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Porträt: Herbert Diess - Der unbequeme Kostendrücker

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Kostenkiller, Krisenmanager und knallharter Verhandler: Herbert Diess hat sich jahrzehntelang in der Autoindustrie einen Ruf wie Donnerhall erworben.

Archiv: Herbert Diess am 14.03.2017
Herbert Diess (Archivbild) Quelle: imago

Seit der frühere BMW-Vorstand im Juli 2015 bei VW anheuerte, gilt er dort als Kronprinz. Der umtriebige Manager, der im Herbst 60 Jahre alt wird, brachte inmitten von Dieselskandal und Branchenumbruch die schwächelnde Kernmarke auf Kurs. Nun wird er der neue Vorstandschef Volkswagen.

Hart aber mit Visionen

Ohne Krach ging der Schwenk in Richtung höherer Rendite und elektrischer Zukunft nicht über die Bühne: Monatelang hatte Diess mit dem Betriebsrat über einen Zukunftspakt samt massivem Stellenabbau gestritten. Im "Spiegel" wurde er damals als "das meistgehasste Vorstandsmitglied von VW" bezeichnet. Diess wird zudem als harter Hund, aber auch als kompetenter Visionär beschrieben. Bald könnte der aus München stammende Manager die Geschicke des ganzen VW-Imperiums lenken.

Damit würde der Plan des im Streit bei VW ausgeschiedenen Patriarchen Ferdinand Piech doch noch aufgehen: Der Ex-Aufsichtsratschef hatte Diess nach Wolfsburg gelotst - eigentlich mit dem Ziel, ihn als Nachfolger des früheren Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn aufzubauen. Die Abgasaffäre fegte Winterkorn wie Piech hinweg, Diess blieb auf seinem Posten. Ihm kam vor allem zugute, dass er in der fraglichen Zeit der Tricksereien nicht bei VW war.

Ermittlungen dauern an

Ganz aus dem Schneider ist Diess allerdings nicht, denn die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Marktmanipulation sind noch nicht abgeschlossen. Vor seinem Wechsel nach Wolfsburg hatte der promovierte Maschinenbau-Ingenieur fast zwei Jahrzehnte lang beim Oberklasse-Autobauer BMW gearbeitet: als Einkaufschef, Leiter der Motorradsparte, Werkschef in Großbritannien und zuletzt als Entwicklungschef.

Auch in München galt der ehrgeizige Manager und passionierte Motorradfahrer lange als Anwärter auf den Chefsessel, kam aber nicht zum Zuge. Piech, wie Diess Österreicher und detailverliebter Techniker, holte ihn daraufhin zu Volkswagen. Den Rückhalt der VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piech genießt Diess auch ohne seinen früheren Mentor.

Niemand, der schnell aufgibt

Als sich der Manager vor gut einem Jahr mit dem mächtigen Betriebsratschef Bernd Osterloh über den Umbau der Kernmarke Volkswagen stritt, stärkte ihm VW-Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche öffentlich den Rücken: "Diess macht eine exzellente Arbeit." Für die Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmern werde er noch mehr Gespür bekommen - eine wichtige Voraussetzung für einen VW-Vorstandschef, denn gegen den Willen der Belegschaft läuft in Europas größtem Autokonzern nicht viel. Porsche machte damals aber auch klar: "Es muss der Vorstand führen und nicht der Betriebsrat."

Diess selbst verteidigte seinen Sanierungskurs, die wirtschaftliche Lage lasse wenig Spielraum. Auch bei der Herkulesaufgabe, das krisengeschüttelte und komplexe VW-Imperium umzubauen, dürfte ihm eine Eigenschaft zugute kommen, die er sich selbst zugute hält: "Ich bin nicht der Typ, der so schnell aufgibt."

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