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"planet e."-Recherchen - Ananas und Co. - Früchte mit Nebenwirkungen

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Ananas, Bananen und Mangos zählen in Deutschland zu den beliebtesten exotischen Produkten. Mit ihrer Marktmacht haben deutsche Supermärkte und Discounter den internationalen Fruchthandel fest im Griff – doch wie bedenkenlos können wir die schönen Früchte kaufen?

Die Kirschernte fällt in diesem Jahr sehr gering aus. Im April war es zu kalt: Der plötzliche Frost ließ viele Kirschblüten absterben. Das treibt die Preise nach oben.

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An den Ladentheken präsentieren sich uns Südfrüchte als Hochglanzprodukt: Makellos, frisch und vor allem billig: weniger als zwei Euro kostet eine Ananas im Schnitt. Wie ist das möglich? Untersuchungen zeigen immer wieder: Gespart wird in den Anbauländern – an Löhnen, Sozialabgaben und vor allem an ökologisch vertretbaren Anbaumethoden. Doch es findet auch ein Umdenken statt: viele Supermärkte haben inzwischen erkannt, dass mit Nachhaltigkeit Geld zu verdienen ist. Fast alle haben sich den Regeln der "Rainforest-Allianz" verschrieben. Dieses Siegel steht für sozialverträglichen Anbau und sparsamen Pestizideinsatz.

Image und Realität auf den Plantagen

Aber die Wirklichkeit in den Herkunftsländern sieht oft anders aus. Beispiel Costa Rica:
Kein Land versprüht so viele Herbizide, Fungizide und Insektizide wie das kleine mittelamerikanische Land, das wegen seiner innovativen Umweltpolitik und dem hochentwickelten Ökotourismus eigentlich international hohes Ansehen genießt. Aber Costa Rica ist auch die Nummer eins beim Ananasexport – mit allen negativen Begleiterscheinungen. Und die Produktion wächst weiter an.

Immer wieder hört man von illegalen Abholzungen, übermäßigem Gifteinsatz, unzureichendem Arbeitnehmerschutz auf den Plantagen und illegaler Beschäftigung von billigen Wanderarbeitern aus Nicaragua. Schuld an den Zuständen sind auch die Supermärkte und Discounter, so die These der internationalen Organisation Oxfam. Denn mit ihrer Marktmacht könnten die Supermärkte und Discounter die Preise diktieren, die dann über Zwischenhändler an die Produzenten weitergegeben würden. An unterster Stelle stünden die Landarbeiter, die oft unter schwierigsten Bedingungen wie fehlenden Arbeitnehmerrechten und hoher Pestizidbelastung für die Ernte der süßen Früchte sorgen müssten.

Schlechte Arbeitsbedingungen in Costa Rica

Tatsächlich teilen sich Edeka, Lidl, Rewe und Aldi fast 85 Prozent des Lebensmittelmarktes in Deutschland. Kaum ein Produzent kommt an den "Big Four" vorbei, wenn er seine Waren verkaufen will. Die Folgen für die Ananas: Sie kostet in Deutschland gerade mal 1,90 Euro, weniger als ein Kilo heimischer Äpfel. Gleichzeitig verdienen die Supermärkte den Löwenanteil am internationalen Ananasgeschäft, wie eine Studie belegt.

Das Preisdumping hat direkte Auswirkungen bei den Produzenten in Costa Rica. Nach Recherchen der ZDF-Redaktion von planet e. herrscht auf vielen Plantagen ein Klima der Angst und Einschüchterung. Das betrifft vor allem Angehörige von Gewerkschaften - Mitglieder werden systematisch gemobbt, viele entlassen, so die Recherche. Die Folge: weniger als fünf Prozent der Landarbeiter sind organisiert. Dazu kommt die gesundheitliche Belastung durch ständigen Kontakt mit Pestiziden, die auch Teile der Bevölkerung trifft: In einigen Regionen Costa Ricas ist das Grundwasser mit Bromacil verseucht, einem giftigen Pflanzenschutzmittel, dessen Verwendung in Europa seit 2002 verboten ist. Die Trinkwasserversorgung der Menschen dort ist nur noch mit Tankwagen möglich.

Gefahr für deutsche Verbraucher?

Normalerweise bekommt der deutsche Verbraucher von diesen Zuständen nicht viel mit.
Trotzdem ist Vorsicht angebracht: planet e. wollte wissen, wieviel von den Pestiziden mit der billigen Ananas nach Deutschland gelangt und hat die Früchte testen lassen. Dabei interessierte das Fruchtfleisch, die Schale und der Strunk. Alle Proben wurden bei Aldi-Nord gekauft. Das Ergebnis: in sämtlichen Teilen der Ananas wurden Pestizide gefunden. Im Strunk befand sich hochgiftiges Diazinon, ein Insektizid, das als stark gesundheitsgefährdend eingestuft wird und seit 2007 in der EU verboten ist. Weil es über die Haut aufgenommen wird, sollte man den Kontakt mit dem Strunk unbedingt vermeiden.
Beim Fruchtfleisch und auf der Schale wurden keine Grenzwerte überschritten, die Ananas ist damit verkehrsfähig.

Interessant dabei: Vor nicht einmal zwei Jahren wäre die gleiche Ananas noch auf dem Sondermüll gelandet. Denn in der Probe befand sich 0,09 mg Fludioxonil. Bis 2015 lag der Grenzwert für dieses Fungizid bei 0,01 mg/kg, wurde dann aber auf Betreiben des Schweizer Herstellers Syngenta von der EU um das 700-fache (!) auf 7 mg/kg erhöht. Offizielle Begründung: Es gelte, "Handelshemmnisse zu vermeiden".

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