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Politbarometer - Zweifel am langfristigen AfD-Erfolg

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Die AfD ist bei der Bundestagswahl drittstärkste Partei geworden. Doch bezweifeln im ZDF-Politbarometer knapp drei Viertel der Befragten, dass die Partei langfristig erfolgreich sein wird. Selbst die eigenen Anhänger sind in dieser Frage gespalten.

Laut dem aktuellen ZDF-Politbarometer sind fünf Tage nach der Wahl 66 Prozent der Befragten unzufrieden mit dem Wahlausgang. Große Unterstützung erfährt eine "Jamaika"-Koalition, 59 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus.

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Auch nach dem Einzug der AfD in den Bundestag bezweifeln knapp drei Viertel (72 Prozent) der Befragten, dass die Partei langfristig erfolgreich sein wird, nur 23 Prozent prognostizieren ihr einen dauerhaften Erfolg. Die eigenen Anhänger sind hier gespalten, 47 Prozent meinen, die AfD werde sich etablieren, 44 Prozent sind skeptisch. Der Forderung, dass es keine Zusammenarbeit der anderen Parteien mit der AfD geben soll, schließen sich 60 Prozent an, 35 Prozent halten das für falsch, darunter 85 Prozent der AfD-Anhänger.

Anders als nach der Bundestagswahl 2013 (zufrieden: 55 Prozent; unzufrieden: 41 Prozent) ist mit 66 Prozent jetzt eine deutliche Mehrheit der Deutschen unzufrieden mit dem Ausgang der Wahl am letzten Sonntag. Nur 28 Prozent sind zufrieden damit (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils "weiß nicht"). Diese Einschätzung teilen die Anhänger von CDU/CSU, SPD, FDP, Linke und Grüne mehrheitlich, lediglich die Anhänger der AfD äußern sich überwiegend zufrieden (52 Prozent; unzufrieden: 36 Prozent).

Mehrheit fände "Jamaika"-Koalition gut

Große Unterstützung erfährt jetzt nach der Wahl ein Regierungsbündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen. 59 Prozent fänden es gut, wenn es zu einer "Jamaika"-Koalition käme, 22 Prozent schlecht und 15 Prozent wäre das egal. Die Anhänger der beteiligten Parteien stehen einem solchen Bündnis positiv gegenüber: Von den CDU/CSU-Anhängern sprechen sich 72 Prozent, von den FDP-Anhängern 84 Prozent und von den Grünen-Anhängern 78 Prozent dafür aus. Auf entsprechend wenig Zustimmung stößt alternativ eine Regierung aus CDU/CSU und SPD. Nur insgesamt 23 Prozent fänden eine erneute Große Koalition besser als eine "Jamaika"-Koalition, 41 Prozent schlechter und für 31 Prozent macht das keinen Unterschied. Eine große Mehrheit (78 Prozent) rechnet auch damit, dass die nächste Bundesregierung von CDU/CSU, FDP und Grünen gebildet wird, nur elf Prozent erwarten, dass Union und SPD wieder zusammen regieren werden.

SPD in der Opposition

Die Ankündigung der SPD, nach ihrem schlechten Abschneiden in die Opposition gehen zu wollen, begrüßen 63 Prozent aller Befragten, darunter auch 72 Prozent der SPD-Anhänger. Nur 29 Prozent halten das für keine gute Entscheidung (SPD-Anhänger: 23 Prozent). 65 Prozent glauben, die Oppositionsrolle zu übernehmen, wird der SPD langfristig nutzen, 22 Prozent meinen, das wird ihr schaden. In den eigenen Reihen gehen sogar 78 Prozent davon aus, die SPD werde vom Gang in die Opposition profitieren, negative Auswirkungen befürchten nur 15 Prozent der SPD-Anhänger.

Projektion

Wenn am nächsten Sonntag bereits wieder gewählt würde, dann wäre das Ergebnis dem der Wahl vom vergangenen Sonntag recht ähnlich: Die CDU/CSU käme dann auf 32 Prozent und die SPD auf 21 Prozent. Die AfD erreichte zwölf Prozent, die FDP zehn Prozent, die Linke ebenfalls zehn Prozent und die Grünen erhielten elf Prozent. Die anderen Parteien lägen zusammen bei vier Prozent.

Top Ten: Schulz stark verschlechtert

Auf der Liste der nach Meinung der Befragten zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker können sich nach der Wahl vor allem die Spitzenpolitiker der kleineren Parteien verbessern. Auf Platz eins liegt weiterhin Angela Merkel mit einer Durchschnittsnote von 2,0 (hier und im Folgenden Vergleichswert in Klammern aus Sept. III: 1,9) auf der Skala von +5 bis -5. Den zweiten Platz besetzt erneut Wolfgang Schäuble mit 1,9 (1,7). Auf Platz drei kann Christian Lindner vorrücken, der mit 1,4 (0,9) ein deutliches Plus verzeichnet. Danach Cem Özdemir mit 1,3 (1,1), auch er in Rang und Note verbessert. Es folgen Sigmar Gabriel, ebenfalls mit 1,3 (1,5) und Thomas de Maizière mit 0,9 (1,0). Martin Schulz kommt auf 0,7 (1,1), er verschlechtert sich klar und fällt drei Plätze zurück. Zulegen kann dagegen Sahra Wagenknecht mit 0,4 (minus 0,1), sie rückt vom letzten auf den achten Platz auf. Dann Ursula von der Leyen, die auch mit 0,4 (0,3) bewertet wird und neues Schlusslicht ist Horst Seehofer mit 0,1 (0,4).

Mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen West und Ost

Nachdem vor zwei Jahren erstmals eine Mehrheit (September 2015: 55 Prozent) der Meinung war, zwischen dem Westen und dem Osten Deutschlands überwiegen die Gemeinsamkeiten, stehen für 50 Prozent jetzt wieder die Unterschiede im Vordergrund und nur für 45 Prozent das Gemeinsame. Mit 45 Prozent (Sept. 2015: 64 Prozent) halten zudem deutlich weniger Befragte als noch vor zwei Jahren die Probleme der Wiedervereinigung größtenteils für gelöst. 51 Prozent sehen hier aktuell Defizite (Sep. 2015: 34 Prozent), darunter 50 Prozent der Befragten in den alten und 57 Prozent in den neuen Bundesländern.

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