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Hektarweise Geld - Wie EU-Milliarden helfen, Umwelt zu zerstören

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Die EU pumpt viel Geld in die Landwirtschaft. Europas Bauern bekommen jährlich fast 60 Milliarden Euro aus Brüssel. Das hat gravierende Folgen für die Umwelt und das Klima.

Für nichts gibt die EU so viel Geld aus wie für die Landwirtschaft. Fast 60 Milliarden Euro sind es jedes Jahr. Bisher. Doch es drohen Kürzungen. Ausgerechnet bei den Umweltprogrammen.

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Urban Jülich muss eine ganze Weile fahren, bis er die Grenzen von Bördegrün erreicht, mit 2.600 Hektar einer der größten Agrarbetriebe Deutschlands. Wie 90 Prozent der deutschen Betriebe ist Bördegrün Teil einer Landwirtschaft, die zu massiven Umweltproblemen geführt hat. Ackervögel wie der Kiebitz und die Feldlerche, aber auch Insekten, Amphibien und andere Tiere verzeichnen dramatische Populationsrückgänge. Sie sind bedroht, weil ihr Lebensraum mit dem Modell einer auf Effizienz ausgerichteten Landwirtschaft nicht vereinbar ist.

Kleine Bauern haben das Nachsehen

Mit verantwortlich für diese Situation sind die immensen Subventionen der so genannten "Gemeinsamen Agrarpolitik" der EU (GAP). Der größte Teil der fast 60 Milliarden Euro wird als reine Flächenzahlungen pro Hektar vergeben. Wer viel hat, bekommt viel. Kleine konventionelle Höfe sind die Verlierer dieses Systems und sterben nach und nach aus.

Die Subventionen sollen die Wettbewerbsfähigkeit der Bauern auch gegen die Billig-Konkurrenz auf dem Weltmarkt sichern. In den Supermärkten und Discountern sind die Folgen zu sehen: Lebensmittel gehen zu Niedrigst-Preisen über die Theke. Die Umwelt und das Klima haben das Nachsehen.

Klimakiller Monokulturen, Düngemittel, Treibhausgase

Der vor kurzem veröffentlichte UNO-Biodiversitätsbericht warnt vor einem massiven Artensterben, bei dem eine Million Spezies verloren gehen könnten. Und die Landwirtschaft hat mit Monokulturen sowie ihrem ungehemmten Düngemittel- und Pestizideinsatz einen großen Anteil daran. Auch 14 Prozent der Treibhausgase gehen allein in Deutschland auf das Konto des industriellen Ackerbaus.

Ökolandbau führt insgesamt zu weniger Umweltschäden, unterstützt die Artenvielfalt, und verursacht weder eine Überdüngung der Böden, noch eine Vergiftung des Grundwassers. Das alles ist seit Jahren bekannt, und viele Menschen in Europa verlangen mittlerweile eine Änderung des Systems. Doch passiert ist bis heute nahezu nichts. Und das hat einen Grund. Nach Recherchen der Universität Bremen blockiert ein riesiges Netzwerk Reformen hin zu mehr Umweltschutz.

Bauernverband bremst Reformen für mehr Umweltschutz

Schuld daran haben Kräfte, die seit Jahren vor allem von den Flächenzahlungen und der intensiven Landwirtschaft profitieren. Im Zentrum steht der Deutsche Bauernverband. Dr. Guido Nischwitz und seine Kollegen vom Institut für Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen haben in einer Studie die Verflechtungen des Verbands in die Agroindustrie sowie in die Kredit-, Finanz- und Ernährungswirtschaft dargestellt.

Allein der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied, hat nebenbei mindestens 18 Tätigkeiten in diversen Führungsetagen. Seine Funktionärskollegen im Vorstand der Bauern-Lobby besetzen ähnliche Positionen. Meistens stehen diese den Interessen der Bauern entgegen, denn die Firmen, um die es geht, verdienen an den Landwirten gutes Geld. 74 Unternehmen und Institutionen zählt die Bremer Studie auf, die sehr eng mit der konventionellen Landwirtschaft verbunden sind und kein Interesse an einer Reform der EU-Zahlungen haben.

Die EU-Agrarpolitik lenkt, was wir essen. 58 Milliarden Euro an Subventionen fließen jährlich in die Landwirtschaft der Europäische Union.

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Großbauern mit politischer Macht

Keine guten Aussichten für die neue Verhandlungsrunde der "Gemeinsamen Agrarpolitik" in Brüssel, die seit Ende letzten Jahres stattfindet. Denn der lange Arm des Bauernverbandes reicht bis in die Parlamente in Brüssel und Berlin. Dort blockieren regelmäßig Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion Reformen für mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft. Viele von ihnen sind selbst Großbauern, beim Bauernverband aktiv oder dort sogar in führenden Positionen tätig.

Auch der Vorschlag des EU-Agrarkommissars Phil Hogan, die Subventionen für Agrarfabriken mit riesigen Feldern zugunsten kleinerer Betriebe und des Ökolandbaus zu kürzen, fiel Anfang April durch. Eine Reform der EU-Agrarpolitik scheint schwierig. Es gibt offenbar gegenwärtig keine Mehrheit für mehr Arten- und Klimaschutz sowie für den Schutz der Böden vor Nitraten. Erst wenn in diesen Bereichen mehr getan wird haben auch der Kiebitz und alle anderen Arten wieder eine Chance.

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