Sie sind hier:

Pokémon Go - Virtuelle Monsterjagd - ein Jahr Poké-Hype

Datum:

Seit exakt einem Jahr laufen Menschen mit gesenktem Kopf durch die Gegend und starren auf ihren Touchscreen, auf der Suche nach kleinen Monstern. Pokémon Go hat die Welt im Sturm erobert und bleibt ein Phänomen - allen Bedenken von Datenschützern und Trend-Verweigerern zum Trotz.

Die virtuelle Monster-Jagd begeisterte tausende Fans.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Für die Pokémon Company war 2016 ein gutes Jahr. Sie hat ihren Umsatz um gut die Hälfte auf 3,3 Milliarden US-Dollar verbessern können. So schätzt das Branchenmagazin License Global und listet die japanische Firma erstmals unter den 20 umsatzstärksten Lizenzgebern. Damit haben die putzigen Monster aus Japan nun Marken wie Ferrari, Ralph Lauren oder Mattel überholt. Das Plus von mehr als einer Milliarde dürfte weitgehend auf Pokémon Go zurückgehen, das vor einem Jahr an den Start ging und zu einem regelrechten Phänomen wurde.

Das Smartphone-Spiel macht jede Stadt, jedes Dorf, jede Hauptstraße und jeden Schotterweg zum Spielfeld. Auf dem Touchscreen wird die reale Umgebung angezeigt, angereichert durch Fantasie-Monster, die es zu fangen gilt und Kampf-Arenen, die erobert und verteidigt werden wollen. Das begeisterte hunderte Millionen Menschen, wenigstens für einige Monate. Spieler liefen laut Hersteller insgesamt 8,7 Milliarden Kilometer, um 88 Milliarden Pokémon zu fangen. Und auch wenn der große Hype vorbei ist, bleibt Pokémon Go ein Renner. Mit rund 700 Millionen Downloads weltweit ist es das erfolgreichste Smartphone-Spiel aller Zeiten. Immer noch gibt es 65 Millionen Menschen weltweit, die es mindestens einmal im Monat spielen.

Ein kostenloses Spiel - mit dreifacher Einnahmequelle

In jeder größeren Stadt gibt es weiterhin Facebook- und WhatsApp-Gruppen mit Hunderten oder gar Tausenden Spielern. Taucht an einer Stelle ein besonders seltenes Monster auf, verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Innerhalb kürzester Zeit sind die ersten Fans vor Ort und streichen über ihre Touchscreens. Allein in Frankfurt am Main sind Tausende Spieler über Facebook und WhatsApp miteinander vernetzt, um sich spontan zu treffen. Einige von ihnen, darunter Marcel Theunert, spielen drei Stunden täglich. Mit dem Spiel lasse sich ideal eine langweilige Busfahrt überbrücken. Aber richtige Fans spielen nicht nur beim Pendeln. "Ich hab' das schon erlebt, dass an einem Sonntagabend um 20 Uhr 30 Leute durch den Wald laufen, weil da ein seltenes Pokémon aufgetaucht ist."

Das Spiel ist erst einmal kostenlos. Dennoch ist es das profitabelste seiner Art - bei Weitem. Denn es generiert gleich dreifach Umsatz. Ganz nach dem klassischen Prinzip der sogenannten Free-to-play Spiele (auch Freemium genannt) können Spieler nützliche Gegenstände im Spiel kaufen, statt sie mühsam zu sammeln. Außerdem verkauft der japanische Lizenzgeber einen Anstecker mit Leuchtknopf, mit dem das Smartphone in der Tasche bleiben kann. Kostenpunkt: gut 35 Euro.

Zweitens stärkt das Spiel die Marke insgesamt. Was als Videospiel auf dem tragbaren Gameboy begann ist längst auch eine TV-Serie, ein Sammelkartenspiel und Merchandise aller Art. Und all das wird durch den Smartphone-Hit beflügelt. Die jüngsten Videospiele - Pokémon Sonne und Mond für den Nintendo 3DS - verkauften sich Ende 2016 spürbar besser als die Vorgänger.

Hunderte Millionen Menschen auf Knopfdruck gesteuert

Drittens können Firmen und Einzelhändler seit neuestem dafür bezahlen, dass Pokémon Go seine Spieler vor ihre Geschäfte treibt. Hier dürften sich jedem Datenschützer die Nackenhaare aufstellen. Denn laut dem US-Hersteller Niantic, der das Spiel für die japanischen Lizenzgeber entwickelt, gibt es bereits 35.000 Orte in dem Spiel, die gesponsert sind. US-Konzerne wie McDonald’s oder Starbucks erkaufen sich also eine Arena oder einen Pokéstop, um ihre Lokale dadurch zu bewerben. Das Spiel sei allein an diesen Orten für eine halbe Milliarde Besuche verantwortlich. Auch wenn nur ein Bruchteil dieser Spieler den jeweilige Laden auch tatsächlich betreten haben wird, scheint die Entwicklerfirma wie der Rattenfänger von San Francisco hunderte Millionen Menschen auf Knopfdruck steuern zu können.

In Deutschland bezahlen bislang nur einige große Einkaufszentren dafür, Teil des Spiels zu sein. Die meisten Geschäfte sind rein zufällig mit dabei, wie die Currywurstkette Best Worscht in Town. Ein Umsatzplus sei nicht zu verzeichnen, sagt Gründer und Inhaber Lars Obendorfer. Aber er freue sich trotzdem. "Natürlich werden wir auch bekannter dadurch. Viele Leute, die vielleicht nicht in unseren Laden reingegangen sind, kommen jetzt mal rein und gucken. Ob sie etwas essen oder nicht, weiß ich jetzt nicht, aber vielleicht passiert ja was."

Blick über den Tellerrand

Einen uneingeschränkt positiven Effekt muss man Pokémon Go allerdings noch zubilligen. Hinter den meisten Orten, an die das Spiel seine Nutzer lenkt, stehen gar keine kommerziellen Interessen. Es sind Museen, Denkmäler, Skulpturen oder die Stolperstein genannten Mini-Gedenktafeln. Er habe seine Stadt durch sein Hobby ganz neu kennengelernt, schwärmt Marcel Theunert.

Der Frankfurter Palmengarten, auf dessen Areal sich mehrere Pokéstops und Arenen befinden, spekuliert auf den Blick der Spieler über den Tellerrand hinaus. "Ich geh doch mal davon aus, dass die Spieler nicht nur auf ihr Gerät schauen, sondern sich auch mal umschauen," erzählt Sprecher Sebastian Klimek. Als sie erfuhren, dass ihr Garten Teil des Spiels sei, habe man das in einem Facebook-Post sogar beworben. "Da ist natürlich die Hoffnung, dass wir diese Besucher auf irgendeine Art erreichen und dazu anregen, mal wiederzukommen. Vielleicht ohne das Gerät in der Hand."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.