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planet e. - Die vagen Versprechen der Naturkosmetik

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Naturkosmetik boomt. Seit Jahren setzen immer mehr Verbraucher auf Produkte, die scheinbar nur Gutes versprechen: Für die Gesundheit, für die Umwelt, für das Gewissen. Doch was steckt wirklich in den Produkten? Und wie findet man sich zurecht, im Siegel-Dschungel der "grünen" Kosmetik?

Was halten Sie davon, dass es immer mehr Label und Siegel im Bereich Kosmetik gibt?

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Schön sein - ein Wunsch, den viele Menschen haben, und bei dem oft mit Kosmetik nachgeholfen wird. Doch zu viel Kosmetik kann krank machen. So beklagen häufig Frauen in repräsentativen Berufen Ausschläge, bei der die entzündete Haut juckt und spannt. Eine Krankheit, die auch als "Stewardessen-Krankheit" bekannt ist. Dann heißt es: Auf Kosmetik komplett verzichten. Deshalb setzen mittlerweile immer mehr Frauen auch auf natürliche Produkte - in der Hoffnung, dass diese die Haut schonen und zudem noch umweltverträglicher sind als konventionelle Kosmetik. Doch halten die Produkte, was sie versprechen?

Klar ist: Das Geschäft mit der vermeintlich natürlichen Kosmetik ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gewachsen. Auf über eine Milliarde Euro stieg 2016 der Umsatz der Branche hierzulande. Deutschland ist in Europa damit der größte Markt für eine Kosmetik, die - unter anderem - damit wirbt, Produkte aus natürlichen Rohstoffen, ohne Silikone, synthetische Fette, Farb- und Duftstoffe anzubieten.

Im Siegel-Dschungel

Doch "Naturkosmetik" ist kein geschützter Begriff. Kosmetikhersteller können also jederzeit ihr Produkt als "natürlich" bewerben, unabhängig des tatsächlichen Inhalts. Zwar sind viele solche Produkte zusätzlich mit einem "Naturkosmetik"-Siegel versehen. Doch Fachleute wie Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg bemängeln, dass die vielen existierenden Siegel die Verbraucher eher verwirren. Denn jeder Herstellerverband kann eigene Richtlinien für Naturkosmetik entwickeln und seine Produkte dem gemäß zertifizieren lassen.

Die bekanntesten "Naturkosmetik"-Siegel sind derzeit BDIH/COSMOS, NATRUE, ECOCERT und ICADA. Doch deren Anforderungen an Inhaltsstoffen oder Zusammensetzung der Kosmetikprodukte sind recht unterschiedlich. Auch ob überhaupt die sich selbst gestellten Anforderungen eingehalten werden, unterliegt keiner offiziellen staatlichen Kontrolle. Vielmehr beauftragen die Siegelgeber damit kommerzielle Prüfer. Und manches Siegel, wie etwa das von COSMOS, kontrolliert sogar (sich) selbst.

Für Verbraucherschützerin Schwartau ist das ein inakzeptabler Zustand. Sie fordert deshalb ein staatlich geprüftes Qualitäts-Siegel für die Branche: "Es gibt sehr viele Siegel. Und alle, die diese Siegel vergeben, die verdienen auch daran. Das heißt, die bisherigen Zertifizierer haben ein Interesse daran, dass es kein staatlich geprüftes Label gibt und die Kosmetikindustrie ist leider hier auch sehr zurückhaltend."

Marketingtricks und Etikettenschwindel: eine Täuschung der Verbraucher?

Aber auch abseits des Siegel-Dschungels versuchen immer mehr Hersteller, den "Natur"-Trend bei Kosmetik zu nutzen. Ihre Produkte heißen "natürlich", "vegan" und "bio". Oder sogar "fair". Für Experten wie Marieke Jörg vom Verbrauchermagazin "Öko-Test" ist das oft "Greenwashing", oder Etikettenschwindel. Denn die Aufmachung der Verpackungen solcher Produkte suggeriert den Kunden oft, diese Kosmetik sei gewissermaßen "grün"; dabei handelt es sich aber oftmals um ganz konventionelle Produkte mit synthetischen Inhaltsstoffen. Hier machen sich Hersteller fehlende Regelungen in der Naturkosmetikbranche zunutze.

Marieke Jörg hat "faire" Kosmetik unter die Lupe genommen. "Fair" soll auch bei der Kosmetik bedeuten: Rohstoffe aus nachhaltigem Anbau, Mindestlohn für die Produzenten, keine Ausbeutung. Aber nur zwei bis fünf Prozent der Inhaltsstoffe müssen aus fairem Handel stammen, damit Kosmetikprodukte beispielsweise die Label "Fairtrade" oder "Fair For Life" tragen dürfen.

Wie "fair" tatsächlich die getesteten Kosmetikprodukte sind, ist für "Öko-Test" schwer zu durchschauen. "Das Problem ist eben, dass die Rezepturen von Kosmetikprodukten sehr komplex sind. Da ist es natürlich nicht so einfach, den Rohstoff an sich zu zertifizieren wie zum Beispiel bei Kaffee oder Bananen, denn es sind ja sehr viele Bestandteile, die zertifiziert werden müssten", erklärt Marieke Jörg. Klar aber ist: Wo "fair" draufsteht, ist noch lange nicht "fair" drin.

Im Zweifel eher weniger Kosmetik

Ob nun Kosmetik wirklich "natürlich" oder "fair" ist; medizinisch gesehen, können Cremes, Tinkturen oder Puder tatsächlich keine Wunder bewirken. Dermatologen raten deshalb, im Zweifel eher weniger Kosmetik zu benutzen und die Haut vorsorgend mit Sonnencreme zu schützen. Denn die UV-Strahlen sind die Hauptverursacher vorzeitiger Hautalterung.

Überdies, so Mediziner, trägt ein gesunder Lebensstil maßgeblich zum guten Zustand der Haut bei.

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