerichtsreporter Joachim Pohl.

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Der Prozess habe nicht belegen können, dass Beate Zschäpe an einem der Tatorte war, so ZDF-Rechtsexperte Joachim Pohl. Sie selbst habe im Prozess gesagt, sie habe von den Morden von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos gewusste und gehört, aber immer nur im Nachhinein. "Die Bundesanwaltschaft hat ihr ein rechtliches Konstrukt geschaffen, indem sie sagt, Beate Zschäpe als Teil des Trios ist quasi trotzdem Mittäterin gewesen, weil sie weite Teile des Plans mitgedeckt hat", so Pohl. Insofern erwartet Pohl, dass die Bundesanwaltschaft am Ende ihres Plädoyers eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mittäterschaft bei den Morden fordert.

Bundesanwaltschaft rechnet mit 22-Stunden-Plädoyer

Vor dem Oberlandesgericht München beginnen am Mittwoch die Plädoyers. Ab 11 Uhr sollte zunächst die Bundesanwaltschaft ihren Schlussvortrag halten. Doch momentan ist die Verhandlung unterbrochen. Das Gericht lehnte am Morgen die Anträge sämtlicher Verteidiger ab, den Schlussvortrag der Bundesanwaltschaft auf Tonband aufzuzeichnen. Darauf wollen die Anwälte der beiden Angeklagten Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben nun reagieren.

Bundesanwalt Herbert Diemer schätzt die Sprechzeit für sein Plädoyer auf 22 Stunden. Das Anklage-Plädoyer soll nach der Planung des Gerichts auf die Prozesstage bis zum 1. August verteilt werden. Anschließend ist die Verhandlung während der bayerischen Sommerferien unterbrochen. Die Plädoyers der anderen Prozessparteien folgen ab September.

Wie die Opfer-Anwältin Seda Basay-Yildiz der Deutschen Presse-Agentur sagte, hoffen ihre Mandanten auf einen zügigen Abschluss des Verfahrens nach vier nervenaufreibenden Jahren. Basay-Yildiz erwartet, dass sie gleich nach der Sommerpause plädieren kann. Das Urteil erwartet sie im Oktober. Die Juristin nannte es unbefriedigend, dass viele Fragen unbeantwortet blieben. Doch damit hätten sie sich nach vier Jahren abgefunden, sagte sie unter Hinweis auf dokumentierte Aktenvernichtungen und andere Verwicklungen des Verfassungsschutzes.

815 Zeugen und 42 Sachverständige

Zschäpe lebte fast 14 Jahre mit den Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun von ihnen aus rassistischen Motiven. Zschäpe ist als drittes und einzig überlebendes Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt. Ihr droht lebenslange Haft.

Am Dienstag hatte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl die Beweisaufnahme für beendet erklärt. Der Prozess hatte am 6. Mai 2013 begonnen. Das Gericht hörte 815 Zeugen und 42 Sachverständige.

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