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planet e. - Bittere Ernte - das Geschäft mit dem Schwarztee

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15.000 Tassen Tee werden pro Sekunde weltweit getrunken. Auch in Deutschland erreicht der Teekonsum neue Rekordwerte. Bei uns besonders beliebt ist der Schwarztee aus den indischen Anbaugebieten Darjeeling und Assam. Von den Anbaubedingungen wissen allerdings die wenigsten Verbraucher.

Edel und exquisit: Die Deutschen entdecken die feine Teekultur. Für erstklassige Blätter zahlen Kunden hierzulande hohe Preise. Doch die indischen Teepflücker leben in bitterer Armut.

Beitragslänge:
28 min
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28 Liter Tee im Jahr: So viel schlürft jeder Deutsche im Schnitt. Immer beliebter werden dabei auch die teuren Teespezialitäten. Für einen Premium Tee in Spitzenqualität etwa zahlen die Verbraucher bis zu 60 Euro pro 100 Gramm. Der größte Lieferant für den deutschen Markt ist Indien. In Darjeeling, einer Region am Fuße des Himalayas im Norden Indiens, gedeiht der sogenannte "Champagner unter den Tees". Der Darjeeling gilt als der beste und teuerste Tee der Welt.

Ausbeutung auf der Teeplantage

Die Arbeiterinnen pflücken die Blätter in Handarbeit. Einfache Hütten in unmittelbarer Nähe der Teegärten dienen den Arbeiterinnen und Arbeitern als Unterkunft. Wasserversorgung, Unterkünfte, Wiegestationen - das alles ist Eigentum der Teeplantagenbetreiber. Damit die Teeblätter mit beiden Händen gepflückt werden können, befestigen die Frauen den Erntekorb mit einfachen Bändern am Kopf. Unter mühsamen Bedingungen müssen sie so im Frühjahr acht Kilo Blätter am Tag pflücken, um auf ihren Tageslohn zu kommen. Das wird von den Zuständigen der Teeplantage genau kontrolliert. In der Hochsaison müssen sie sogar zwanzig Kilo am Tag zusammen bekommen.

Als Lohn erhalten sie dafür umgerechnet 1,70 Euro am Tag - das entspricht einem Teller Reis auf dem Markt. Gewerkschaften fordern schon lange höhere Löhne für die Teepflücker. Denn das Existenzminium liegt bei 3,90 Euro pro Tag. Dass sich an den Arbeitsbedingungen und der Entlohnung etwas ändern muss - dieses Lippenbekenntnis geben viele Teehändler ab. Aber reicht das?

Das deutsche Unternehmen "Teekampagne" hat es sich zur Aufgabe gemacht, beste Qualitäten in Darjeeling direkt vor Ort einzukaufen. Doch das Unternehmen fühlt sich für die Zustände vor Ort nicht so recht verantwortlich. "Es ist so, dass wir da herzlich wenig Einfluss nehmen können in direkter Art und Weise. Einfach, weil die Pflücker gewerkschaftlich organisiert sind und die Lohnverhandlungen zwischen den Gewerkschaften, den Teegartenbetreibern und der Regierung geführt werden", so Kathrin Gassert von der "Teekampagne".

Gütesiegel und ihre leere Versprechungen

Auf vielen Verpackungen, die bei uns im Supermarkt angeboten werden, befinden sich Siegel von Zertifizierern. Die Zertifizierung garantiert eine regelmäßige Kontrolle der sozialen Bedingungen sowie der Umweltstandards auf den Teeplantagen. So wirbt das "Fairtrade"-Siegel für ein besseres Einkommen der Menschen vor Ort und menschenwürdige Arbeitsbedingungen. "Rainforest Alliance" garantiert Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. "UTZ" steht für bessere Arbeitsbedingungen und besseren Umweltschutz. Aber halten die Siegel, was sie versprechen?

Im äußersten Nordosten Indiens findet sich die Tonganagaon Teeplantage. Von dieser zertifizierten Plantage beziehen die drei Siegelgeber ihren Assam-Tee. Der höhere Preis, den Verbraucher für diesen Tee zahlen, soll als Prämie zurück an die Arbeiter fließen. Doch die Realität ist ernüchternd, das zeigt eine jüngste ZDF-Recherche vor Ort.

Arbeits- und Gesundheitsschutz - Fehlanzeige

Zu den Missständen zählen marode Lehmhütten, verunreinigtes Trinkwasser, mangelhafte sanitäre Anlagen und fehlende Schutzkleidung. Kinder trinken unwissend das mit Fäkalien verunreinigte Wasser, so dass sie an Durchfallerkrankungen leiden. Und es offenbart sich ein weiteres Problem: "Die Kinder, die in den Teegärten geboren werden, sind im Wachstum zurückgeblieben, unterernährt und die Kindersterblichkeit ist hoch", sagt Prof. Anup Kumar Das, Chefarzt des Assam Medical College in Dibrugarh.

Eine Ursache dafür sieht er im Einsatz von Pestiziden. Diese werden eingesetzt, um die Ernte vor Insekten und Pilzen zu vernichten. Es gibt zwar seitens des Plantagenbesitzers das Versprechen, die Arbeiter mit Schutzkleidung und Atemmasken auszurüsten, um sie vor den giftigen Pflanzenschutzmitteln zu schützen. Doch die Überprüfungen vor Ort belegt: Es gibt keine Arbeitsschutzmaßnahmen. So gelangen Chemikalien über die Haut und die Atmung in den Körper der Arbeiter, verursachen oftmals akute Vergiftungen mit Spätfolgen.

Mit den Problemen konfrontiert, räumen zwei Zertifizierer ein, dass man die geschilderten Missstände selbst noch einmal vor Ort untersuchen wolle. Der Zertifizierer UTZ kam zum ähnlichen Ergebnis wie die ZDF-Recherchen und hat das Label für den Tonganagaon Teegarten mit sofortiger Wirkung ausgesetzt.

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