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Kandidaten polarisieren - Kolumbien vor einer Richtungsentscheidung

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Heute wählt Kolumbien einen neuen Präsidenten. Zwischen dem linken und dem rechten Lager tobt ein erbitterter Streit um die Macht. Die Aussöhnung im Land steht auf dem Spiel.

36 Millionen Menschen sind aufgefordert, am Sonntag einen neuen Präsidenten zu wählen. Amtsinhaber Santos darf nach zwei Legislaturperioden nicht mehr antreten.

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Ein Spaziergang entlang der Carrera 7, Bogotas wichtigster Verkehrsachse, verrät wie es um das Empfinden der Wähler vor den Präsidentschaftswahlen am heutigen Sonntag in Kolumbien bestellt ist. Sergio Fajardo, Kandidat der gemäßigten "Koalition für Kolumbien" hat eigens eine Häuserfassade gemietet. Darauf steht zu lesen: "Die Kraft der Hoffnung". Doch Fajardo, der ganz auf einen pragmatischen Wahlkampf gesetzt hat, dringt mit seiner Botschaft der Hoffnung kaum durch.

Er liegt laut Umfragen mit seinem Positiv-Wahlkampf nur auf Rang drei. Zu groß, zu heftig und zu dominierend ist die Polarisierung des rechten und des linken Lagers. Dafür stechen die Parolen der Anhänger der in den Umfragen führenden Kandidaten hervor: "Ivan Duque bedeutet Krieg", haben Graffiti-Maler auf eine Wand gemalt. "Wir wollen kein zweites Venezuela sein, Nein zu Petro" steht gleich gegenüber zu lesen.

Zur Wahl stehen völlig unterschiedliche Politik-Entwürfe

Präsidentschaftskandidat Gustavo Petro
Präsidentschaftskandidat Gustavo Petro Quelle: reuters

Amtsinhaber und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren, das verbietet die kolumbianische Verfassung. In den Umfragen vorne liegen zwei Kandidaten, die zwei völlig unterschiedliche Politikentwürfe anbieten. Da ist einmal Gustavo Petro, der linksgerichtete Kandidat der Bewegung "Colombia Humana", dem es gelungen ist, die linken Kräfte des Landes zu bündeln und hinter sich zu vereinen. Der ehemalige Guerillero der vor Jahren aktiven linken Kampfgruppe "M 19" und Ex-Bürgermeister von Bogota verspricht seinen Wählern ein neues, ein nachhaltiges Kolumbien.

Zum Symbol dafür ist die Avacado geworden. Mit der Avacado-Produktion, so schwärmt Petro, seien Hunderttausende, ja sogar vielleicht über eine Million Arbeitsplätze zu schaffen. Vor allem bei den Kleinbauern, den sogenannten Campesinos, kommt diese Perspektive gut an. An ihnen ist der Aufschwung Kolumbiens, der das Land sogar in die OECD bringen wird, vorbei gegangen. Das ländliche Kolumbien hat stets den Preis für den jahrzehntelangen Konflikt zwischen linken Guerilla-Gruppen, rechten Paramilitärs, der regulären Armee und der Drogenmafia bezahlt. Und hier sterben auch heute noch Menschenrechtsaktivisten, Guerilleros, Polizisten und Soldaten.

Duque setzt auf einen Generationswechsel

Präsidentschaftskandidat Ivan Duque
Präsidentschaftskandidat Ivan Duque Quelle: reuters

Ivan Duque vom rechtskonservativen Bündnis "Centro Democratico" setzt dagegen auf Investitionen in die Modernisierung des Landes, will das Land zukunftsfähiger und interessanter für internationale Investoren machen. Und er spielt eine Karte, die angesichts viele Korruptionsfälle gut ankommt bei den Kolumbianern: ein Generationswechsel an der Spitze der Politik.

Duque (41) präsentiert sich als junger Modernisierer und wird unterstützt vom immer noch extrem populären Ex-Präsidenten Alvaro Uribe (2002 bis 2010), einem der schärfsten Kritiker des Friedensvertrages zwischen der linken Guerilla-Organisation FARC und der Regierung Santos, für den der scheidende Präsident den Friedensnobelpreis bekam. Santos gewann für seine Verhandlungen viele internationale Preise, in die Herzen der Mehrzahl der Kolumbianer schaffte es sein Projekt aber nie: Zu groß waren die Zugeständnisse an die FARC.

Beide Seiten fahren Angstkampagnen. Unter Duque, so warnt die Linke, kehrt der Krieg nach Kolumbien zurück. Petros Anhänger verbreiten in den sozialen Netzwerken Bilder, Clips und Parolen, die Duque als kriegslüsternen Feldherrn zeigen. Das rechte Lager kontert mit der Warnung vor venezolanischen Verhältnissen. Petro, so behauptet das Duque-Lager, stehe für einen Castro-Chavismus, der Kolumbien in den wirtschaftlichen Untergang führe. Viel weiter auseinander können die Positionen nicht liegen.

Stichwahl Mitte Juni

Am heutigen Sonntag haben nun die Wähler des zweitbevölkerungsreichsten südamerikanischen Landes das Wort. Ivan Duque geht als Favorit ins Rennen, ihm folgt Gustavo Petro. Nur theoretische Chancen auf den Einzug in eine wahrscheinliche Stichwahl haben Sergio Fajardo sowie der konservative German Vargas und der liberale Humberto de la Calle. Einige wenige Umfragen sagen einen Sieg Duques im ersten Wahlgang voraus, sollte es zu einer Stichwahl Mitte Juni zwischen ihm und Petro kommen, wird das Klima in den nächsten Wochen in Kolumbien noch rauer werden.

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