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Autonomes Lkw-Fahren - Brummis in der Digital-Kolonne

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Von Ende Juni an wird erstmals ein "Platoon", ein vernetzter Lkw-Konvoi, unter Realbedingungen getestet. makro hat mit MAN-Chef Joachim Drees über Vorteile und Risiken gesprochen.

Mittlerweile können LKWs miteinander kommunizieren und in Kolonne fahren. Platooning soll Sprit und Verkehrsraum einsparen. Doch die Experten sind skeptisch. Auf der A9 finden nun erste Tests statt.

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Platooning bedeutet elektronische Vernetzung und Koppelung von Lkw auf Autobahnen und Fernstraßen. Mindestens zwei Lkw können mit Hilfe von technischen Fahrassistenz- und Steuersystemen in geringem Abstand hintereinander fahren. Verbunden sind sie miteinander durch eine sogenannte elektronische Deichsel mittels einer Car-to-Car-Kommunikation. Das führende Fahrzeug gibt die Geschwindigkeit und die Richtung vor. Die Verkehrssicherheit wird gewährleistet durch die elektronische Kopplung der Fahrzeuge im Platoon. Ein wesentliches Ziel von Platooning ist es, durch Windschattenfahren eine Kraftstoff-Einsparung für den gesamten Platoon zu erreichen.

makro: Welche Vorteile hat Platooning?

Joachim Drees: Platooning bringt im Wesentlichen zwei Vorteile. Das eine ist die Kraftstoffverbrauchsreduktion - sowohl für das Führungsfahrzeug, als auch für die folgenden Fahrzeuge - von bis zu zehn Prozent für Folgefahrzeuge. Außerdem - und das sehen wir als genauso wichtig an - trägt Platooning zu mehr Sicherheit im Verkehr auf der Autobahn bei.

Platooning erklärt
Platooning erklärt Quelle: MAN Truck & Bus

makro: Wie sicher ist Platooning? Können die Fahrer in einer Gefahrensituation noch rechtzeitig reagieren?

Drees: Unsere Platoons fahren im Abstand von zwölf Metern oder mehr. Wir fangen mit 30 Metern an und gehen dann auf 15 Meter runter, halten aber mindestens zwölf Meter oder mehr Abstand. Wir haben heute ein Automatisierungslevel zwei, das heißt, wir haben natürlich noch Fahrer an Bord, die geschult sind, das System zu bedienen. Der dem Führungsfahrzeug folgende Fahrer sieht die Verkehrssituation des Führungsfahrzeuges ebenfalls über einen Monitor, so dass er auf jeden Fall auch darüber informiert wird. Das Kernelement ist die Verbindung über eine spezielle W-Lan-Verbindung, die dazu führt, dass selbst bei einer Maximalbremsung im Vorderfahrzeug der Abstand zum Folgefahrzeug maximal um ein bis zwei Meter verkürzt wird. Die Reaktionszeit, die ein Platoon hat, ist extrem kurz. Wir verwenden mehrfach redundante Systeme, um selbst beim Ausfall des W-Lans sofort eingreifen zu können.

makro: Was passiert, wenn sich Auto- oder Motorradfahrer in einen Platoon drängeln?

Drees: Darauf kann die Kolonne sicher reagieren. Es existieren mehrfache Ebenen der Absicherung. Wir haben Lidar-Sensoren, die das ganze Umfeld abscannen, zusätzlich verwenden wir Radar-Sensoren und Kameras. Wenn ein Motorrad auf der Einfädelspur kommt, nimmt der Lidar-Sensor, der den größten Öffnungswinkel hat, wahr, dass ein Fahrzeug kommt, und macht sich bereit, den Platoon aufzulösen. Falls das Fahrzeug dann zwischen die beiden Lkw fährt und Radar und Kamera das erfassen, wird der Platoon sofort aufgelöst.

Unfallforscher Siegfried Brockmann vom GDV ist skeptisch, was die technische Sicherheit beim Platooning angeht. Ohne professionellen Fahrer, der in kritschen Situationen eingreift, ginge es noch nicht.

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makro: Erhöht sich durch Platooning die Staugefahr?

Drees: Wir glauben, dass das Gegenteil der Fall ist. Zum ersten wird der zur Verfügung stehende Verkehrsraum besser genutzt. Das ist natürlich der Kernpunkt in der Kraftstoffverbrauchsreduktion. Zweitens fährt ein Platoon mit gleichmäßiger Geschwindigkeit von 80 Kilometer je Stunde, so dass sich die Dauer der Überholvorgänge durch andere Verkehrsteilnehmer reduzieren wird. Ein Platoon selber kann keinen Überholvorgang durchführen. Wenn nur ein Fahrzeug aus dem Platoon ausschert, dann wird der gesamte Verband auf der Stelle aufgelöst. Erst dann kann das Fahrzeug aus dem Platoon andere Fahrzeuge überholen.

makro: Lohnt sich Platooning in Deutschland?

Drees: Wir sind noch in der Erprobungsphase. Nach unserer Ansicht wird die Sicherheit durch Platooning erhöht. Fahren sie heute mal auf die Autobahn und schauen sie sich die Abstände an, mit denen dort gefahren wird. Die sind ja oft geringer als 50 Meter. Eine Notfallbremsung einzuleiten, ist dann in einem Platoon deutlich sicherer, weil durch die sehr kurze Reaktionszeit nur ein bis zwei Meter maximal von dem Sicherheitsabstand verloren gehen. Deswegen sind wir überzeugt, dass ein Platoon an dieser Stelle Vorteile in der normalen Verkehrsführung hat, in Deutschland und in ganz Europa.


Das Interview führte Kai Dietrich.

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