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Gillamoos mit Karl-Theodor zu Guttenberg - Der Mann, auf dessen Comeback sie hoffen

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Horst Seehofer kann ihn sich schon wieder überall vorstellen. In Berlin, in München - egal wo, Hauptsache er, Karl-Theodor zu Guttenberg, wird wieder Minister. Auch die Basis wünscht sich das beim politischen Gillamoos in Abensberg - selbst wenn Guttenberg längst nicht so begeistern kann wie früher.

Beim Gillamoos-Volksfest in Abensberg gaben sich heute SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und andere Spitzenpolitiker der verschiedenen Parteien die Ehre. In den Bierzelten geht es weniger um politische Korrektheit als um derbe Worte und scharfe Attacken.

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Es ist ein Phänomen: Wo immer Karl-Theodor zu Guttenberg dieser Tage auftaucht, scheinen die vergangenen Jahre vergessen. Eine 2011 gescheiterte Karriere als Bundespolitiker wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit? Egal. Der verzweifelte Versuch, eigenes Versagen zu vertuschen? Schwamm drüber. Stattdessen fliegen dem 45-Jährigen mit ständigem Wohnsitz in den USA die Herzen auch auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg nur so zu. Doch anders als beim Auftritt in seiner fränkischen Heimat Kulmbach vor wenigen Tagen gelingt es ihm am Montag nicht, die mehr als 2.500 Zuhörer mit seiner außenpolitischen Rede inhaltlich zu begeistern.

Der Krisen-Tenor rockt nicht immer

"Und irgendwann und immer wieder bin ich gerne zurück in diesem Land, in meiner Heimat." Es ist Guttenbergs letzter Satz in der mehr als 80-minütigen Rede, der jene Hoffnungen auf sein politisches Comeback nährt, die dieser Tage und Wochen im Freistaat so gerne aufkeimen. Doch mehr gibt es nicht. Das klare Bekenntnis bleibt der gescheiterte Verteidigungsminister "KT" auch auf dem Gillamoos schuldig. Den bierseligen Zuhörern ist dies aber beinahe egal: "Ein brillanter Redner, er ist einfach der Beste", loben ihn viele nach dem Auftritt. Was genau er Brillantes gesagt habe, könnten sie nicht mehr sagen.

Hier zeigt sich ein Gegensatz zu seiner Premiere an dieser Stelle 2009. Damals noch als Bundeswirtschaftsminister wurde Guttenberg auch während seiner Rede wie ein Popstar gefeiert, etwa für seine heftige Kritik an Rot-Rot-Grün. Doch mit seinem heutigen - für ein Bierzelt zu schwermütigen - Krisen-Tenor zwischen Nordkorea, Türkei, US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin lässt sich eben nicht so richtig feiern. Die langen Sätze Guttenbergs scheinen die Zuhörer ebenfalls zu überfordern.

Derbe Späße nur selten

Die in Bierzelten gerne gehörten derben Späße auf Kosten politischer Mitbewerber fehlen bei "KT" weitgehend. Nur die FDP und Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder ("Gazprom-Gerd") bekommen ein wenig ihr Fett weg: Dank FDP-Chef Christian Lindner wäre Schwarz-Gelb "die erste Koalition mit nur einem Mann" und Parteivize Wolfgang Kubicki wohl der "erste Minister für Dampfplauderei und Talkshowfragen".

Einzig bei den selbstironischen Spitzen ("Vor acht Jahren lief hier von AC/DC das Lied Highway to Hell, die Autobahn zur Hölle, die habe ich dann mit der Überholspur genommen"), den persönlichen Ansagen ("Ich habe gelernt, wenn man mit Wucht auf die Schnauze fällt, diese Schnauze abzuwischen, aufzustehen und wieder neu anzufangen") und bei den wenigen innenpolitischen Schlagworten (TV-Duell, Leitkultur, Integration, Grenzsicherung, Bedeutung der CSU) kommt Stimmung auf.

Seehofers Lob

CSU-Chef Horst Seehofer dürfte sich trotzdem nach den ersten Tagen der Guttenberg-Tournee genüsslich die Hände reiben: Er könne sich ihn in Berlin und in München als Minister vorstellen, sagte Seehofer der "Passauer Neuen Presse". Wie sich die Zeiten ändern. Zu Guttenbergs Karrierehöhepunkt war dieser für ihn noch ein "Glühwürmchen".

Trotz dieser Steilvorlage Seehofers schweigt sich Guttenberg weiter aus. In ihrer Not interpretieren die Zuhörer sogar schon seine Freude über einen Trachtenhut als Indiz für die Rückkehr: "Sehr schön, nicht schon wieder eine Baseball-Kappe. Das ist Heimat." Aber wie passt dazu die Aussage Guttenbergs vom Vorabend im Fernsehen? "Ich stehe nicht zur Wahl und da werden viele in diesem Land sagen: Gott sei Dank. In zwei Wochen sehen Sie mich wieder in den USA." Darauf haben sie hier in Bayern auch keine Antwort. Noch nicht.

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