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Kein Brot für die Tonne

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Ideen gegen Brotverschwendung - Kein Brot für die Tonne

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Unser täglich Brot: Bergeweise landet es im Müll. 1,7 Millionen Tonnen täglich. Niko Gottschaller gehört zu denen, die das nicht länger mitansehen wollen und nach Lösungen suchen.

Brot ist der Deutschen liebstes Lebensmittel. Über 3.000 Sorten - immer schön frisch! Doch es wird zu viel des Guten produziert. Jährlich landen 1,7 Millionen Tonnen Brot und Backwaren im Müll.

Beitragslänge:
30 min
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Bäckermeister Gottschaller schüttelt den Kopf: "In Deutschland wird jeden Tag so viel Altbrot produziert, dass man davon ganz Österreich ernähren könnte." Immer wieder steht der Bio-Bäcker aus dem bayrischen Rotthalmünster vor den Brotbergen, die in Bäckereien unverkauft bleiben, und ist erschüttert: "Wenn man das zum ersten Mal sieht, da erschreckt man sich total."

Produktion nur auf Bestellung

In seiner Biohofbäckerei wird nur auf Bestellung produziert. So löst Niko Gottschaller ein großes Problem, das fast alle anderen Bäcker haben: Unmengen an Brot, Brötchen und Teilchen, die am Ende des Tages in den Regalen liegen bleiben.

Der Antrieb ist bei mir ethisch und moralisch, dass man da einfach was besser macht.
Niko Gottschaller, Niko Gottschaller

Der Biobäcker ist gleichzeitig Bio-Landwirt. Deshalb sammelt er aus acht umliegenden Bäckereien Alt-Brot ein, um es vor der Müllhalde zu retten. Lange überlegte Gottschaller, was man daraus machen könnte. Dann kam ihm die zündende Idee. Er entwickelte eine Biosgasanlage, eigens konstruiert, um aus Brot Strom zu erzeugen. Weder die ersten Anlaufschwierigkeiten noch die zahlreichen Nachjustierungen haben ihn von seinem Plan abbringen können. "Der Antrieb ist bei mir ethisch und moralisch, dass man da einfach was besser macht."

Aus Brot-Strom-Resten wird Brot-Dünger

Inzwischen funktioniert seine Biogasanlage reibungslos, doch auch dort bleibt immer noch etwas übrig. Für diese Reste der Reste wagt der Bauer ein neues Experiment: Aus Altbrot wird Dünger. Im Frühjahr bringt er seine neueste Erfindung zum ersten Mal auf den Weizenfeldern aus. Wird der Brot-Dünger für die Ernte zum Risiko?    

Niko Gottschaller
Niko Gottschaller, Bio-Landwirt aus Rotthalmünster vor einem der vielen Container voller Altbrot.
Quelle: ZDF/Tom Bresinsky

Niko Gottschaller ist optimistisch, schließlich denkt er schon weiter: "Wir wollen dann versuchen, diesen Dünger für Balkonpflanzen und Gemüsebeete zu verkaufen, also auch an den Endverbraucher." Sein ehrgeiziges Ziel: Pflanzen vegan gedeihen zu lassen - ganz ohne Gülle und chemische Hilfsmittel. Das sogenannte Altbrot ist für ihn dabei ein umweltfreundlicher Rohstoff.

Andere Idee: Lebensmittel komplett verwerten

In Hilden versucht Roland Schüren das Problem anders zu lösen. Der Bäckermeister in vierter Generation legt im eigenen Betrieb Wert auf die Familientradition: Essen wirft man nicht weg. "Wir mussten immer die Dinge Zuhause essen, die nicht schön genug waren für die Kunden. Meine Oma hat es auf die Spitze getrieben, dass auf jeden Fall alles verwertet werden muss."

Schüren hat einen Job geschaffen, der in Deutschland wohl einzigartig ist. Alle Backwaren, die unverkauft bleiben, landen bei Ronny Wolf – dem "Re-work"-Spezialisten. Der trennt Weizenbrötchen, Roggenstangen und Brote akribisch voneinander. Den halben Tag macht er nichts anderes. Das alte Brot muss sortenrein sein, damit Bäcker Schüren daraus frische Laibe backen darf. "Es dürfen nur bestimmte Sorten wiederverwertet werden, weil die Zutatenlisten und Nährwertanalysen ja stimmen müssen." Richtlinien, die viel Arbeit bedeuten. Große Industriebäckereien machen da meist nicht mit.

Ronny Wolf (l.), Rework-Spezialist in der Bäckerei Schüren, und sein Chef, Roland Schüren (r.)
Ronny Wolf (l.), Rework-Spezialist in der Bäckerei Schüren, und sein Chef, Roland Schüren (r.), sortieren Brötchen für die Weiterverarbeitung in neuen Teigen.
Quelle: ZDF/Chris Koytek

Geröstete Reste für neue Brot- und Kuchenteige

Was die Tafel nicht abholt und Tierfuttermittelhersteller nicht kaufen, wird geröstet und gemahlen und in Brot- oder sogar Kuchenteige gerührt. Sechs Prozent Altbrot bei Weizen und 20 Prozent bei Roggen erlaubt das sogenannte "Deutsche Lebensmittelbuch". Bäcker müssen sich zwar nicht an diese empfohlenen Obergrenzen für Altbrot halten, tun es aber meist trotzdem. Ihre Befürchtung: Geschmack und Konsistenz könnten leiden – und Kunden das frische Brot, gebacken aus altem, verschmähen.

Eine Sorge, die Brotpapst Lutz Geißler in der Reportage "Bis zum letzten Krümel" aus dem Weg räumen will. Er backt ein Brot zu 50 Prozent aus Altbrot – und das schmeckt!

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