Sie sind hier:

Polizei beim G20-Gipfel - "Keine Angst, aber Respekt vor der Situation"

Datum:

Die Hamburger Polizei leistet in diesen Tagen einen der größten Einsätze in der Geschichte der Bundesrepublik. Fast 20.000 Beamte sind in der Stadt, um für einen ruhigen Gipfel-Ablauf zu sorgen - eine Mammutaufgabe. Wie stellen sich Polizisten auf so eine Extrem-Situation ein? Ein Einblick.

Drei Tage vor dem Treffen der führenden Staats- und Regierungschefs in der Hansestadt wird weiter um ein Protest-Camp gestritten.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Adrian ist seit Sonntag in Hamburg. Was er seitdem macht, wo er wohnt und eingesetzt wird, kann er nicht sagen. Die Hamburger Polizei will sich aus Sicherheitsgründen nicht in die Karten schauen lassen. Nicht bei diesem Einsatz, dem größten in ihrer Geschichte.

Adrian ist Bereitschaftspolizist. Und weil eine Begleitung während des G20-Gipfels nicht möglich ist, erzählt er eine Woche vorher, wie er sich auf den Einsatz vorbereitet hat. Adrian, der eigentlich anders heißt, ist da noch in Mainz, in der Direktion der Bereitschaftspolizei Rheinland-Pfalz, wo er zur ersten Einsatzhundertschaft gehört. "Seit zwei Jahren", wie er sagt.

Spagat zwischen Extremen

Der G20-Gipfel in Hamburg ist Adrians erster Einsatz in dieser Größenordnung. Das gilt für die meisten Einsatzkräfte vor Ort: Mehr als 15.000 Bereitschaftspolizisten sind im Einsatz, außerdem fast 4.000 Bundespolizisten. Sie sollen das Unmögliche möglich machen: einen reibungslosen Gipfel-Ablauf, ohne die Hamburger in ihrem Alltag einzuschränken; die Sicherheit von 41 besonders gefährdeten Personen und 6.500 Delegationsteilnehmern gewährleisten - ohne den Demonstranten das Recht auf Versammlung zu entziehen. Ein Spagat zwischen Extremen.

Wie die Polizei das schaffen will, bleibt unter Verschluss. Auch Adrian kann zu konkret vorbereiteten Szenarien und Strategien nichts sagen - aus Sicherheitsgründen. Einen Einblick in die Vorbereitung will er trotzdem geben. "Es gab mehrere Trainingstage", erzählt er. "An denen haben wir das Vorgehen in Gruppen und in Zugstärke trainiert", sagt er. Das Ziel: Sich auf alle erdenklichen Situationen einstellen - und sinnvolle Routinen erarbeiten und einprägen. Immer mit den Fragen im Hinterkopf: "Was kann passieren? Auf welche Situationen können wir in Hamburg treffen?"

Adrians Glück: Er kennt Hamburg, hat Elbphilharmonie und Messegelände - die Schauplätze des Gipfels - bereits in Einsätzen kennengelernt. "Praktischer kann ich's nicht haben", sagt er. Trotzdem glaubt er: "Auch die Kollegen, die noch nicht in Hamburg gearbeitet haben, konnten sich durch die gestaffelten Trainingstage intensiv vorbereiten." Zumal es ohnehin Alltag sei, in anderen Bundesländern eingesetzt zu werden. "Da wird immer verlangt, dass wir uns mit den Örtlichkeiten vertraut machen."

Polizei will in "unter einer Minute" reagieren

Als Herausforderung sieht er weniger die fremde Stadt, als vielmehr die Einsatzzeiten und die körperliche Belastung. Zwar gibt es gesetzliche Grenzen. Länger als zwölf Stunden sollte kein Polizist im Einsatz sein. Doch wer mitten in einem kritischen Einsatz sei, könne sich nicht zurückziehen, sagt Adrian. Und: Die Schutzausrüstung der Polizisten wiegt insgesamt 15 Kilo. "Das ist nicht ganz ohne, wenn man dann 13, 14 Stunden im Einsatz ist, und ein paar Kilo mehr am Körper trägt."

Hinzu kommt: Kaum ein Polizist kann sich im Vorfeld auf die tatsächliche Belastung vorbereiten. Einsatzzeiten, Schichtpläne - all das entscheidet die Hamburger Polizei mitunter spontan, je nach Lage. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer verspricht, dass die Einsatzkräfte so verteilt sind, dass sie in "deutlich unter einer Minute" reagieren können. Für Adrian und die anderen Polizisten heißt das: Dauerbereitschaft. Auch, weil sich die Art des Einsatzes jederzeit ändern kann.

Gewalt nichts, "woran man sich gewöhnt"

Ein weiteres Problem: die mögliche Konfrontation mit Hass und Gewalt. Die Polizei rechnet mit 6.000 bis 8.000 gewaltbereiten Linksradikalen. Eine angekündigter Protestzug heißt "Welcome to hell" - Willkommen in der Hölle.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, sieht in der Gewaltbewältigung eine der größten Schwierigkeiten beim G20-Gipfel. Die Kollegen hätten zwar Erfahrung im Umgang mit solchen Lagen und seien darauf vorbereitet. Aber: Gewalt und Ausschreitungen seien nichts, "woran man sich gewöhnt", warnt Malchow. "Das ist immer mit Eigengefährdung versehen."

Auch Adrian weiß das. Er sagt, er habe "keine Angst, aber Respekt vor der Situation". Für ihn steht im Vordergrund: "Da ist ein Einsatz, der dauert seine Zeit - und ich sammele dabei neue Erfahrungen." Erfahrungen, die er für andere Einsätze mitnehmen könne. Auf Hass und Gewalt bereite er sich da eher unterbewusst vor.

"Das ist ja auch kein Einzelfall", schränkt er ein. "Wenn du als Streifenteam unterwegs bist, hast du auch den ein oder anderen, der sagt: 'Scheiß Bullen! Ihr Wichser!' Da muss jeder für sich lernen, damit umzugehen." Wichtig sei, sofort umzuschalten - vorsichtiger zu agieren und die Situation zu respektieren.

Adrian hofft auf eine Demo

Nach Hamburg jedenfalls fährt Adrian optimistisch. Er freut sich, diese Veranstaltung mitnehmen zu dürfen - und hofft, bei einer Demonstration eingesetzt zu werden. Das wäre die Erfahrung, die ihn persönlich am meisten weiterbringen würde. Und letztendlich auch die Situation, wo sich das intensive Training am Ende bezahlt mache.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.