Sie sind hier:

Social Media bei der Polizei - Bitte folgen Sie!

Datum:

Während des Attentats in München vor einem Jahr glänzte die Münchner Polizei mit ihrer Social-Media-Arbeit. Inzwischen gehören Facebook, Twitter und Co. zum Polizeialltag selbstverständlich dazu. Doch die Stellenpläne hinken hinterher. Gesucht: Kommunikationsexperten mit Polizeierfahrung.

Egal ob Amoklauf, Anschlag oder Krawalle: Twitter und andere soziale Netzwerke können in Krisenzeiten gefährlich werden. Die Polizei versucht im Netz zu unterstützen und Panik zu verhindern. So auch beim Amoklauf in München letztes Jahr.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Schüsse im Olympia-Einkaufszentrum. Als der Notruf am 22. Juli 2016 bei der Polizei in München einging, überschlugen sich die Ereignisse. Vor allem über die sozialen Medien verbreiteten sich bis in die Nacht hinein Falschmeldungen und Gerüchte. Doch Facebook und Twitter waren an jenem Abend nicht nur ein Katalysator für Verunsicherung und Angst. Die Münchner Polizei glänzte in der unübersichtlichen Nachrichtenlage auf ihren Social-Media-Kanälen. Sie informierte in unterschiedlichen Sprachen über den Stand der Ermittlungen, warnte und beruhigte.

In der Stadt, auf dem Land, überall

Ein halbes Jahr später startete auch das Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg offiziell seinen Facebook- und Twitter-Account. Drei Beamte sind dort seit Januar für die Pflege der Seite, für den Kontakt und die Tweets zuständig. Ausschlaggebend dafür waren die Ereignisse in München. Als deren Folge hatte das bayerische Innenministerium alle Polizeipräsidien angewiesen, Social-Media-Büros einzurichten. Auch in Nordrhein-Westfalen ist dies bereits überall der Fall. Ebenfalls im Norden: Jüngst beim G20-Gipfel in Hamburg war der Twitter-Kanal der Hamburger Polizei eine wichtige Informationsquelle.

"In den vergangenen eineinhalb Jahren hat Social Media im Polizeialltag immens an Bedeutung gewonnen", betont Professor Stefan Jarolimek. Der Kommunikationswissenschaftler lehrt an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Der Amoklauf in München habe auch den Letzten davon überzeugt, welchen Nutzen die sozialen Medien für die Polizeiarbeit hätten. Den Social-Media-Kanälen aller deutschen Polizeibehörden zu folgen, ist für ihn inzwischen deshalb ein Ding der Unmöglichkeit. Denn neben Großstädten, wie München, Berlin oder Frankfurt, sind inzwischen auch in der Fläche immer mehr Polizeibehörden in den sozialen Medien aktiv.

Fahndung per Facebook

Einen Schritt weiter ist man bereits in Frankfurt und Berlin: Dort nutzt die Polizei auch Instagram. In der deutschen Hauptstadt setzt man sogar auf Snapchat. Der Nutzen für die tägliche Polizeiarbeit liegt für Professor Stefan Jarolimek auf der Hand: Besonders Twitter sei für die Polizei geeignet, um einsatzbegleitende Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben: "Anders als bei Facebook, wo Nachrichten durch Algorithmen durchmischt werden, zeigt Twitter seinen Followern stets die neuesten Nachrichten zuerst."

Darüber hinaus werden soziale Medien vor allem genutzt, um Polizeiarbeit zeitgemäß darzustellen. Die Berliner Polizei hat mit ihrem Twitter-Marathon Ende Juni, bei dem in 24 Stunden mehr als 1.200 Einsatzmeldungen verschickt wurden, einen außergewöhnlichen Einblick in ihre tägliche Arbeit gegeben. Und auch in der Einsatz- und Ermittlungsarbeit wird anstelle von Fahndungsplakaten zunehmend auf soziale Medien gesetzt. In Berlin veröffentlichte die Polizei Fotos der Attacke des U-Bahn-Treters zur Öffentlichkeitsfahndung auf Facebook.

Gesucht: Kommunikationsexperten mit Polizeierfahrung

Das Polizeipräsidium Mittelfranken nutzte die sozialen Medien jüngst, um besorgte Angehörige und beunruhigte Anwohner zu informieren, als eine Bombendrohung gegen ein Schulzentrum eingegangen war. "Wir konnten so viel schneller und zielgerichteter kommunizieren, als wir es beispielsweise früher mit Radiodurchsagen je hätten tun können", betont Alfred Stahl, der das Social-Media-Projekt im Polizeipräsidium Mittelfranken leitet.

Auch für Jörg Radek ist diese Form der Kommunikation inzwischen das Mittel erster Wahl, wenngleich es auch neue Herausforderungen mit sich bringt, wie der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei unterstreicht: "Planstellen für Social Media sind in den Haushalten nicht vorgesehen. Zusätzliche Kollegen werden aber auch für andere wichtige polizeiliche Aufgaben händeringend gebraucht." Radek mahnt: "Wenn seitens der Politik mehr Digitalisierung in Deutschland gefordert wird, muss sich dies auch in der Ausstattung der Polizei niederschlagen." Für Stefan Jarolimek ist der langfristige Erfolg von Social Media auch eine Frage des richtigen Personals: "Wir brauchen Kommunikationsexperten mit Polizeierfahrung, wenn es beispielsweise darum geht, aus Informationen, die Facebook-Profile über den Täter geben, in der Ermittlungsarbeit die richtigen Schlüsse ziehen zu können."

Spagat zwischen spaßig und unsexy

Diese polieren das Image der Polizei im Internet mit witzigen Sprüchen oder amüsanten Tierfotos auf. Im Einsatz-Liveticker während des letzten Oktoberfests sorgte die Polizei München mit provokanten Twitter-Posts wie "Betrunkener Engländer kommt auf #Wiesnwache und will seinen Dildo zurück." für Aufsehen. Eine notwendige Gratwanderung, findet Oliver Timper, Leiter des Social Media-Teams der Münchner Polizei: "Es ist ein täglicher Spagat, Content zu veröffentlichen, der Reichweite erzielt, um damit Aufmerksamkeit auch für grundpolizeiliche Aufgaben zu erreichen, die weit weniger sexy, aber genauso wichtig sind."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.