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Gegen Lebensmittelverschwendung - "Es fehlt eine nationale Strategie"

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Mehr als 18 Millionen Tonnen Essen landen jährlich im Müll. Aber muss das sein? Was kann jeder gegen die Verschwendung machen? Aktivist Torsten von Borstel gibt Tipps.

In Deutschland landen im Jahr mehr als 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, weltweit sind es über eine Milliarde. "plan b" zeigt Vorreiter, die gegen den Verschwendungswahnsinn kämpfen.

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29 min
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ZDF: Lebensmittel, die das Haltbarkeitsdatum überschritten haben, landen oft im Müll. Doch sind sie wirklich nicht mehr genießbar?

Torsten-von-Borstel
Torsten von Borstel ist Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins "United against Waste".
Quelle: Privat

Torsten von Borstel: Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, werfen wir oft als "abgelaufen" in den Müll. Nicht umsonst steht auf dem Produkt "Mindestens haltbar bis". Oft kann man die Lebensmittel mehrere Tage bis Wochen über das Datum hinaus problemlos verzehren. Für bestimmte Lebensmittel gibt es kleine Tests. Wenn ein rohes Ei zum Beispiel in einem Wasserglas nach unten sinkt, ist es noch frisch. Schwimmt es an der Oberfläche, ist es verdorben. Zuckerhaltige Marmelade, die mit einer Schimmelschicht versehen sind, muss ebenfalls nicht unbedingt in den Abfalleimer. Hier reicht es, den Schimmel großzügig abzuheben.

ZDF: Wie kann jeder mit einfachen Mitteln etwas gegen Lebensmittelverschwendung machen?

Von Borstel: Nicht mit Hunger einkaufen. Je größer der Hunger desto größer der Berg im Einkaufswagen. Kaufe nur so viel wie du auch benötigst.

ZDF: Muss sich auch die Wertschätzung für unsere Lebensmittel verändern?

Von Borstel: Ja, das muss sie. Denn allein die Vermeidung von Lebensmittelabfällen greift hier zu kurz. Immer mehr Menschen ernähren sich täglich außer Haus, doch den wenigsten ist bewusst, wie viel Aufwand - vom Acker bis zum fertigen Gericht - wirklich dahintersteckt. Ziel muss sein, den Fokus mehr auf Regionalität, Preissensibilisierung und Verbraucherbildung zu legen.

ZDF: Es liegt aber nicht nur in den Händen der Verbraucher. Ein großes Problem gibt es auch in der Gastronomie. Wo kann United Against Waste etwas verändern?

Von Borstel: Nicht nur in der Gastronomie, auch in den Betriebsrestaurants, in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Schulkantinen und der Hotellerie produzieren wir 3,4 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr in Deutschland. Als neutrale Plattform entwickeln die über 100 Mitglieder von United Against Waste Lösungen. Die erarbeiteten Maßnahmen helfen Betrieben, das Thema Lebensmittelverschwendung im Küchenalltag greifbarer zu machen. Gleichzeitig sorgt eine aktive Öffentlichkeitsarbeit dafür, den respektvollen Umgang mit der Ressource Lebensmittel weiter in den öffentlichen Fokus zu rücken.

ZDF: United Against Waste hat ein Verfahren entwickelt, das Lebensmittelverschwendung identifiziert. Wie funktioniert das?

Von Borstel: Eine Maßnahme ist das Abfall-Analyse-Tool. Es dient Betrieben als Hilfestellung bei der wirksamen Reduktion von Lebensmittelabfällen. Mit Hilfe des Messverfahrens kann sich jeder Mitarbeiter in einer Großküche selbst einen Überblick verschaffen, wie viel Abfall in den einzelnen Bereichen verursacht wird.

Die Messmethode über unser Abfall-Analyse-Tool ist einfach, aussagekräftig und lässt sich problemlos in die Arbeitsabläufe integrieren: Alle Lebensmittelabfälle werden in der Küche gesammelt und mittels vier transparenter Behälter - die den gesamten Küchenprozess abbilden - sortiert: Abfälle aus dem Lager, Produktionsabfall, Überproduktion und Tellerrückläufe. Am Ende des Tages werden die jeweiligen Mengen genau gemessen und dokumentiert. Die Messungen sensibilisieren das gesamte Team. Mitarbeiter erkennen sofort, wo Lebensmittelabfall entsteht und wie dessen Menge reduziert werden kann.

ZDF: Die Naturschutzorganisation WWF fordert, dass die Politik mehr gegen die Lebensmittelverschwendung tun soll. Ist das der richtige Schritt und was kann die Politik überhaupt machen?

Von Borstel: Es fehlt eine nationale Strategie für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Diese muss jetzt dringend umgesetzt werden. Die Bundesregierung muss sich auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene für die Reduktion der Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Produktionskette einsetzen. Nur gemeinsam kann das Ziel erreicht werden, die Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren.

Das Interview führte Alexander Fink.

Tipps gegen Essensverschwendung

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