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Militär attackiert Protestcamp - Zusammenstöße im Sudan - offenbar Tote

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Im Sudan eskaliert der Konflikt zwischen Militärjunta und Opposition. Sicherheitskräfte sollen mit Gewalt gegen Demonstranten vorgegangen sein. Berichtet wird von neun Toten.

Proteste in Khartoum, Sudan
Proteste in Khartoum: Lage im Sudan eskaliert
Quelle: Reuters

In Sudans Hauptstadt Khartum sind Sicherheitskräfte nach Angaben von Opposition und Ärzten gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Militär und Polizei hätten Montag ein Protestcamp gestürmt. Mindestens neun Menschen sollen dabei getötet worden sein. Das Sudanesische Ärztekomitee sprach von mehr als 200 Verletzten. Auf Bildern der Sender Al-Hadath und Al-Dschasira waren Menschen zu sehen, die vor Schüssen durch die Straßen flüchteten.

Regierungsgegner sprachen von einem "blutigen Massaker". Der Protestführer Hischam Schalbi sagte, die Soldaten hätten die Demonstranten mit Schüssen, Tränengas und Stöcken auseinandergetrieben. Es gebe etliche Verwundete, die noch nicht abtransportiert werden konnten, teilte der Ärzteverband mit. Er bat Organisationen wie das Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen um Hilfe.

Karte des Sudan mit der Hauptstadt Khartum
Das Protestlager liegt in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.
Quelle: ZDF

Das Camp vor dem Verteidigungsministerium ist der Kristallisationspunkt der Proteste gegen die Regierung. Seit Beginn der Demonstrationen im Dezember harren dort Tausende junge Männer und Frauen aus. Das Militär versuche seit Wochen, die Sitzblockade im Zentrum Khartums mit Gewalt aufzulösen, twitterte das Gewerkschaftsbündnis SPA, das die anhaltenden Massenproteste im Sudan organisiert. Das Bündnis rief die Menschen dazu auf, auf die Straßen zu gehen und friedlich zu demonstrieren, um den militärischen Übergangsrat zu stürzen.

Monatelange Massenproteste vor Putsch

Die US-Botschaft im Sudan machte den militärischen Übergangsrat für die Gewalt verantwortlich. Der Rat könne die Menschen Sudans nicht verantwortungsvoll führen, twitterte die Botschaft. Die Angriffe der Sicherheitskräfte auf Demonstranten müssten sofort aufhören. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärte: "Diese Gewalt ist nicht zu rechtfertigen und muss sofort aufhören." Auch der britische Botschafter Irfan Siddiq äußerte sich "extrem besorgt" über die Berichte. Der Militärrat selbst erklärte, die Sicherheitskräfte seien lediglich gegen Kriminelle in der Nähe des Lagers vorgegangen.

Diese Gewalt ist nicht zu rechtfertigen und muss sofort aufhören.
Sprecher des Auswärtigen Amtes
Seit Monaten kommt es im Sudan zu Massenprotesten. Archivbild
Seit Monaten kommt es im Sudan zu Massenprotesten. Archivbild.
Quelle: Uncredited/AP/dpa

Sudans Präsident Omar al-Baschir war im April nach drei Jahrzehnten an der Macht und monatelangen Massenprotesten von den Streitkräften gestürzt worden. Militär und Opposition ringen seitdem um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Verhandlungen waren kürzlich zusammengebrochen, da sich beide Seiten nicht auf die Leitung einigen konnten.

Die Sitzblockade, die maßgeblich zum Sturz Al-Baschirs beigetragen hatte, wurde auch nach dem Putsch fortgeführt. Jüngst hatte der militärische Übergangsrat das Protestcamp als Gefahr für die Demonstranten und das Land bezeichnet und versprochen, gegen illegale Handlungen dort vorzugehen. Zudem wurde das Büro des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira in Khartum nach eigenen Angaben von den Behörden geschlossen worden und den Reportern des Senders verboten, aus dem Land zu berichten.

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