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Ministerpräsident im Saarland - Der Neue kommt vom Land

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Tobias Hans ist es: der jüngste Regierungschef Deutschlands. Der saarländische Landtag hat ihn heute zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.

Er ist jung. Er ist fleißig. Er ist Ministerpräsident. Der jüngste Deutschlands. Tobias Hans ist der Neue im Saarland. Ein Porträt.

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Er hört am liebsten Country-Musik. Das passt irgendwie ganz gut zu dieser Landidylle, in der Tobias Hans gerade eine Karre mit Heu vor sich herschiebt. Langsam kommen seine vier Pferde auf ihn zu. Im Hintergrund die Hügel von Münchwies - Wälder, Wiesen, ein paar Windräder. Hier ist er aufgewachsen. Die Pferde sind Familientradition, der Politikerberuf auch. Sein Urgroßvater war Bürgermeister, sein Vater Fraktionsvorsitzender der CDU im saarländischen Landtag – diesen Job hat Tobias Hans bis vor kurzem auch gemacht. Dann wurde er zur Überraschungspersonalie der Saar-CDU – der neue Ministerpräsident kommt vom Land.

"Meine Schule war eine dreiviertel Stunde entfernt, ich musste meistens zum Schulbus rennen, oft mit nassen Haaren, die dann gefroren sind, wenn es kalt war… ich habe großes Verständnis für die Probleme im ländlichen Raum, da fühlen sich viele ein Stück weit abgekoppelt!"

Deshalb hat er schon vor Jahren dafür gesorgt, dass Münchwies einen Breitbandanschluss bekommt. Eine Eigeninitiative, die keine Steuergelder gekostet hat, betont er. Digitalisierung. Das ist sein Steckenpferd, sein Plan für die Zukunft des Saarlandes. "Da muss das Saarland aufs Gaspedal drücken", sagt er. "Mit der Digitalisierung kann man auch mehr Bürgernähe schaffen."

Der "Müchwieser Bub" kommt ganz groß raus

Heidi Grub steht in ihrem Laden und verkauft Wurst. Seit vier Generationen gibt es die kleine Metzgerei im Ortskern von Münchwies. Sie hat eine andere Vorstellung von Bürgernähe. "Wir sind hier auf dem absteigenden Ast auf dem Dorf", sagt sie. "Der Tobias, das ist ein feiner Kerl, aber ich würd mich freuen, wenn er mal öfter hier ins Dorf käme. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind. Der lässt sich nicht oft genug blicken." Da kommt der nächste Kunde, er hat ihr die letzte Ausgabe der Saarbrücker Zeitung mitgebracht, da lächelt Tobias Hans mit seiner Frau in die Kamera, ein Pferd ist auch mit im Bild – der neue Ministerpräsident ist Thema Nummer eins im Dorf. Gegenüber in der Bäckerei sitzt Edgar Schmidt und trinkt seinen Morgenkaffee. "Es ist schon toll, dass so ein Münchwieser Bub so weit kommt. Der ist bodenständig, die Familie ist bodenständig, der Vater war ja auch im Landtag. Die sind nicht abgehoben, die sind nicht fortgezogen. Wir drücken ihm die Daumen."

Der Münchwieser Bub wurde heute in Saarbrücken vereidigt und ist nun Deutschlands jüngster Ministerpräsident. Vorher war er weder Minister noch Staatssekretär, sein Studium hat er abgebrochen für einen Job im Ministerium, die Politik hat ihn früh fasziniert. "Kann der das überhaupt?" fragen sich die einen. "Endlich mal jemand, der jung ist", sagen die anderen.

Mister 100 Prozent und seine GroKo

In jedem Fall übernimmt Hans eine ziemlich harmonische GroKo. Beim Koalitionspartner SPD an der Saar signalisiert man große Kooperationsbereitschaft. "Tobias Hans ist eher ein ruhiger Vertreter, ich sehe nicht, warum wir in Zukunft nicht weiter gut zusammenarbeiten sollten" sagt die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger, die außerdem auch Wirtschaftsministerin ist. Der SPD im Saarland ist es gerade jetzt auch ganz recht, dass Annegret Kramp-Karrenbauer nach Berlin wechselt. Denn die alte Ministerpräsidentin war im Saarland extrem beliebt. Der hohe CDU-Wahlerfolg im vergangenen Jahr kam auch daher, dass viele Saarländer nicht die CDU, sondern "es Annegret" gewählt hatten.

Anke Rehlinger ist auch nicht unbeliebt. Vor allem aber ist sie viel bekannter als "der Neue". Sie hat mehrere Jahre Erfahrung als Ministerin und als stellvertretende Ministerpräsidentin. Und jung ist sie auch, nur zwei Jahre älter als Tobias Hans. Sie kann jetzt als SPD-Sympathieträgerin punkten.

Kurz bevor der CDU-Parteitag in Berlin Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Hoffnung der Partei ins Generalsekretärinnenamt wählte, traf sich der kleine CDU-Parteitag an der Saar. Sie machten Tobias Hans zu "Mister 100 Prozent" – keine Gegenstimme, er soll AKK beerben. Da waren seine besten Freunde da, nahmen "ihren" Tobias in den Arm, es hagelte Glückwünsche und Gratulationen.

Tschüss AKK

Am anderen Ende des Saals nahm auch Annegret Kramp-Karrenbauer ihre politischen Weggefährten in die Arme. Sichtlich gerührt, mit einem dicken Kloß im Hals. Denn für sie heißt das jetzt endgültig: Tschüss Saarland. "Ja, es tut weh" sagt sie, "jetzt wird es vor allen Dingen auch real. Ich habe angefangen, meinen Schreibtisch aufzuräumen, da kommen so viele Erinnerungen hoch. Ganz begriffen habe ich das noch nicht. Was mir am meisten fehlen wird, sind die persönlichen Beziehungen, die Freundschaften. Sicher, die habe ich Berlin in meinen Netzwerken auch. Aber da ist alles viel größer…" Einige treue Wähler sind sauer auf sie, weil sie versprochen hatte, im Saarland zu bleiben. "Es Annegret", wie viele sie nennen, war eben einfach ihre Landesmutter. Jetzt bekommen sie einen jungen Landesvater, den sie gar nicht gewählt haben. Tobias Hans tritt kein leichtes Erbe an.

Vor zwei Wochen schickte die CDU des Saarlandes eine Termineinladung herum. Märzbieranstich mit Tobias Hans am 1.3. in einer Saarbrücker Traditionsbrauerei. Nun ist das der Tag seiner Vereidigung und den Märzbieranstich macht sein Nachfolger. Ministerpräsident Hans ist dann schon unterwegs nach Berlin – seine erste Bundesratssitzung, nicht einmal 24 Stunden nach seiner Wahl.

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