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Innenminister bestreitet Pannen - Polizei in Halle verlor Attentäter aus Augen

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Die Polizei hat den Attentäter von Halle bei seiner Flucht eine Stunde lang aus den Augen verloren. Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht bestreitet indes jegliche Pannen.

Mehrere Landtagsabgeordnete berichteten aus einer Sondersitzung des Innenausschusses in Magdeburg, dass die Polizei den Attentäter von Halle bei seiner Flucht eine Stunde lang aus den Augen verloren hatte. Schließlich sei es zwei Revierpolizisten aus Zeitz gelungen, den Täter festzunehmen, sagte SPD-Innenexperte Rüdiger Erben. Anders als bisher angenommen, seien es nicht Spezialkräfte gewesen, die den Täter stellten.

Minutiöse Schilderung des Einsatzes

Holger Stahlknecht
Holger Stahlknecht
Quelle: dpa

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hatte mit seinem Team ausführlich Auskunft zum Polizeieinsatz am Tattag gegeben. Das Magdeburger Innenministerium schilderte minutiös die Notrufe, den zeitlichen Ablauf der Taten und der Flucht sowie die Fahndung bis zur Festnahme des Tatverdächtigen. In der Spitze waren demnach bis zu 740 Beamte im Einsatz. Es habe "keine Panne" gegeben, sagte Stahlknecht vor Journalisten in Magdeburg. Nach Darstellung seines Ministeriums dauerte es von der ersten Meldung an die Polizei bis zum Eintreffen des ersten Funkstreifenwagens am Tatort sieben Minuten.

Das Ministerium räumte ein, dass die Beamten das Fluchtfahrzeug zeitweise aus den Augen verloren hatten. Referatsleiterin Christiane Bergmann betonte aber ebenso wie Stahlknecht, dies sei keine Panne gewesen. Es seien "alle Kräfte mobilisiert" worden. Zusammenfassend lasse sich sagen, dass die Polizei vieles richtig und wenig falsch gemacht habe, sagte Erben. Den Vorwurf, die Polizei sei mit zu wenig Einsatzkräften vor Ort gewesen, halte er für entkräftet. Tatsächlich seien mehrere Funkstreifenwagen schnell zur Stelle gewesen.

Anschlag von Halle "eine Zäsur" für die gesamte Bundesrepublik

Bereits seit vergangenem Mittwoch, dem Tag des Anschlags, werden elf Synagogen und jüdische Einrichtungen rund um die Uhr bewacht, seit Freitag auch Moscheen. Mit den jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt soll zudem über einen verstärkten baulichen Schutz der Einrichtungen gesprochen werden. Zudem sollen Verfassungsschutz und Staatsschutz personell aufgestockt werden. Stahlknecht nannte den Anschlag von Halle "eine Zäsur" für die gesamte Bundesrepublik.

Am vergangenen Mittwoch hatte ein schwer bewaffneter Mann versucht, in die mit mehr als 50 Gläubigen besetzte Synagoge zu gelangen. Als das scheiterte, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und kurz darauf einen 20 Jahre alten Mann in einem nahen Dönerladen. Auf seiner Flucht verletzte der Schütze ein Ehepaar schwer.

Der mutmaßliche Täter Stephan B. hat die Tat aus antisemitischen und rechtsextremen Motiven gestanden. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Die Opposition hielt sich mit Kritik nach der Sondersitzung ebenfalls zurück, sieht aber noch Aufklärungsbedarf. Weiterhin sei die Frage nicht geklärt, warum der Täter aus Halle flüchten konnte, sagte die Linken-Innenexpertin Henriette Quade. AfD-Fraktionschef Oliver Kirchner sagte, es sei irritierend, dass Stahlknecht behaupte, beim Polizeieinsatz sei alles gut gelaufen. Er kritisierte erneut, dass die Synagoge in Halle vor der Tat nicht unter permanentem Schutz stand. Es sei schon lange vorher vor wachsendem Antisemitismus gewarnt worden, sagte Kirchner.

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