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Andrea Nahles - Kämpferin für die Genossen

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"Frau, gläubig, links" - so heißt der Titel ihrer Biografie. Andrea Nahles betont oft, dass ihr der Glaube wichtig sei. Nun will die Katholikin als Vorsitzende die SPD erneuern.

Andrea Nahles
Andrea Nahles beim SPD-Parteitag in Wiesbaden
Quelle: reuters

Die älteste Partei Deutschlands hat nun erstmals eine Frau an ihrer Spitze: Am Sonntag wählten die Delegierten Andrea Nahles mit lediglich 66,35 Prozent der Stimmen zu ihrer Vorsitzenden. In ihrer sehr kämpferischen Bewerbungsrede betonte sie gleich zum Auftakt, wie ungewöhnlich ihr Aufstieg in der Partei ist: "Katholisch, Arbeiterkind, Mädchen, Land - es war nicht unbedingt logisch, dass ich in der SPD Karriere machen werde."

In der Tat hatte noch vor wenigen Jahren kaum jemand sie für diesen Posten auf dem Schirm gehabt. Weniger wegen ihrer Herkunft. Vielen war die ehemalige Juso-Vorsitzende nicht erst seit ihrer Ablehnung der Agenda 2010 zu links und zu krawallig.

Nahles kann Machtpolitik: Als Jusos-Chefin unterstützte sie den Sturz von Rudolf Scharping durch Oskar Lafontaine, später trug sie auch zum Rücktritt von Franz Müntefering bei. In Erinnerung bleiben ihr Pippi-Langstrumpf-Lied im Bundestag, der Ausspruch "Ab morgen kriegen sie eins in die Fresse" und zuletzt "Bätschi".

Nahles versuchte ab 2013 Imagewechsel

Als Arbeitsministerin setzte Nahles ab 2013 viel daran, das frühere Image loszuwerden. Ihr Ministerium galt als das fleißigste der Legislaturperiode. Mit viel Pragmatismus und zähem Ringen um Kompromisse setzte Nahles unter anderem die Rente mit 63 Jahren und den Mindestlohn durch. Nach der Übernahme der Fraktionsspitze beginnt für das "katholische Mädchen vom Lande" - wie sie sich selbst einmal bezeichnete - ein weiteres Kapitel ihrer politischen Karriere: nun also auch Parteichefin.

Aus der Provinz kommt sie tatsächlich: Nahles wuchs in einem katholischen Elternhaus als Tochter eines Maurermeisters in der Eifel auf. Nach dem Abitur - in der Abi-Zeitung gab sie "Hausfrau oder Bundeskanzlerin" als Berufswunsch an - studierte sie Germinstik, Politik und Philosophie in Bonn. Ihre Magisterarbeit schrieb die Germanistin über die "Funktion von Katastrophen im Serien-Liebesroman".

Nahles trat als 18-Jährige in die SPD ein

Parallel dazu stieg Nahles in der SPD auf: Als 18-Jährige trat sie in die Partei ein, 1995 wurde sie Bundesvorsitzende der Jusos. Mitglied im SPD-Parteivorstand ist sie seit 1997, dem Präsidium gehört sie seit 2003 an. In den Bundestag kam sie erstmals 1998. Bevor sie 2013 Arbeitsministerin wurde, war sie vier Jahre lang SPD-Generalsekretärin.

Seit Herbst ist Nahles Fraktionsvorsitzende. Dass sie tief im katholischen Glauben verwurzelt ist wussten nur wenige ihrer Parteigenossen, bevor vor knapp zehn Jahren ihre Biografie "Frau, gläubig, links" erschien. Aus meinem Christsein lässt sich mein Kompass für Gerechtigkeitsfragen entwickeln", sagte sie in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Und weiter: "Im Grunde entstand das linke, das sozialdemokratische Engagement aus meinem Engagement in der katholischen Kirche."

Nahles will mit ihrem christlichen Glauben nicht hausieren gehen

So war Nahles Messdienerin und in einer ökumenischen Jugendgruppe aktiv. Mittlerweile ist sie Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Lange Zeit zog sie sich regelmäßig eine Woche im Jahr ins Kloster zurück. In ihrem Berliner Büro hängt ein Holzkreuz aus der in der Nähe ihres Heimatdorfs gelegenen Abtei Maria Laach. Ihr Glaube habe sie geprägt, lange vor ihrem Eintritt in die SPD, betont sie. "Hausieren" gehen wolle sie damit aber nicht.

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Trotzdem macht sie keinen Hehl daraus, dass im Bundestag bei ethischen Fragen der Glaube und das daraus abgeleitete Menschenbild eine Rolle spielen. Etwa bei der Abstimmung über strengere Vorlagen beim Embryonenschutz oder über die Neuregelung der Sterbehilfe.

Unkritisch sieht sie ihre Kirche nicht: So bemängelte sie etwa deren Umgang mit Homosexuellen. Auch sei Abtreibung für sie keine Sünde, es müsse allerdings eine gründliche Gewissensentscheidung vorausgehen, so Nahles, die in ihrer Partei als bestens vernetzt gilt.

Nahles steht vor großen Herausforderungen

Als neue Vorsitzende steht sie vor riesigen Herausforderungen. Nach dem historisch schlechten Wahlergebnis bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr strebt die SPD eine Erneuerung an. Ob dies gelingt, hängt nun maßgeblich von ihr ab. In Umfragen zeigen sich viele skeptisch.

In ihrer Bewerbungsrede in Wiesbaden warb sie für mehr Solidarität, für die Schwachen in der Gesellschaft, aber auch in ihrer Partei. Zugleich wird die Katholikin Nahles bei dem Prozess sicher auch Kraft aus ihrem Glauben schöpfen: Er sei ihr "Movens, ihre Triebkraft auch in schwierigen Zeiten".

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