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Eine Impfung kann vor Gürtelrose schützen

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Prävention - Eine Impfung kann vor Gürtelrose schützen

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Seit wenigen Monaten zahlen Krankenkassen eine Impfung gegen Gürtelrose. An der Erkrankung leiden jährlich rund 350.000 Menschen in Deutschland, Tendenz steigend.

Gewebsschnitt Mikroaufnahme Vergrößerung 400:1
Mikroaufnahme Herpes Zoster, umgangssprachlich Gürtelrose genannt. Vergrößerung eines Gewebsschnitts 400:1.
Quelle: picture-alliance / OKAPIA KG

Varizella Zoster ist geduldig. Nach einer durchgemachten Windpockenerkrankung schlummert das Virus jahrzehntelang in den Nerven des Hirns oder Rückenmarks eines Menschen und wartet auf seine Chance. Die bietet sich, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Krankheitsbedingt, durch Medikamente, Stress oder Traumata – oder einfach im Alter, wenn die Abwehrfunktionen unseres Körpers an Vehemenz verlieren.

Dann vermehren sich die Viren und wandern entlang des Nervenstrangs nach außen an die Hautoberfläche. Abhängig davon, welche Körperregion der entsprechende Nerv versorgt, zeigt sich dort ein gürtelförmiger, geröteter Ausschlag. Besonders häufig betroffen sind Rumpf und Brustkorb. Die kleinen Bläschen schmerzen stark, einige Patienten klagen auch über einen schlimmen Juckreiz. Herpes zoster, umgangssprachlich Gürtelrose, lautet der Name dieser Erkrankung.

Volkskrankheit Gürtelrose

Therapeutisch bekommen Mediziner sie meist gut in den Griff, vorausgesetzt sie wird früh erkannt und behandelt. Doch die Gürtelrose ist aus zwei Gründen gefürchtet: Zum einen kann sie überall am Körper auftreten und im schlimmsten Fall zu Gesichtslähmungen oder Erblindung führen. Bei besonders immunschwachen Menschen kann das Varizella-Zoster-Virus die inneren Organe befallen. Zum anderen hinterlässt es mitunter bleibende Spuren: die postzosterische Neuralgie, auch postherpetische Neuralgie genannt. Diese oft extrem starken Nervenschmerzen sind vermutlich Folge einer Schädigung des Nervs durch Varizella Zoster.

Weil die Gürtelrose vor allem bei älteren Menschen auftritt und die Gesellschaft in der Bundesrepublik altert, steigt auch die Zahl der Betroffenen. Experten gehen derzeit von rund 350.000 Patienten pro Jahr aus. Von einer Volkskrankheit zu sprechen, ist also nicht übertrieben.

Studien zeigen Impferfolg

Hoffnung setzen die Ärzte auf eine neue Impfung gegen Gürtelrose. Der unter dem Namen Shingrix vertriebene Totimpfstoff ist seit diesem Frühjahr für alle Versicherten ab 60 Jahren eine Pflichtleistung der Krankenkassen. Menschen mit einer Grundkrankheit oder einem geschwächten Immunsystem können die Impfung bereits ab 50 Jahren erhalten. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) beschlossen.

Die Datenlage, sagen Experten der Stiko, sei eindeutig und der Nutzen der Impfung immens. "Die Studien haben einen Impferfolg gezeigt, mit dem selbst Fachleute nicht gerechnet haben", sagt Hartmut Hengel, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Freiburg. "Offenbar handelt es sich um eine sehr glückliche Kombination aus einem Antigen und einem Verstärker, einem sogenannten Adjuvans."

Neuer Impfstoff bietet deutlich besseren Schutz

Ob und wann eine Auffrischimpfung nötig ist, wird noch erforscht. Aus den bisher vorliegenden Studiendaten lässt sich dem RKI zufolge schließen, dass die Wirksamkeit innerhalb von vier Jahren nur leicht abgenommen hat, es fehlen allerdings noch Langzeitbeobachtungen. Untersuchungen des Impfstoffs würden jedoch darauf hindeuten, dass die Wirkdauer über die bisher in den Studien belegte Schutzdauer hinausreichen werde.

Archiv: Nahaufnahme von einer Spritzenkanüle in Kempten am 08.10.2019
Studien zeigen einen Impferfolg, mit dem selbst Fachleute nicht gerechnet haben.
Quelle: dpa

Seit einigen Jahren ist bereits unter dem Namen Zostavax ein Lebendimpfstoff auf dem Markt, der jedoch von der Stiko nicht empfohlen wird. Dieser Impfstoff ist dem neuen Totimpfstoff in der Wirkung deutlich unterlegen, vor allem bei älteren Menschen baut sich der Schutz nicht ausreichend auf. "Wir wissen nicht, wieso das so ist, aber die Ergebnisse sind da ziemlich eindeutig", sagt Günther Schönrich, stellvertretender Direktor des Instituts für Virologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.

Die Windpocken-Impfung als Alternative

Es gibt womöglich noch einen anderen Schutz vor der Gürtelrose für Ältere: die Windpockenimpfung im Kindesalter. Wer erstmalig mit dem weltweit vorkommenden Varizella-Zoster-Virus in Kontakt kommt, erkrankt nämlich an Windpocken. Die Windpockenimpfung kann nicht nur vor der Ersterkrankung – den Windpocken –, sondern ein Stück weit auch vor der Zweiterkrankung – der Gürtelrose – schützen.

Denn das bei der Impfung verabreichte abgeschwächte Lebendvirus besitzt eine geringere Fähigkeit, sich später zu reaktivieren und so möglicherweise eine Gürtelrose auszulösen. "Kurz zusammengefasst: Wenn ich gegen Windpocken geimpft bin, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich später im Leben an Gürtelrose erkranke, deutlich geringer, aber nicht Null", sagt Hartmut Hengel. Wie stark dieser Zusammenhang tatsächlich ist, wird sich aber erst in einigen Jahrzehnten zeigen.

Weitere Informationen und Antworten auf häufige Fragen gibt es auf der Internetseite des Robert-Koch-Institutes.

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