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Leichen aus Lkw in Essex - Polizei hat Vietnam als Herkunftsland im Fokus

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Die meisten der in einem Lastwagen in Großbritannien gefundenen Toten könnten Vietnamesen sein. Davon geht inzwischen auch die britische Polizei aus.

Tragödie von Grays - Blumen zum Gedenken
Blumen für die Opfer: In Großbritannien wurden 39 Leichen in einem Lkw-Anhänger entdeckt.
Quelle: reuters

"Ich lege den Fokus im Moment auf die vietnamesische Gemeinschaft", sagte Martin Passmore, bei der Essex Police zuständig für die Identifizierung der Opfer. Andere Herkunftsländer kämen jedoch weiterhin auch in Frage. Die Polizei hatte zunächst erklärt, es handele sich bei den Opfern um Chinesen.

Nachdem bereits zwei vietnamesische Familien die Befürchtung geäußert hatten, dass Angehörige von ihnen unter den Opfern sein könnten, meldeten am Samstag weitere Familien ihre Angehörigen als vermisst. Wie der britische Fernsehsender BBC berichtete, soll die Gruppe VietHome Fotos von etwa 20 Vietnamesen im Alter von 15 bis 45 Jahren erhalten haben, die seit dem grausigen Fund der Leichen nahe London vermisst würden.

Offenbar viele gefälschte Pässe

Die Opfer könnten bei der Reise nach Großbritannien gefälschte chinesische Pässe bei sich getragen haben. In einer Erklärung vom Samstag teilte das vietnamesische Außenministerium mit, seine Botschaft in London arbeite daran, "den Prozess der Identifizierung der Opfer zu beschleunigen".

Die Ermittler fürchten, dass Verwandte der Opfer selbst illegal in Großbritannien leben und Angst haben, sich bei der Polizei zu melden. Passmore sicherte deshalb zu, seine Behörde werde niemanden verfolgen, der sich in dem Fall an die Polizei wende. In den vergangenen Tagen hatten sich Angehörige mit teils schockierenden Schilderungen an britische Medien gewandt.

Verzweifelte SMS aus dem Container

Am Freitag hatte der Vietnamese Pham Manh Cuong berichtet, dass seine Schwester unter den Toten sein könnte. Nach seinen Angaben war die 26-Jährige Anfang Oktober aus Vietnam nach Großbritannien aufgebrochen. Am Dienstagabend habe sie dann ihrer Mutter eine verzweifelte SMS geschickt:

Es tut mir leid, Mama. Mein Weg ins Ausland hat keinen Erfolg. Mama, ich liebe dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann.
SMS eines mutmaßlichen Lkw-Opfers an seine Mutter in Vietnam

Ein weiterer Vietnamese sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe vor einigen Tagen einen Anruf von erhalten, der ihn über den Tod seines Sohnes auf dem Weg nach Großbritannien informiert habe. Der Mann habe ihn um "Verständnis" gebeten und gesagt, dass etwas "Unerwartetes passiert" sei. Nguyen erzählte, sein 20-jähriger Sohn habe sich seit 2018 illegal in Frankreich aufgehalten und nun für rund 12.600 Euro nach Großbritannien weiterreisen wollen, um dort in einem Nagelstudio zu arbeiten.

Opfer wohl aus verarmten Zentral-Vietnam

Die beiden mutmaßlichen Opfer stammen aus der verarmten Provinz Ha Tinh im Zentrum des Landes, aus der viele Migranten kommen. Viele zahlten für ihre Reise mit gefälschten Dokumenten Zehntausende Euro - in der Hoffnung, vor allem in Großbritannien arbeiten zu können.

Wegen der 39 Toten hat die Polizei inzwischen vier Verdächtige festgesetzt, ihnen wird Menschenhandel und Totschlag beziehungsweise Mord vorgeworfen. Die Zugmaschine war aus Irland gekommen, der Auflieger kam über den belgischen Hafen Zeebrugge nach England - per Schiff wurde er von Belgien in den Hafen Purfleet gebracht. Auch Tage nach dem grausigen Fund in der Nacht zum Mittwoch war unklar, wann und wo die Menschen in den Lkw gelangten.

Inzwischen seien alle Leichen aus dem Lkw in die Gerichtsmedizin gebracht worden, sagte der Polizeibeamte Passmore. Anschließend sollen an den Leichen gefundene Besonderheiten mit den Informationen abgeglichen werden. Er habe sich auch mit dem vietnamesischen Botschafter getroffen, um die Zusammenarbeit mit den Behörden in dessen Land zu vertiefen. "Wir alle wollen vor allem das eine: dass die Toten identifiziert und zu ihren Angehörigen gebracht werden."

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