Sie sind hier:

Aktionärsversammlung bei BMW - "Sie wirken zaghaft"

Datum:

Viel Grund zum Jubeln hatten BMW-Aktionäre zuletzt wenig. Sie kreiden BMW-Chef Krüger Kursverluste und Dividendenkürzung an. Die Zukunftsaussichten des Autobauers sind ungewiss.

BMW-Hauptversammlung 2019
BMW-Hauptversammlung 2019
Quelle: dpa

BMW-Chef Krüger spricht vom zweitbesten Konzernergebnis der Geschichte. Die Aktionäre sind alles andere als zufrieden. Zwar haben die Münchner 2018 mehr Autos verkauft, doch der Gewinn ging zurück und mit ihm die Dividende. Dass BMW im Kampf um die mobile Zukunft Vorreiter sein wird, scheint mittlerweile vielen zweifelhaft.

Daniela Bergdolt lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Doch an diesem Morgen wird sie sehr deutlich: "Sie haben Ihre Vorreiterrolle verspielt", sagt die Aktionärsschützerin in Richtung des BMW-Chefs Harald Krüger. "BMW hat sich zu lange auf einer Position der Stärke ausgeruht." Es wird nicht bei dieser Kritik bleiben. Große Investmentfonds, die Millionen BMW-Aktionäre vertreten, fordern von Krüger: "Schalten Sie endlich auf Angriff!"

"Wir gehen unseren Weg"

Wir gehen unseren Weg, auch bei Gegenwind.
Krüger, BMW-Chef

Der hatte die Aktionäre begrüßt mit einem Seitenhieb auf die viel diskutierte Forderung des Jusos-Chefs Kevin Kühnert nach einer Vergesellschaftung von BMW: "Vor kurzem wurde die Eigentumsfrage von BMW öffentlich diskutiert. Ich kann dazu nur sagen, dass ich froh bin dass Sie alle heute hier sind." Was dann kam, wirkte wie die Motivationsrede eines Fußballtrainers, dessen Mannschaft zur Halbzeit 2:0 zurückliegt. "Wir gehen unseren Weg, auch bei Gegenwind". "Wir haben uns immer wieder neu erfunden." "Unsere Absatzzahlen sprechen eine klare Sprache."

Die sind in der Tat leicht gestiegen, für den Gewinn gilt allerdings das Gegenteil. Der sank im vergangenen Jahr von 10,7 Milliarden Euro auf 9,8 Mrd. Euro. Im laufenden Geschäftsjahr soll es noch weniger werden – unter acht Milliarden Euro. Zahlen, die BMW-Aktionäre nicht gewohnt sind. "Diese Aussichten lassen keine weiß-blaue Gemütlichkeit aufkommen", konstatiert Winfried Mathes von Deka Investments.

Keine Festlegung bei alternativen Antrieben

Alles auf eine Karte zu setzen, ist unternehmerisch nicht klug.
Krüger, BMW-Chef

Ein wichtiger Grund für die enttäuschenden Zahlen: BMW muss massiv investieren. Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres lagen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bei weit über einer Milliarde Euro (2018 gesamt: 5,9 Mrd.). Dies betrifft sowohl die Elektromobilität, als auch das autonome Fahren. Vor allem beim Antrieb setzt BMW-Chef Krüger auf "Technologieoffenheit", wie er es nennt. "Niemand kann heute seriös einschätzen, welche Antriebsart sich durchsetzt", so Krüger. Die Fokussierung des Konkurrenten VW auf den Elektroantrieb hält der BMW-Chef für einen Fehler: "Alles auf eine Karte zu setzen, ist unternehmerisch nicht klug."

Stattdessen: Ein Mix aus reinen E-Fahrzeugen, Plug-in-Hybriden und Verbrennern – gebaut auf einer Plattform. "Technologische Offenheit ist entscheidend, um auf die regulatorischen Anforderungen und Kundenwünsche in den verschiedenen Märkten vorbereitet zu sein", so Krüger. "Zu wenig", meinen Aktionärsvertreter. "BMW wirkt zaghaft", sagt Janne Paul Werning von Union Investment. "VW dagegen schaltet auf Angriff und Daimler sorgt mit dem Wechsel an der Konzernspitze für neue Impulse." Es war das erste und einzige Mal, dass Krügers Vertrag, der im Mai 2020 ausläuft, indirekt zur Sprache kam.

Vielen fehlt schlüssiges Konzept

Ich erwarte eine Modelloffensive, die Tesla vom Tisch bläst
Daniela Bergdolt, Aktionärin

Im Vorfeld der Hauptversammlung hatte es in Konzernkreisen Kritik am BMW-Chef gegeben. Zweifel wurden laut, ob Krüger, der in guten Zeiten einen guten Job gemacht hat, auch in schlechten Zeiten ein guter Vorstandschef sein kann. So manchem im Unternehmen fehlt ein schlüssiges Konzept, wie man den Wind, der BMW jetzt ins Gesicht weht, in positive Energie umwandeln kann.

In diese Richtung geht auch die Kritik vieler Aktionäre. "Ich erwarte eine Modelloffensive, die Tesla vom Tisch bläst", sagt etwa Daniela Bergdolt mit Blick auf den amerikanischen Konkurrenten. Krüger kontert mit einem sehr ambitionierten Ziel: Bis Ende des Jahres will man weltweit über 500.000 elektrifizierte Fahrzeuge weltweit verkauft haben.  

Kritik an der Umweltbilanz

Ich erwarte, dass Sie Pläne vorlegen, wie Sie im Jahr 2035 klimaneutral produzieren können.
Ferdinand Klemm, Fridays for Future

Vielen geht es nicht nur um die gekürzte Dividende. "Die CO2-Emmissionen der BMW-Flotte liegen mit 128 Gramm pro Kilometer deutlich über dem Grenzwert von 95 Gramm, der ab 2020 gilt", kritisiert Winfried Mathes von Deka Investments. Und Ferdinand Klemm, ein Vertreter der Fridays-for-Future-Bewegung, verlangt von BMW ein klares Bekenntnis: "Ich erwarte, dass Sie Pläne vorlegen, wie Sie im Jahr 2035 klimaneutral produzieren können", so Klemm. Dass kann ihm Harald Krüger nicht zusichern. "Wir haben den Ausstoß unserer Flotte europaweit um 25 Prozent gesenkt", so der BMW-Chef. Außerdem befasse sich der Vorstand mit dem Bericht des Weltklimarats: "Die Erkenntnisse daraus fließen in unsere Entscheidungsprozesse mit ein."

Die Meldung, wonach US-Präsident Trump die Entscheidung über mögliche Autozölle vertagt habe, spielt auf der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle nur am Rande eine Rolle. BMW sei seit Langem auf alle Szenarien vorbereitet, heißt es immer wieder aus Unternehmenskreisen. Der Autohersteller produziert viel vor Ort, betreibt beispielsweise im amerikanischen Spartanburg das größte Werk des Konzerns. "Die USA sind unser zweites Zuhause", so Krüger. Mit Blick auf den Handelskonflikt zwischen den USA und China appelliert der BMW-Chef an beide Seiten "Der Welt wird es guttun, wenn hier eine pragmatische Lösung gefunden wird."

Alexander Poel ist Reporter im ZDF-Studio München.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.