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plan b: Mit Herz und Hightech - Für jeden Zweck eine andere künstliche Hand

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Mit 18 verlor Nicolas Huchet bei einem Arbeitsunfall seine Hand. Heute hat der Tüftler viele Hände. Mit Gleichgesinnten forscht er und konstruiert Hände aus dem 3D-Drucker.

Nicolas Huchet steht an einem Tisch in seiner Werkstatt
Für jeden Zweck eine andere Hand: Nicolas Huchet in seiner Werkstatt.
Quelle: ZDF/Paul Pflüger

Ein Arbeitsunfall hat Nicolas Huchet zu einem Tüftler werden lassen. Der damals 18-jährige Franzose verlor seine rechte Hand in einer hydraulischen Presse. "Wenn man nicht die Wahl hat, muss man Dinge ändern. Ich musste mich damals damit abfinden, dass ich nicht mehr so schnell und geschickt war wie vorher. Ich empfand das als sehr ungerecht. Kein Mensch auf dieser Welt verdient es, so einen Unfall zu erleben. Das war damals sehr schwer für mich und alles andere als positiv. Eher zerstörend."

Eine Hand aus dem 3D-Drucker

Dennoch war Nicolas entschlossen, aus seinem Leben etwas Gutes zu machen. Und so fing der gelernte Konstruktionsmechaniker an, sich eine Prothese zu bauen, die mehr konnte als die der Krankenkasse mit lediglich zwei beweglichen Fingern: Daumen und Zeigefinger. "Ich hatte die Handlungsfähigkeit eines Krebses", erinnert er sich. Eine bessere, eine bionische Hand, war für ihn unerschwinglich. Die ahmt die natürlichen Handbewegungen perfekt nach, kostete aber 40.000 Euro. Daraufhin entwickelte Nicolas Huchet einfach selbst eine künstliche Hand – die er im 3D-Drucker herstellte.

Nicolas Huchet spielt Schlagzeug
Ohne Hand Schlagzeug spielen: Nicolas Huchet mit seiner selbst entwickelten Prothese.
Quelle: ZDF/Paul Pflüger

Heute, mit 35, besitzt er viele Hände, jede für einen anderen Zweck: eine zum Schlagzeug spielen, eine zum Turnen, eine zum Autofahren… Und er wollte seine praktischen Ideen nicht für sich behalten. Deshalb gründete er in seiner Heimatstadt Rennes mit Gleichgesinnten die Non-profit-Organisation "My Human Kit", übersetzt etwa: Mein menschlicher Baukasten.

Hier wird getüftelt und gebastelt - an individuellen Lösungen für dieses oder jenes Problem, alltagstauglich und bezahlbar. Profis wie Ingenieure oder Programmierer arbeiten zusammen mit körperlich beeinträchtigen Menschen. Hier kann jeder Betroffene zum Beispiel seine eigene Prothese entwerfen und ausdrucken, und das für weniger als 1.000 Euro. "Das ist zum Beispiel die englische Hand", sagt Nicolas und zeigt auf ein blasses Modell, anschließend auf ein schwarz-gelbes. "Und das ist die japanische, die hat ein anderes Design. Wir sagen, die japanische Hand ist für Sushi. Bei der englischen Hand haben wir fünf Sensoren eingebaut. Das ist etwas Besonderes. Das heißt man kann alle fünf Finger steuern. Das ist wichtig, denn man kann so den Tee umrühren."

FabLabs - weltweit hunderte offene Werkstätten

Nicolas Huchets Non-Profit-Organisation ist ein sogenanntes FabLab – ein "Fabrikationslabor" - eine offene Werkstatt, die Laien Zugang zu modernen Technologien gewährt. Das erste FabLab entstand 2002 in den USA. Inzwischen gibt es weltweit hunderte.

Die offenen Werkstätten arbeiten in einem globalen Netzwerk eng zusammen. Sie tauschen Ideen und Daten aus, entwickeln und verbessern sie gemeinsam, damit möglichst viele Menschen davon profitieren können.

Geht nicht – gibt’s nicht. Dieses Motto hat sich nicht nur Nicolas zu Eigen gemacht. Die Reportage "Mit Herz und Hightech" porträtiert auch Bernarda Brunovic. Die 26-jährige Schweizerin ist blind, fährt leidenschaftlich Ski und hat es bei der Casting "The Voice of Germany" bis ins Halbfinale geschafft. Menschen wachsen über sich selbst hinaus.

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