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Zusammenstöße vor Parlament - Gewalt nach Protesten in Hongkong

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In Hongkong haben Hunderttausende gegen ein Auslieferungsgesetz demonstriert. Vor dem Parlament kam es in der Nacht zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Proteste in Hongkong enden mit Gewalt.
Proteste in Hongkong enden mit Gewalt.
Quelle: Vincent Yu/AP/dpa

Nach friedlichen Massenprotesten gegen ein Auslieferungsgesetz in Hongkong ist es zu Zusammenstößen von Demonstranten mit der Polizei gekommen. Mehrere hundert Polizisten riegelten Augenzeugen zufolge das Parlamentsgebäude ab. Sie gingen mit Schlagstöcken, Tränengas und Pfefferspray gegen mehrere Hundert Demonstranten vor.

Auf beiden Seiten soll es Verletzte gegeben haben, verbogene Metallabsperrungen zeugten von der Gewalt. Zuvor hatten Hunderttausende Menschen stundenlang demonstriert.

Der Protest richtet sich gegen ein Gesetz, mit dem Auslieferungen nach China ermöglicht werden sollen. Der Widerstand zieht sich durch weite Bevölkerungsschichten in
Hongkong.

Veranstalter: Mehr als eine Million Demonstranten

Die Veranstalter schätzten die Zahl der Demonstranten auf mehr als eine Million Menschen. Die Polizei erklärte, zum Höhepunkt der Demonstrationen seien 240.000 Personen gezählt worden. Im Legislativrat, wo die friedlichen Proteste in der Nacht in Gewalt umschlugen, ist am Mittwoch eine Debatte über das umstrittene Gesetz geplant. Es könnte Ende Juni in Kraft treten.

Kritiker aus den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen sehen die juristische Unabhängigkeit Hongkongs in Gefahr und fürchten Missbrauch des Auslieferungsgesetzes durch China. Dort bemängeln die Gesetzesgegner fehlende Transparenz und Fairness im Justizsystem. Ausländische Regierungen haben sich ebenfalls besorgt gezeigt und gewarnt, dass Hongkongs Position als internationale Finanzmetropole gefährdet sein könnte. Begründet wurde diese Befürchtung mit der Möglichkeit, dass in China gesuchte Ausländer in Hongkong festgesetzt und ausgeliefert werden könnten.

Die ehemalige britische Kronkolonie war 1997 vertragsgemäß an China zurückgeben worden. Als Sonderverwaltungszone genießt Hongkong aber einen hohen Grad an Autonomie und hat Freiheiten, die im chinesischen Kernland tabu sind.

Hongkongs Regierungschefin unter Druck

Die Proteste am Sonntag setzten Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam unter Druck. Rufe nach ihrem Rücktritt wurden laut. Auf Bannern stand unter anderem "Liefer dich selbst aus". Lam äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu den Demonstrationen. Bisher hat sie das Gesetz als notwendig verteidigt, um Schlupflöcher zu schließen.

Die Zahl der Kundgebungsteilnehmer übertraf bei weitem die der Massenproteste von 2003, mit denen die Demonstranten eine Verschärfung von Gesetzen zur nationalen Sicherheit stoppten.

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