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planet e-Doku - Berggorillas in Gefahr

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Im Virunga-Nationalpark leben drei verschiedene Menschenaffen-Arten. Auch wenn der Nationalpark ihnen Schutz gewähren soll - ihr Leben ist bedroht.

Junger Gorilla im Virunga-Nationalpark nördlich der Stadt Goma
Junger Gorilla im Virunga-Nationalpark nördlich der Stadt Goma Quelle: reuters

Der Virunga-Nationalpark hat eine Fläche von 7.800 Quadratkilometern. Es ist ein extrem abwechslungsreicher, sich in nord-südlicher Richtung ausdehnender Streifen Erde, der an Uganda und Ruanda grenzt. Zum Virunga-Nationalpark gehören Wälder, Savannen und Sümpfe genauso wie aktive Vulkane, Lavafelder und die eisbedeckten Gipfel der Ruwenzori-Berge. Das Schutzgebiet wurde bereits 1925 von König Albert I. von Belgien gegründet und nach diesem Albert National Park genannt. Es sollte vor allem dem Schutz der Berggorillas dienen, die in den Wäldern des Virunga-Massivs leben. Später wurde der Park in nördliche Richtung um die Rwindi-Ebenen, den Edward-See und das Ruwenzori-Gebirge erweitert. 1969 erhielt er schließlich den Namen Virunga-Nationalpark.

Gleich drei Menschenaffen-Arten sind hier zu Hause

Karte: Virunga Nationalpark in der Demokratischen Repulik Kongo
Quelle: ZDF

Das Schutzgebiet gehört zu den artenreichsten Regionen Afrikas. Etwa ein Viertel der stark bedrohten Berggorillas lebt im südlichen Teil des Parks. Daneben beherbergt der Nationalpark auch den seltenen Grauergorilla (Gorilla beringei graueri) und Schimpansen. Er ist damit der einzige Nationalpark der Welt, in dem gleich drei Menschenaffen-Arten zuhause sind. Auch das gefährdete Okapi, ein Verwandter der Giraffe, sowie Elefanten, Löwen, zahllose Vogelarten und Flusspferde findet man dort. Der Park wäre ein Paradies, würde er nicht von vielen Seiten bedroht.

Seit seiner Gründung ist der Nationalpark unter Beschuss. Waren es zu Beginn vor allem die Anrainer, die sich um ihr Land betrogen fühlten, war es Mitte der Neunziger vornehmlich der Völkermord in Ruanda, der Millionen von Menschen in die Flucht schlug und dazu führte, dass viele Flüchtende im Osten der DR Kongo, so auch im  Virunga-Nationalpark Zuflucht  suchten. Damals geriet der Park durch die Jagd auf Wildtiere unter enormen Druck. Die Menschen - ob Zivilisten oder bewaffnete Banden - brauchten Nahrung und Feuerholz. Die Rohstoffe des Parks wurden gegen Waffen eingetauscht.

Unterschiedliche Interessen gefährden die Affen

Bis heute ist keine Ruhe eingekehrt. Noch immer streifen unterschiedliche bewaffnete Truppen durch den Nationalpark und kontrollieren seine illegale Plünderung. In den südlichen Waldgebieten nahe der Stadt Goma sind es die so genannten Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas, kurz FDLR, die die im fast industriellen Stil ablaufende Holzkohleproduktion unter sich haben. Im Jahr 2007 töteten Mitglieder dieser "Holzkohle-Mafia" eine siebenköpfige Gorilla-Familie. Ihr Motiv war klar: Wären die Gorillas erst mal verschwunden, gäbe es auch keinen Grund mehr geben, den Schutzstatus des Parks aufrecht zu erhalten. Für Parkverwaltung und Wildhüter einer der dunkelsten Momente in der Geschichte des Parks. Dann sind da die regionalen Mai Mai-Gruppen. Sie sind die Hauptakteure in der illegalen Fischerei, mit der sie ein Vermögen machen. Außerdem die ADF Nalu, eine ugandische Guerilla-Gruppe, die in den letzten Jahren über tausend Zivilisten auf grausame Weise ermordet hat.

Aber nicht nur Milizen setzen dem Virunga-Nationalpark zu. Starkes Bevölkerungswachstum und Armut haben zur Folge, dass die Menschen, die dort leben, immer tiefer in das Schutzgebiet vordringen. Sie benötigen fruchtbares Ackerland, um sich und ihre Familien zu ernähren. Und sie benötigen Holz - die wichtigste  Energiequelle der Region. Allein die Stadt Millionenstadt Goma mit ihren verbraucht täglich bis zu 200 LKW-Ladungen Holzkohle. Und jeder LKW lädt 200 Säcke. Das sind tausende gefällte Bäume - jeden Tag. Geht das so weiter, dann gibt es in weniger als zehn Jahren im Osten des Kongo keinen Wald mehr. Die Berggorillas werden ihren Lebensraum verlieren.

Die Berggorillas sind eine Unterart des Östlichen Gorillas. Der größte Teil unseres Wissens über Gorillas stammt aus Feldstudien über dieser Gorilla-Unterart. Die Wissenschaftlerin Diane Fossey wurde damit bekannt. Während ihrer Erforschung der Berggorillas wurde sie ermordet. Berggorillas leben am Boden, ernähren sich vornehmlich pflanzlich und ergänzen ihren Speiseplan gelegentlich durch Ameisen. Sie gehen Streitigkeiten gerne aus dem Weg. Da siekaum natürliche Feinde fürchten müssen, führen sie ein weitgehend entspanntes Leben - wäre da nicht der Mensch. Berggorillas sind vom Aussterben bedroht. Die letzte Zählung ergab, dass es weltweit nur noch 880 Tiere gibt - verteilt auf Uganda, Ruanda und die Demokratische Republik Kongo. Im April 2018 wird die Weltnaturschutzunion die Zahlen des aktuellen Gorilla-Zensus veröffentlichen. Es wird sich zeigen, ob diese Menschenaffenart eine Überlebenschance hat.

Mehr als 150 Wildhüter getötet

Seit 2008 ist Emmanuel de Merode Direktor des Virunga-Nationalparks. Er steht vor der Herausforderung, das Gebiet vor Raubbau und Wilderei zu bewahren. Eine schwierige und gefährliche Aufgabe: Seit 2006 wurden mehr als 150 Wildhüter in Ausübung ihres Dienstes getötet. Emmanuel de Merode überlebte schwer verletzt einen bewaffneten Überfall. Der Virunga-Nationalpark gilt daher als der gefährlichste Park der Welt. Um nicht noch mehr Opfer zu riskieren, lässt de Merode seine Wildhüter als Kampftruppen ausbilden. Zahlenmäßig aber sind sie deutlich unterlegen: 600 Rangern stehen etwa 8.000 bewaffnete Milizionären gegenüber.

Den Park nur mit Waffen zu verteidigen, ist also völlig aussichtslos. Der Parkdirektor sucht daher nach anderen Wegen. Er will, dass die Bevölkerung vom Nationalpark profitiert und dadurch den Park akzeptiert. Von Sponsoren und Nichtregierungsorganisationen unterstützt, hat de Merode deshalb einige Projekte angestoßen: Ein unlängst errichtetes Wasserkraftwerk, das durch einen Fluss des Virunga-Nationalparks gespeist wird, soll die Wirtschaft ankurbeln und die Menschen mit Strom versorgen. Eukalyptusplantagen liefern Arbeitsplätze und Brennholz. Parkeigene Schulen fördern die Bildung und erhöhen die Chance auf ein besseres Leben.

"Die Familien müssen von irgendetwas leben"

"Am Ende entscheiden die Einheimischen und ihr Standpunkt ist ja verständlich. Die Familien müssen von irgendetwas leben. Sie brauchen eine Zukunft", sagt Emmanuel de Merode. Auch die Witwen der getöteten Ranger erhalten Hilfe. Eine eigens für sie eingerichtete Schneiderei gibt ihnen die Möglichkeit, ein monatliches Auskommen zu haben. Für Emmanuel de Merode ist die Unterstützung der Bevölkerung der wichtigste Schritt, den Park und seine Tierwelt zu erhalten: "Wir müssen akzeptieren, dass wir in erster Linie im Dienste der Menschen stehen, die im Umland leben. Wenn es uns nicht gelingt, sie an den Ressourcen des Parks teilhaben zu lassen, sind wir mit unserer Arbeit und unserer Mission gescheitert".

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