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planet e. - Garstige Gülle - Stress mit einem Naturdünger

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Gülle ist ein wertvoller Naturdünger für die Landwirte, und die Massentierhaltung produziert ständig Nachschub. Viel zu viel! Strengere Regeln sollen es richten - aber geht das?

Archiv: Ein Landwirt bringt am 12.03.2015 auf einem Feld in Heinersdorf, Brandenburg, Gülle aus
Quelle: dpa

Sie ist endlich vorbei - die Sperrfrist für die Ausbringung von Gülle. Und so rücken deutschlandweit die Güllefahrzeuge aus. Endlich Bauernwetter, das freut die Landwirte. Dauerregen, Schnee und Eis ließen die Güllebehälter übervoll werden. Mancherorts billigte die Politik in den Wintermonaten sogar die Einrichtung von Not-Gülle-Becken, um Umweltschäden abzuwenden.

140 Milliarden Liter Gülle fallen jedes Jahr in den deutschen Tierställen an. Doch für die Bauern sind die Exkremente von Schwein, Rind und Huhn keineswegs Abfall, sondern ein wertvoller Nährstoffdünger. Er enthält Stickstoff, Phosphor, Kali und viele andere Spurenelemente - das alles ernährt die Pflanzen bedarfsgerecht.

Hauptproblem: Nitrat im Grundwasser

Ein zu viel an Stickstoff auf Äckern und Wiesen aber wird mehr und mehr zum Problem. Stickstoff wird im Boden zu Nitrat umgewandelt. Pflanzen können dieses düngewirksame Nitrat während ihres Wachstums aber nur in begrenzter Menge aufnehmen und verwerten. Das überschüssige Nitrat gelangt mit dem Regenwasser schließlich ins Grundwasser.

Da das Grundwasser die Basis für unser Trinkwasser ist und zu hohe Nitratwerte für den Menschen gesundheitsschädigend sind, hat der Gesetzgeber eine maximale Nitratwertbelastung von 50 mg/Liter im Grundwasser festgelegt. Dieser Grenzwert wird aber in vielen Regionen um ein Vielfaches überschritten. Das bedeutet immer mehr Filteraufwand für die Trinkwasserversorger. Die dadurch entstehenden Mehrkosten werden letztendlich an den Verbraucher weitergereicht.   

Neue Gülle-Saison mit neuer Düngeverordnung 

Schutz für Mensch und Natur - vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung im Herbst 2017 eine neue Verordnung verabschiedet, welche die Gülleausbringung strenger reglementiert. So müssen Landwirte seit 1. Januar 2018:  

  • ihre Nährstoffdüngung mit Nitrat und Phosphat dokumentieren (Düngeobergrenzen wie etwa in Dänemark oder den Niederlanden gibt es aber nicht)
  • eine Flächenbilanzierung führen (das heißt, es muss belegt werden, wieviel Gülle in den Massenställen anfällt und wo sie später landet)
  • den Abstand zwischen dem mit Gülle gedüngten Feld und einem Gewässer vergrößern
  • längere Sperrfristen und kürze Zeitfenster der Ausbringung einhalten.

Damit die neuen Regeln wirken, werden die zuständigen Behörden bis zu 1.000 Höfe pro Jahr kontrollieren. Bei Verstößen liegen die Geldstrafen im vierstelligen Bereich, zudem drohen empfindliche Rückzahlungen der EU-Agrarsubventionen. Mehr Bürokratieaufwand und größerer Zeitdruck - die meisten Landwirte klagen schon jetzt und suchen nach Verordnungs-Schlupflöchern.

Phänomen Gülletourismus

Gewinner der strengeren Düngeverordnung sind Gülletransportunternehmen. Denn: Ist die Ackerfläche zu klein, der Viehbestand in den Massenställen dagegen zu groß, muss die überschüssige Gülle an andere Bauern "verschoben" werden - so werden die Tierfäkalien also zur Handelsware. Bemerkenswert: Es zahlt nicht derjenige, der die Ware abnimmt, sondern derjenige, der sie abgibt. Und mit den deutschlandweiten Transporten nehmen auch die Gülle-Unfälle zu, wodurch das Grundwasser in Gefahr gerät.

Technische Lösungskonzepte   

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut haben Maschinenbauer aus Baden-Württemberg jetzt ein Verfahren entwickelt, das den Gülle-Wahnsinn stoppen könnte. Dabei separiert eine Anlage die wertvollen Stoffe aus der Gülle. Diese "Wertstoffe" gelangen in eine Düngefabrik, die daraus dann Torf für Gärtnereien, Ammoniumlösungen für Flüssigdünger und Phosphatsalze für Trockendünger herstellt. Mit dem Verfahren lässt sich die gesamte Güllemasse um 95 Prozent reduzieren. Weiterer Vorteil: Es gibt weniger Gülletransporte auf Deutschlands Straßen. Und die gewonnenen Nährstoffe können je nach Bedarf des Bodens ausgebracht werden.

Diese sogenannte Gülleseparation betreibt Frankreich schon seit vielen Jahren - und das sehr erfolgreich. Wegen wachsender Schweinebestände kam es im Nachbarland immer häufiger zur Überschreitung der zulässigen Nitrat-Grenzwerte im Grundwasser. Der Staat reagierte mit einem strengen Umweltgesetz und hat so das Gülle-Problem in den Griff bekommen.                        

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