Sie sind hier:

Großbritannien - Polizei sucht im Fall Skripal zwei Russen

Datum:

Die britische Polizei hat ein halbes Jahr nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Skripal und seine Tochter Verdächtige benannt: Sie fahndet nach zwei Russen.

Fahndungsfoto: Alexander Petrov und Ruslan Boshirov (aus Russland)
Alexander Petrow und Ruslan Boschirow auf der Aufnahme einer Überwachungskamera.
Quelle: reuters

Es handelt sich demnach um zwei Männer, die Pässe auf die Namen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow nutzten. Den Verdächtigen wird versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und der Besitz von chemischen Waffen vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Bei den Namen handelt es sich den Angaben zufolge vermutlich aber um Pseudonyme. Großbritannien beantragte einen europäischen Haftbefehl.

Großbritannien ersuche Moskau nicht, die beiden Männer auszuliefern, da russisches Recht die Auslieferung eigener Staatsbürger verbiete, sagte Staatsanwältin Sue Hemming. Nach Polizeiangaben flogen die beiden Verdächtigen im Alter von etwa 40 Jahren zwei Tage vor dem Giftanschlag auf die Skripals mit russischen Pässen von Moskau nach London.

Giftanschlag am 4. März in Salisbury

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der englischen Stadt Salisbury gefunden worden. Beide entkamen nur knapp dem Tod. Sie leben heute an einem geheimen Ort. Großbritannien warf Moskau vor, die beiden mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok vergiftet zu haben. Die russische Regierung weist das entschieden zurück.

Fahndungsfoto: Alexander Petrov and Ruslan Boshirov (aus Russland)
Fahndungsfoto: Die Russen Alexander Petrow (links) und Ruslan Boschirow.
Quelle: reuters

Später kam ein britisches Paar aus dem nahen Amesbury versehentlich mit dem Nervengift in Kontakt. Der Mann hatte ein Fläschchen gefunden, das er nach eigenen Angaben irrtümlich für einen Parfümflakon hielt und seiner Freundin schenkte. Sie soll sich mit der Flüssigkeit eingerieben haben - die dreifache Mutter starb acht Tage nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Das Gift war in beiden Fällen identisch. Das bestätigten Untersuchungen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW), teilte das Außenministerium in London mit. London warf Moskau erneut vor, Drahtzieher des Anschlags zu sein.

Schwere diplomatische Krise

Der Fall Skripal löste eine schwere diplomatische Krise aus, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Großbritannien, die USA und verbündete Staaten - auch Deutschland - wiesen mehr als 140 russische Diplomaten aus. Der Kreml reagierte mit ähnlichen Maßnahmen. Die USA stellten zudem fest, dass Russland für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen verantwortlich sei. Das löst laut Gesetz Sanktionen aus, wie es sie bislang nur gegen Nordkorea und Syrien gab. Seit Ende August ist eine erste Runde von Strafmaßnahmen in Kraft. Sie sind zwar noch relativ milde, doch der Rubelkurs und die Aktien russischer Unternehmen gerieten unter Druck.

Schwerer wird eine zweite Sanktionsrunde nach drei Monaten die russische Wirtschaft treffen. Sie könnte das Auslandsgeschäft russischer Banken lahmlegen; die Fluggesellschaft Aeroflot könnte Landerechte in den USA verlieren. Moskau behält sich Gegenmaßnahmen vor, doch viele Optionen hat der Kreml nicht: Zu klein ist der Handel, zu groß die Abhängigkeit von US-Technik, um die USA treffen zu können.

Nowitschok - einer der tödlichsten Kampfstoffe

Nowitschok gehört zu den tödlichsten Kampfstoffen und kann über die Haut oder Atemwege in den Körper gelangen. Die Überlebenschancen sind sehr gering. Sowjetische Forscher entwickelten die Serie neuartiger Nervengifte in den 1970er und 80er Jahren heimlich, um internationale Verbote zu umgehen. Auch andere Länder forschten damit.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.