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Vieh-Gesundheit ist entscheidend - Glückliche Kühe - bessere Milch?

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So viele Milchkühe gibt es sonst nirgendwo in Europa. Mehr als vier Millionen dieser Wiederkäuer sorgen hierzulande für eine Milchmenge von jährlich rund 33 Milliarden Litern.

Kühe auf einer Alm in Österreich. Archivbild
Kühe auf einer Alm.
Quelle: Barbara Gindl/apa/dpa

Das gern genutzte Werbebild glücklich grasender Kühe auf sattgrünen Weiden hat wenig mit der Realität zu tun. Denn deutlich weniger als die Hälfte aller Milchkühe in Deutschland sieht in ihrem Leben überhaupt einmal eine Weide. Doch sorgt Weidehaltung tatsächlich für glücklichere Kühe? Und ist deren Milch besser als die von Tieren aus Stallhaltung?

Stall nur zum Schutz

Für Alexander Zulic von der Hottenlocher Hofgemeinschaft im Allgäu ist das nicht wirklich die entscheidende Frage. Seine fünfzig Milchkühe sollen einfach möglichst natürlich leben. Seit gut drei Jahrzehnten bedeutet das für die Schwarzbunten: Raus auf die Weide, wann immer das möglich ist. Der Stall dient nur als Unterschlupf und Schutz. Nachts, beim Melken, wenn ein Tier krank ist oder kalbt. Oder wenn der Winter allzu grimmig ist.

"Die Stallhaltung wird immer ein Kompromiss sein, für ein Lebewesen, das über Jahrtausende in der Natur gelebt hat", sagt der Landwirt. Zehntausend Jahre der Züchtung und Auslese zum Nutztier haben sein wildes Erbe nicht verschwinden lassen. "Dadurch ist dieser Drang in die Natur, wo die Urgefühle wieder zum Leben erweckt werden können, unglaublich stark verankert. Und deshalb ist es wichtig für die Kuh, rauszukommen."

Dass dieser Drang in die Natur seinen Kühen überdies auch gut tut, steht für Landwirt Zulic außer Frage: "Die Kühe müssen jeden Tag raus, jeden Tag rein. Und die sind natürlich strapazierfähiger. Die sind nicht so anfällig."

Weidehaltung macht Kühe fitter - und glücklicher

Zulic' Beobachtungen stehen nicht alleine, sondern decken sich mit der verbreiteten Einschätzung, dass Weidehaltung Kühen viele Vorteile bietet. So schont etwa der Grasuntergrund Gelenke und Beine der Tiere und reinigt beziehungsweise trocknet deren Klauen. Weidekühe sind insgesamt sauberer als ihre Artgenossen im Stall und die dortige Infektionsgefahr, die etwa durch dichtere Bestandshaltung entsteht, spielt auf der Weide keine Rolle. Nicht zuletzt, weil die Tiere im Freien ihrem natürlichen Liegeverhalten folgen und sich dort ablegen können, wo sie es wollen. Unabhängig von einschränkenden Stallarchitekturen.

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Beitragslänge:
28 min
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Wie glücklich die Tiere auf der Weide sind, kann Bauer Zulic beobachten, wenn nach längerer Zwangsstallhaltung wegen schlechten Wetters seine Kühe wieder raus dürfen. Kaum öffnet Zulic das Stalltor, drängen die mehrere hundert Kilo schweren Tiere mit Macht ins Freie; rennen und springen auf der Weide umher, als seien sie leichtfüßige Antilopen.

Milchqualität abhängig von Futter und Pflege

Ob und wie sich dieses Glück auf die Milch der Tiere auswirkt, ist bislang noch wenig erforscht. Eine Studie der Universität Kassel im Auftrag von Greenpeace und eine Drei-Jahres-Analyse der Universität von Minnesota zeigen, dass Grünfutter, wie es auf der Weide zu finden ist, positive Auswirkung auf den Anteil gesundheitlich bedeutsamer Fettsäuren in der Milch hat. Aber je nach Region, Jahreszeit und Futterqualität der Weide können diese Werte erheblich schwanken.

Entscheidender für die Milchqualität, so Korinna Huber, Professorin an der Universität Hohenheim, ist wohl der allgemeine Gesundheitszustand der Kühe. Und der hängt wesentlich von einem guten Haltungsmanagement ab. Unabhängig davon, ob die Tiere hauptsächlich auf der Weide oder im Stall stehen, so Wissenschaftler des Grünlandzentrums Niedersachsen und des Thünen-Instituts.

Michael Wiedemann ist Mitglied der ZDF-Redaktion Umwelt.

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