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plan b über Tierische Helfer - Was Therapeuten auf vier Pfoten können

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Sie trösten, helfen zu heilen. Immer mehr Einrichtungen setzen auf die Unterstützung von Tieren zur Therapie. Nicht ganz klar ist aber, wie die Tiere das genau machen.

Es sind Fälle wie dieser: Nach einem traumatischen Erlebnis hört ein junges Mädchen einfach auf zu sprechen. Niemand kann sie erreichen, nicht die Eltern, nicht die Therapeuten. Sie öffnet sich einfach niemandem mehr.

Irgendwann kümmert sich die die niederländische Kinderpsychologin Nienke Endenburg um das Mädchen. Sie hat auch die Idee, Tiere einzusetzen. Nach wenigen Tagen zeigt diese Therapie schon einen ersten Erfolg: Das Mädchen beginnt, mit einzelnen Tieren zu sprechen. Nach einigen Wochen spricht das Kind auch wieder mit anderen Menschen. "Es gibt viele ähnliche Fälle, in denen Tiere als eine Verbindung fungieren zwischen Menschen in extremen Belastungssituationen und der Außenwelt", sagt Endenburg. Es ist fast so, als könnten Tiere eine Brücke bauen, wo Patienten sonst nicht erreicht werden können.

Wie Tiere das Eis brechen

Seit mehr als 25 Jahren arbeitet Ingrid Stephan mit Tieren und Menschen. Die Diplomsozialpädagogin aus Hannover entdeckte früh: "Wenn ein Tier dabei ist, tun sich Menschen leichter, miteinander zu sprechen." Wenn im Wartezimmer eines Arztes etwa ein Hund anwesend ist, sind die Menschen offener, stellt Ingrid Stephan immer wieder fest.

Ingrid Stephan mit einem Therapie-Esel, aufgenommen am 20.08.2019
Ingrid Stephan mit einem Therapie-Esel.
Quelle: ZDF

Vor 25 Jahren begann sie, bei ihrer Arbeit mit Menschen auch Tiere einzubeziehen. Sie setzte nicht nur auf Hunde, sondern auch auf Kleintiere, Meerschweinchen und Kaninchen, und auf Nutztiere wie Kühe, Hühner und Schweine. "Meine Idee war, die stehen alle gleichberechtigt nebeneinander", beschreibt Stephan ihre Vision. Heute ist ihre Arbeit ein nennenswerter Berufszweig geworden, Fachkraft für tiergestützte Intervention heißt er. 1.500 dieser Fachkräfte hat Ingrid Stephan an ihrem Institut für Soziales Lernen mit Tieren in den vergangenen Jahrzehnten ausgebildet. Es ist eine der größten Einrichtungen in Europa.

Es gibt ein großes Problem

Doch für Experten wie Ingrid Stephan gibt es ein Problem. "Es wird zu wenig Forschung betrieben auf dem Gebiet", beklagt die Pädagogin. Befürworter der Therapie durch Tiere sehen sich dadurch immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, der therapeutische Nutzen sei nicht klar und zweifelsfrei belegt. Und damit ist auch die Kostenübernahme solcher Maßnahmen etwa durch Krankenkassen nicht gewährleistet. Die wissenschaftliche Forschung hinkt der Praxis hinterher.

Zwar gibt es immer wieder Studien, die Hinweise liefern auf die Wirksamkeit von Tieren, etwa bei depressiven Menschen, Autisten oder den Opfern von Traumata. Aber es fehlt an Grundlagenforschung und an belastbaren Ergebnissen, etwa welche Tierart besonders für einzelne Patientengruppen geeignet ist.

Schwein Elly, aufgenommen am 20.08.2019
Schwein Elly hilft Ingrid Stephan, Menschen mit Essstörungen zu therapieren.
Quelle: ZDF

Ingrid Stephan setzt auf ihre Erfahrung. Mit Schwein Elly arbeitet sie mit Menschen mit Essstörungen. "Bei Schweinen geht es immer ums Essen, die fühlen sich nie zu dick und sind absolute Genießer", sagt Stephan. Das hilft ihren Klienten oft, eine neue Perspektive auf ein für sie schwieriges Thema zu gewinnen. Esel sind geeignet für schüchterne Patienten, sie warten ab, lassen die Menschen zu sich kommen. Bei schwer erziehbaren Jugendlichen setzt Stephan dagegen auf Gänse. "Die setzen sich zur Wehr und geben auch mal Kontra", weiß die Diplomsozialpädagogin. Deshalb arbeitet sie mit über 70 Tieren insgesamt. Ob Tiere Wunder vollbringen können? Da sind auch Experten uneins. Aber: "Tiere besitzen ein unglaubliches Gespür für Gemütslagen von Menschen", davon ist Ingrid Stephan nach 25 Jahren überzeugt.

Was zweifelsfrei belegt ist: Tiere haben einen Einfluss etwa auf den Hormonhaushalt des Menschen. Der Umgang mit Hund, Pferd und Co. sorgt für eine Ausschüttung von Endorphinen und dem so genannten Kuschelhormon Oxytocin. "Der Mensch fühlt sich besser, das reduziert Stress und Ängste", weiß Kinderpsychologin Endenburg.

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